Was Wirtschaftsförderer schon lange behaupteten, hat jetzt das Statistische Landesamt von Baden-Württemberg belegt: Heilbronn-Franken belegt beim Wachstum im Land einen der vorderen Plätze, und der Landkreis Heilbronn ist sogar am erfolgreichsten. Um 53,4 Prozent auf 141 900 stieg hier die Zahl der Erwerbstätigen von 1985 bis 2005 - so stark wie in keinem anderen Stadt- und Landkreis im Südwesten. Auch der Hohenlohekreis belegt mit einem Plus von 36,3 Prozent einen Spitzenplatz, der Stadtkreis Heilbronn ist immerhin hinter Freiburg und Heidelberg dritterfolgreichste Großstadt.
„Die Ergebnisse sind für uns keine Überraschung“, sagt Christof Krämer, Stellvertreter des Verbandsdirektors beim Regionalverband Heilbronn-Franken. „Wir haben ja in den vergangenen Jahren an den Flächenausweisungen gemerkt, wie stark hier das Wachstum ist.“
Neben dem Dienstleistungssektor, der innerhalb des untersuchten Zeitraums auch im Landkreis Heilbronn und im Hohenlohekreis stärkster Wirtschaftszweig geworden ist, ist hier nach wie vor das produzierende Gewerbe sehr stark: Im Landkreis Heilbronn wuchs es um 27,4 Prozent oder 13 700 Arbeitsplätze; im Hohenlohekreis noch um zehn Prozent oder 2100 Stellen. Im Stadtkreis Heilbronn gab es hier jedoch einen Rückgang um 6700 auf 23 500 Erwerbstätige: Die Schließungen von Solvay, Stahlbau Breitschwerdt und der Brauerei Cluss sowie der Weggang von Losberger machen sich hier bemerkbar.
Strukturwandel
„Es gibt aber auch eine statistische Grauzone“, erläutert Andreas Schumm, beim Regionalverband zuständig für Bevölkerungs- und Wirtschaftsfragen. Zum Beispiel gelte das Bosch-Entwicklungszentrum in Abstatt, obwohl Dienstleistungsstandort, als Arbeitgeber des produzierenden Gewerbes. Dasselbe gelte für die Getrag-Zentrale in Untergruppenbach. „Nicht alle Unternehmen trennen das ganz genau“, sagt Schumm. Wobei die Verschiebungen auch in die andere Richtung verlaufen: Die Würth-Produktionstöchter Arnold (Ernsbach) und Würth Elektronik (Waldenburg) gehören theoretisch einem Dienstleistungskonzern an.
Das Zahlenmaterial spiegelt dennoch den Strukturwandel wider, der die Region längst erreicht hat. Zwar belegt der Landkreis Heilbronn in einer Kategorie nur den viertletzten Platz: Nur 51,4 Prozent der Beschäftigten arbeiten im Diensleistungssektor, trotz großer Unternehmen wie der Schwarz-Gruppe oder Bechtle. Auch der Hohenlohekreis kommt hier nur auf 55,2 Prozent, trotz Handelsriesen wie Würth und Berner. „Wir werden den Anteil anderer Regionen nie erreichen“, erwartet Schumm. „Es gibt hier keine großen Behörden, keine Universitäten, Bankzentralen oder Medienzentren.“ Heilbronn-Franken sei stattdessen stark vom produzierenden Gewerbe geprägt. „Unsere einzige Sorge ist, dass eine Industrie wie etwa der Automobilbau zu starkes Gewicht hat - so werden wir krisenanfällig“, ergänzt Krämer. Das habe sich ja in der Vergangenheit schon gezeigt. Derzeit ist er aber optimistisch. „Wenn die wirtschaftliche Dynamik weiter anhält, werden wir auch weiter so stark wachsen. Die Region ist gut aufgestellt.“
Quelle Heilbronner Stimme vom 25. August 2007 von Heiko Fritze www.stimme.de
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