Die Konjunktur im Bezirk der IHK Heilbronn-Franken befindet sich im Herbst 2007 weiterhin in einer robusten Verfassung. Außen- und binnenwirtschaftliche Auftriebskräfte stützen die wirtschaftliche Entwicklung.
Die Lagebeurteilung fällt im 3. Quartal 2007 nur geringfügig weniger positiv als im Vorquartal aus. In der Industrie hat sich die Geschäftssituation im 3. Quartal 2007 sogar nochmals verbessert und es wurde ein neues Allzeit-Hoch erreicht. Aufgehellt hat sich auch das Stimmungsbild in der Bauwirtschaft. Hier hat sich die gute Auftragslage im Straßen- und Tiefbau sowie im gewerblichen Hochbau fortgesetzt.
Während sich im Großhandel die wirtschaftliche Situation weiter abgekühlt hat, hofft der heimische Einzelhandel bei eingetrübter Lageeinschätzung auf eine Belebung der Geschäfte in den kommenden Monaten. Hingegen blicken die regionalen Dienstleister vorsichtiger als im Vorquartal in die Zukunft. Weiter entspannt hat sich die Arbeitsmarktlage. Das zeigen die Ergebnisse der neuesten Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken, an der sich rund 360 Unternehmen mit zusammen zirka 64 000 Beschäftigten aus dem gesamten IHK-Bezirk beteiligt haben.
Konjunktur im IHK-Bezirk auf nach wie vor hohem Niveau
Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage durch die heimischen Unternehmen hat sich gegenüber dem 2. Quartal 2007 per saldo nur wenig geändert. Rund 48 Prozent (Vorquartal 49 Prozent) der an der Umfrage teilnehmenden Betriebe sprechen von einem guten Geschäftsverlauf, während wie im Vorquartal 6 Prozent der Unternehmen mit der Geschäftslage nicht zufrieden sind.
Der kräftige Konjunkturaufschwung ist vor allem auf das anhaltend hohe Wachstumstempo der regionalen Industrie zurückzuführen. Wichtiger Tragpfeiler für die heimische Wirtschaft war einmal mehr der Export.
Zudem trägt die Inlandsnachfrage zu dem anhaltenden Wirtschaftsaufschwung bei. Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen ist nach wie vor überdurchschnittlich hoch. Hingegen schwächelt der private Verbrauch noch immer. Angesichts der verbesserten Lage am Arbeitsmarkt sind jedoch die Voraussetzungen für eine Kräftigung des privaten Konsums günstig.
Rund 35 Prozent (Vorquartal 34 Prozent) der Betriebe wollen die Beschäftigtenzahl vor Ort in den kommenden zwölf Monaten erhöhen. Wie im Vorquartal planen dagegen lediglich 9 Prozent der Betriebe einen Personalabbau. Gleichzeitig stehen die Unternehmen jedoch zunehmend vor dem Problem, keine geeigneten Bewerber für die offenen Stellen zu finden.
Rund 48 Prozent der Unternehmen in der Region Heilbronn-Franken gaben im 3. Quartal 2007 an, Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen zu haben. Am größten ist der Arbeitskräftemangel dabei in der Industrie.
Die Geschäftsaussichten für die nächsten zwölf Monate beurteilen die Betriebe zurückhaltender als im 2. Quartal 2007. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die jüngste Entwicklung von Euro-Kurs und Ölpreis haben die Unsicherheit für die weitere wirtschaftliche Entwicklung erhöht. 31 Prozent (Vorquartal 41 Prozent) der Unternehmen erwarten weiterhin einen günstigen Geschäftsverlauf. 9 Prozent (Vorquartal 8 Prozent) der Betriebe blicken hingegen mit Skepsis auf die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung.
Glänzende Geschäftsentwicklung in der Industrie
Die sehr gute Geschäftsentwicklung in der Industrie, dem Wirtschaftsbereich, der maßgeblich die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bestimmt, hat sich im 3. Quartal 2007 weiter fortgesetzt. Die heimischen Industrieunternehmen schätzen die aktuelle Geschäftslage per saldo erneut besser als im Vorquartal ein. Damit wurde das Allzeit-Hoch des Vorquartals noch einmal übertroffen. 61 Prozent (Vorquartal 59 Prozent) der Unternehmen sprechen von einem guten Geschäftsverlauf, während nur 4 Prozent (Vorquartal 3 Prozent) der Betriebe mit der Geschäftslage nicht zufrieden sind.
