Journalisten und ihre Leser lieben Rankings. Welche Stadt ist die kinderfreundlichste, welche Uni die beste, welcher Arzt der fähigste, welche Firma die umsatzstärkste? Weil jeder zu den Besten gehören oder sich zumindest in dessen Ruhm sonnen möchte, werden solche Listen mit Genuss oder mit Schadenfreude studiert.
Die zum Verlag Gruner + Jahr gehörende Zeitschrift „Healthy Living“ hat diese Woche einen medialen Volltreffer gelandet, der ihre Auflage gewaltig steigern wird. Sie hat den „ersten deutschen Gesundheitsatlas“ herausgegeben und 81 Städte über 100 000 Einwohner gesundheitlich unter die Lupe genommen. Aus öffentlich zugänglichen Quellen hat sie 3600 Einzeldaten genommen, 45 Gesundheitskriterien zu sieben Themengruppen zusammengefasst, unterschiedlich stark bewertet und alles von der Uni Hannover mit Unterstützung der DAK auswerten lassen.
Wohlfühlstadt Heilbronn landete wie berichtet auf Platz 19 und ist die siebt-gesündeste Stadt in Baden-Württemberg. Nicht mehr zu übertreffen war auf Platz 1 die Stadt Ulm. So ein Ergebnis freut natürlich auch Heilbronns Erste Bürgermeisterin Margarete Krug. „Bereits unsere Bürgerumfrage hat gezeigt, dass die überwältigende Mehrheit der Heilbronner gerne hier wohnt.“ Ein Blick in die Ergebnisse: Die Schulnote „Gut“ bekommt Heilbronn in Sachen Lebenserwartung seiner Einwohner. Vor allem die Männer werden überdurchschnittliche 77,6 Jahre alt.
Eine „Zwei“ gaben die Wissenschaftler für die „Umwelt- und Wohnkriterien“ Feinstaub- und Kohlendioxidbelastung, die zur Verfügung stehenden Wohn- und Grünflächen, die Zahl der (aufgeklärten) Straftaten, die Zahl der angemeldeten Autos und der Unfälle. Hier kommt Heilbronn zugute, dass es eine sicherere Großstadt mit vergleichsweise wenig Kriminalität ist. Dieses Gefühl sei ein wichtiger Gesundheitsfaktor, sagt die Studie.
Dass Heilbronn nur wenige Parks haben soll, wo man entspannen und gesund bleiben kann, lässt Margarete Krug so nicht gelten. „Wir haben kurze Wege hinaus in die Natur, in die Wälder und Weinberge.“ Spätestens mit der Bundesgartenschau werden die Parkflächen zunehmen.
Krippenplätze Bemängelt hat die Studie, dass es in Heilbronn zu wenig Krippenplätze gibt (Krug: „Daran arbeiten wir“), zu wenig Krankenhausbetten und zu wenig Haus- und Kinderärzte (Krug: „Unistädte mit medizinischer Fakultät haben automatisch mehr Klinikbetten und eine höhere Arztdichte“). Deshalb gab es für die „Medizinische und soziale Versorgung“ nur die Note 3. Dass es in Heilbronn anders als in Unistädten mehr ältere als jüngere Menschen gibt, liegt in der Natur der Sache. Auch hier schmerzt das „Befriedigend“ nicht wirklich.
Am Klima (Sonnenscheindauer, Niederschlagsmenge und Durchschnittstemperatur) kann man in Heilbronn wenig drehen, trotzdem sind sie für das Wohlbefinden wichtig. Heilbronn bekam hier Note 3.
Nur zu einer Vier reichte es für die „soziale und wirtschaftliche Lage“ der Stadt. Hier flossen Indikatoren wie die Arbeitslosenquote, das Haushaltseinkommen, der Bildungsgrad der Bevölkerung und das Angebot an Volkshochschulkursen ein. Wer hier gut aufgestellt ist, lebt psychisch und faktisch gesünder, so „Healthy Living“.
Und noch etwas ging mit zehn Prozent in das Ranking ein: die Zahl der Theaterbesuche (hoch) und der Sportvereinsmitglieder (niedrig).
Weitere Informationen unter
Quelle Heilbronner Stimme vom 25. August 2007 von Ulrike Bauer www.stimme.de
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