Der Gegensatz ist augenscheinlich: Hier die Event-Agentur Marbet, die per Definition für das Verrückte und Ausgefallene zuständig ist. Dort die Mutter, die gerne die Dienste ihrer Tochter Marbet in Anspruch nimmt, bei der es aber vor allem Zahlen sind, welche die größte Begeisterung auslösen. „Wir wollen aus der Marbet keinen Buchhalterladen machen“, sagt Stefan Löbich sogleich. Die Mutter hatte den Geschäftsführer 2005 geschickt, nachdem die Ergebnisse 2004 in den Keller gerauscht waren.
Nur: Die Mutter ist eigentlich identisch mit der Tochter, denn Marbet steht für Marion und Bettina Würth, und Bettina Würth ist bekanntlich inzwischen die Beiratsvorsitzende des gesamten Würth-Konzerns. Stefan Löbichs Büro ist bis heute direkt bei der Chefin - schließlich arbeitete der Diplomkaufmann lange als Bettina Würths Assistent. Davor war er unter Walter Jaeger in der Innenrevision tätig. Neben der Marbet-Geschäftsführung ist Löbich auch für die Zahlen der Hotels in der Würth-Gruppe zuständig.
International Als die Marbet 1996 gegründet wurde, war sie quasi die Spielzeugeisenbahn für die beiden Töchter Reinhold Würths. Als Reisebüro und Werbeagentur übernahm die Firma Aufgaben, die zuvor externe Dienstleister erledigt hatten. Heute setzt die Marbet-Gruppe, die auch in Italien, Spanien und der Schweiz vertreten ist, über 50 Millionen Euro im Jahr um. Das Betriebsergebnis im vergangenen Jahr lag bei fast zwei Millionen Euro.
Ingo Schwerdtfeger ist ein Mann der ersten Stunde und hat schon viele Sternstunden des Unternehmens mitgestaltet: die Feierlichkeiten zu Reinhold Würths 70. Geburtstag genauso wie die Einweihung des Firmengebäudes im schweizerischen Chur. Doch längst ist das Unternehmen auch außerhalb des Würth-Konzerns aktiv. Den ersten externen Kunden akquirierten die Hohenloher schon im Jahr 2000, vergangenes Jahr erwirtschaftete die Marbet die Hälfte ihres Inlandsumsatzes mit Firmen wie Siemens, Bosch, der VW-Bank, Harman International oder der Internationale Funk-Ausstellung, deren Eröffnung die Gaisbacher organisieren.
Auch in Zukunft soll das Wachstum von externen Kunden kommen, sagt Ingo Schwerdtfeger. Aber nicht um jeden Preis: „Wir sind nicht der billige Jakob“, betont der kreative Macher von Traumwelten. Im Ranking der deutschen Eventagenturen haben es die Künzelsauer mit dieser Strategie auf den zwölften Platz geschafft. Aber Potenzial gibt es „ohne Ende“, freut sich Stefan Löbich: Der deutsche Event-Markt werde auf zwei Milliarden Euro geschätzt.
Mit Außendienst An die straffen Reporting-Strukturen im Konzern hat sich die Marbet nach der Eingliederung in den Konzern erst gewöhnen müssen - und auch daran, dass der Chef „jetzt manchmal einen Brief“ schreibt, wie es im Konzern üblich ist. Beim Wachstum ist jetzt Multiplikation und weitere Internationalisierung angesagt: „Wir wollen auf jedem Kontinent präsent sein.“ Außerdem baut Löbich zurzeit einen Vertrieb samt Außendienst auf. „Ich will aus der Marbet kein klassisches Würth-Unternehmen machen“, betont er jedoch. „Die eigene Identität darf nicht verloren gehen.“
Die Marbet Marion & Bettina Würth GmbH betreibt neben dem Event-Geschäft mehrere Reisebüros für Privat- und Geschäftskunden und eine Kommunikationsabteilung. Das Unternehmen beschäftigt zurzeit 123 Mitarbeiter, etwa 80 davon in Deutschland.
Quelle Heilbronner Stimme vom 11. August 2007 von Manfred Stockburger www.stimme.de
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