Die Auftragsentwicklung wird nicht mehr ganz so günstig wie im Vorquartal eingeschätzt. 45 Prozent (Vorquartal 47 Prozent) der Betriebe verbuchten steigende ausländische Auftragseingänge. 9 Prozent (Vorquartal 6 Prozent) der Unternehmen klagen dagegen über rückläufige Auslandsorders. Impulse für die Exporte erreichen die Industrieunternehmen vor allem aus den Staaten Mittel- und Osteuropas, dem Euro-Raum sowie den boomenden Schwellenländern Asiens wie China und Indien. Im Bereich der inländischen Auftragseingänge ist ebenfalls per saldo eine leichte Abschwächung festzustellen. 39 Prozent (Vorquartal 41 Prozent) der Unternehmen melden einen Zuwachs bei den Inlandsorders, 13 Prozent (Vorquartal 11 Prozent) der Betriebe verzeichneten hingegen rückläufige Auftragseingänge aus dem Inland. Die Kapazitätsauslastung der Betriebe lag im Durchschnitt bei 87 Prozent (Vorquartal 88 Prozent).
Im Vergleich zum Vorquartal per saldo nur wenig nach unten korrigiert, bleiben die Personalpläne der Unternehmen auf Expansion ausgerichtet. Im Einzelnen planen 34 Prozent (Vorquartal 37 Prozent) der Industriebetriebe eine Personalaufstockung, während ein Zehntel (Vorquartal 7 Prozent) der Unternehmen eine Reduzierung der Beschäftigtenzahl in Betracht zieht.
Hinsichtlich des Geschäftsverlaufs in den kommenden zwölf Monaten hat der Optimismus weiter nachgelassen. Ein Drittel (Vorquartal 42 Prozent) der Betriebe erwartet eine günstigere Geschäftsentwicklung insgesamt, während 6 Prozent (Vorquartal 5 Prozent) der Unternehmen pessimistisch in die Zukunft blicken. Die Industriebetriebe rechnen demnach weiter mit einer robusten Konjunkturentwicklung, wobei sich das Wachstumstempo jedoch etwas verlangsamen dürfte. Bei einer verbesserten Einschätzung der derzeitigen Ertragslage ist in den kommenden zwölf Monaten weiter mit einem deutlichen Anstieg bei den inländischen Investitionen zu rechnen. Während 45 Prozent der Unternehmen ein höheres Investitionsniveau als in den vergangenen zwölf Monaten vorsehen, planen 41 Prozent der Betriebe mit gleich bleibenden Investitionsausgaben.
Baugewerbe zeigt sich zuversichtlich
Die konjunkturelle Situation in der regionalen Bauwirtschaft insgesamt hat sich im 3. Quartal 2007 per saldo erneut verbessert. Während 16 Prozent (Vorquartal 22 Prozent) der Betriebe den Geschäftsverlauf als gut bezeichnen, melden 4 Prozent (Vorquartal 17 Prozent) der heimischen Bauunternehmen eine schlechte Geschäftslage. Allerdings haben sich die Auftragseingänge insgesamt im 3. Quartal 2007 dagegen deutlich verschlechtert. Der Saldo aus positiven und negativen Stimmen liegt nun wieder im Minusbereich.
Vor allem im Wohnungsbau ist es durch die Vorzieheffekte des vergangenen Jahres zu einem Einbruch gekommen. 90 Prozent der Bauunternehmen dieses Teilbereichs sprechen von rückläufigen Auftragseingängen, während kein Betrieb einen Zuwachs bei den Auftragseingängen registrierte. Auch im öffentlichen Hochbau überwiegen weiter die pessimistischen Stimmen. Dagegen profitiert der gewerbliche Hochbau von der gestiegenen Investitionsbereitschaft der Unternehmen. In diesem Teilbereich berichten 39 Prozent der Unternehmen von höheren Auftragseingängen.
Im Straßen- und Tiefbau ist die Auftragslage ebenfalls nach wie vor überwiegend positiv. Die Hälfte der Unternehmen verzeichnete steigende Auftragseingänge. Die Auslastung von Maschinen und Geräten ist im Baugewerbe mit durchschnittlich 75 Prozent gegenüber dem Vorquartal gleich geblieben.
