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Werkzeugbau bekommt ein neues Zuhause

     
 
 

18.8.07

 

Der Werkzeugbau ist die Königsdisziplin unter den Metallberufen. Gute Schlagzeilen hat die Branche in den vergangenen Jahren aber nur wenig geliefert. Die Werkzeugbau-Sparte von Audi hat sich aber gut entwickelt. In Neckarsulm investiert der Autobauer zurzeit über 20 Millionen Euro in die Modernisierung der Abteilung mit 380 Beschäftigten am Standort.

Jetzt bekommen sie eine neue Halle, neue Büros und auch neue Maschinen - denn Audi misst dem eigenen Werkzeugbau eine strategische Bedeutung zu: Die dort gefertigten Bauteile haben einen maßgeblichen Anteil an der Qualität der Außenhaut der Audis. „Unsere Vorstände kommen regelmäßig zu uns und schauen sich die neuen Teile an“, sagt Spartenchef Hubert Waltl stolz. Es geht um Qualität - aber nicht nur: Über „intelligente Werkzeuge“ lasse sich für das Unternehmen eine Menge Geld einsparen.

Komplex

Wenn Autobauer von Werkzeugen sprechen, dann meinen sie nicht Hämmer oder Bohrmaschinen: Dann geht es um die Formschablonen, die aus flachen Blechen erst Kotflügel, Motorhauben oder Türen werden lassen. „Ein solches Werkzeug ist genauso komplex wie ein Auto“, sagt Waltl. Schließlich werden bis zu 2000 Einzelteile gebraucht, um ein solches Werkzeug entstehen zu lassen, das dann 45 bis 50 Tonnen auf die Waage bringt. Vier bis sechs dieser Stempel und Matrizen werden pro Haube oder Tür gebraucht, erklärt Reiner Gehrig, der Neckarsulmer Segmentleiter Werkzeugbau.

Trotz ihrer Größe müssen die Werkzeuge unglaublich genau gearbeitet sein. „Wenn da auch nur ein Haar drinliegt, dann wird Ausschuss produziert“, erklärt Waltl. Schließlich arbeiten die Maschinen im Presswerk mit einer schier unglaublichen Kraft: „Der Druck entspricht dem Gewicht von 1000 aufeinandergestapelten Q7.“

Investitionsprogramm

Der Neubau in Neckarsulm ist Teil eines Investitionsprogramms, mit dem sich Audi auf die Ausweitung der Modellpalette in den nächsten Jahren vorbereiten will. Denn mehr Modelle bedeuten auch mehr Werkzeuge. Und die will Waltl bauen können, ohne dass er zusätzliche Flächen oder Mitarbeiter braucht. „Wir haben da noch eine Menge Potenzial.“ Mit der neuen Halle will er eine Art Fließfertigung für die Werkzeuge einführen: Dadurch will er erreichen, dass seine Mitarbeiter weniger Arbeitszeit mit der Suche nach Materialien verbringen und mehr mit „wertschöpfenden Tätigkeiten“.

Welche Rolle der Audi-Werkzeugbau spielt, wird auch dadurch deutlich, dass inzwischen Waltl nicht nur bei Audi, sondern inzwischen im ganzen VW-Konzern für den Werkzeugbau zuständig ist. Ganz anders war die Situation im Krisenjahr 1993, als die Sparte gegründet wurde: „Damals ging es um die Frage, ob wir überhaupt einen eigenen Werkzeugbau brauchen.“

Diese Frage ist längst mit ja beantwortet: Etwa 300 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet die Sparte im Jahr. Die meisten Aufträge kommen von den Audi-Kollegen - aber nicht alle: Zurzeit arbeiten die Neckarsulmer einen Großauftrag ab für Porsche ab.

Quelle Heilbronner Stimme vom 17. August 2007 von Manfred Stockburger www.stimme.de

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