Mit einer Entwicklung aus dem Skisport will die Michael Weinig AG den Holzbau revolutionieren. Das Unternehmen mit Sitz in Tauberbischhofsheim hat in Kooperation mit einem österreichischen Erfinder Maschinen für die Herstellung von extrem leichten und stabilen Holzplatten entwickelt, deren Vorläufer zunächst in der Skiindustrie für Aufsehen gesorgt hatten. "Auf Sportler, die bei den Olympischen Winterspielen in Turin auf Skiern mit einem ähnlichen Holzkern angetreten waren, war ein Medaillenregen herab gegangen", sagt Rainer Hundsdörfer, Vorstandsvorsitzender der Michael Weinig AG. Nun soll die Erfindung - eine Art Holzsandwich mit Luftkammern - mit dem Namen Dendrolightplatte auch für Wände, Decken, Fußböden, Treppen und Türen eingesetzt werden.
Leicht und dennoch stabil soll es sein, das Material, das besonders die Bauindustrie, Flugzeug-, Wohnmobil- und Schiffsbauer sowie die Möbelindustrie begehren. Weltweit suchen Ingenieure und Wissenschaftler nach immer leichteren Baustoffen, etwa um den Kraftstoffverbrauch zu senken oder für die Erstellung von Notunterkünften. Eine Alternative zu klassischen Leichtbauwerkstoffen wie Aluminium und Kunststoff soll die Dendrolightplatte sein, für deren Produktion sogar Restholz - so genanntes Firnholz - verwendet werden kann. Ihr Erfinder ist Johann Berger. Der Unternehmer aus dem österreichischen Neustadtl an der Donau forscht seit 25 Jahren mit inzwischen 20 Mitarbeitern rund um die Einsatzmöglichkeiten von Holz. Die Ursprünge der heutigen Dendrolightplatte liegen vier Jahre zurück. "Damals haben wir einen Auftrag aus der Skiindustrie erhalten", berichtet Berger, der genauere Details aus vertragsrechtlichen Gründen nicht nennen darf.
Als langjähriger Weinig-Kunde stellte er seine Forschungs- und Entwicklungsergebnisse dem Maschinenbauunternehmen vor und stieß mit seiner Entwicklung sofort auf großes Interesse. Inzwischen belegen mehrere Studien die Vorteile der Dendrolightplatte, die aus einer zellenartig aufgebauten Vollholzmittelschicht mit zwei dünnen Decklagen besteht: "Ihre geringe Dichte entspricht gerade mal 50 bis 60 Prozent der von massivem Fichtenholz", sagt Hundsdörfer. Als Baustoff verwendet wiegt sie gerade mal ein Drittel von dem, was eine Spanplatte in vergleichbarer Größe auf die Waage brächte. Daneben zeichne sich die Leichtholzplatte durch hohe Biegefestigkeit und hohen Brandwiderstand aus, so der Vorstandsvorsitzende.
Bei der Entwicklung der Fertigungsmaschinen für die Dendrolightplatten konnte Weinig zum großen Teil auf vorhandene und erprobte Techniken zurückgreifen. Auch zum Klimaschutz trägt die Dendrolightplatte bei: "Durch die Lufteinschlüsse ist die Wärmedämmung dreimal besser als etwa bei einer Massivholzplatte aus Fichtenholz", sagt Hundsdörfer. Das beim Sägen anfallende Restholz kann zu Holzpellets verarbeitet oder als Pferdestreu verwendet werden. Welches Potential in der Dendrolightplatte steckt, belegt die Nominierung zum Deutschen Holzbaupreis 2007 im Rahmen der Ligna+, einer der weltweit führenden Messen für Holzverarbeitung in Hannover. Die Jury sei von der Dendrolightplatte begeistert gewesen, so Hundsdörfer.
Die Weinig Group hat weltweit 20 Niederlassungen. Davon werden an neun Standorten Maschinen und Anlagen zur Holzverarbeitung produziert. Bei Maschinen und Anlagen zur Massivholzbearbeitung ist der Konzern mit seinen weltweit etwa 2 200 Mitarbeitern (Deutschland: 1 600) Weltmarktführer. Im vergangenen Jahr lag der Gesamtumsatz bei rund 348 Millionen Euro. In diesem Jahr peilt der Konzern rund 410 Millionen an. Die Unternehmensgruppe wird von Rainer Hundsdörfer (Vorstandsvorsitzender), Karl Wachter (Vorstand Finanzen) und Dr. Dieter Japs (Vorstand Technik) geführt. Seit 1984 ist Weinig im Besitz von Finanzinvestoren aus Kuwait.
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