In Bezug auf die Geschäftserwartungen wurde die Skepsis vom Vorquartal durch eine verhaltene Zuversicht abgelöst. Während 24 Prozent (Vorquartal 22 Prozent) der Betriebe mit Optimismus in die Zukunft blicken, erwarten 16 Prozent (Vorquartal 24 Prozent) der Unternehmen einen ungünstigeren Geschäftsverlauf. Die Unternehmen sehen Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften. 36 Prozent der Betriebe ziehen die Schaffung neuer Stellen in Erwägung, während 4 Prozent der Unternehmen eine Reduzierung des Beschäftigtenstandes in den nächsten zwölf Monaten vorsehen. Mehr als drei Viertel der Bauunternehmen planen in den kommenden zwölf Monaten steigende oder gleich bleibende inländische Investitionsausgaben.
Abkühlung im Großhandel
Das Stimmungsbild im Bereich des Großhandels hat sich per saldo weiter eingetrübt. Während 34 Prozent (Vorquartal 39 Prozent) der Unternehmen von einem guten Geschäftsverlauf berichten, sind 13 Prozent (Vorquartal 10 Prozent) der Großhändler mit der aktuellen Geschäftslage unzufrieden. Im Vergleich zum Vorquartal hat sich die Einschätzung des Kaufverhaltens per saldo deutlich verschlechtert. Rund 43 Prozent der Großhändler sprechen von einem zurückhaltenden Kaufverhalten. Jeweils rund 26 Prozent der Großhandelsbetriebe erwarten eine bessere beziehungsweise eine schlechtere Geschäftsentwicklung. Die Beschäftigungsperspektiven im heimischen Großhandel haben sich dagegen im Vergleich zum Vorquartal per saldo leicht aufgehellt. 27 Prozent der Unternehmen erwägen eine Erhöhung der Beschäftigtenzahl.
Einzelhandel hofft auf Geschäftsbelebung
Die Lagebeurteilung im heimischen Einzelhandel fällt im Vergleich zum Vorquartal per saldo wieder schlechter aus. 22 Prozent (Vorquartal 30 Prozent) der Einzelhändler halten den Geschäftsverlauf für gut. 17 Prozent (Vorquartal 11 Prozent) der Unternehmen bezeichnen hingegen die aktuelle Geschäftslage als schlecht. Nach wie vor bremst insbesondere die Mehrwertsteueranhebung zu Jahresbeginn die Kauflaune der Konsumenten. Lediglich 4 Prozent der Betriebe bezeichnen das Kaufverhalten der Kunden als kauffreudig.
63 Prozent der Unternehmen stufen es als saisonüblich angemessen ein und rund ein Drittel der Einzelhändler spricht von einem zurückhaltenden Kaufverhalten. 28 Prozent (Vorquartal 26 Prozent) der Einzelhändler gehen von einer günstigeren Geschäftsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten aus, nur rund 7 Prozent (Vorquartal 9 Prozent) der Betriebe blicken mit Skepsis in die Zukunft. Die Beschäftigungsplanungen der Einzelhandelsbetriebe bleiben vorsichtig optimistisch. Während 5 Prozent der Unternehmen einen Personalabbau planen, ziehen 15 Prozent der Einzelhändler eine Aufstockung der Beschäftigtenzahl in Betracht.
Dienstleister urteilen vorsichtiger
Die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage durch die heimischen Dienstleister fällt im 3. Quartal 2007 geringfügig weniger positiv als im Vorquartal aus. 48 Prozent (Vorquartal 54 Prozent) der Betriebe sprechen von einem guten Geschäftsverlauf, während 4 Prozent (Vorquartal 6 Prozent) der Unternehmen mit der Geschäftslage nicht zufrieden sind. Bei 59 Prozent der Dienstleistungsbetriebe sind die Umsätze im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen. Rund 57 Prozent der Dienstleister berichten von steigenden Auftragsvolumina, während nur knapp 3 Prozent der Betriebe Einbußen hinnehmen mussten. Im Vergleich zum 2. Quartal 2007 hat sich die Einschätzung der Ertragslage per saldo etwas verschlechtert. Die Beurteilung des zukünftigen Geschäftsverlaufs insgesamt fällt per saldo weniger positiv als im 2. Quartal 2007 aus. 38 Prozent (Vorquartal 57 Prozent) der Unternehmen kalkulieren mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung. 7 Prozent (Vorquartal 4 Prozent) der Betriebe blicken hingegen pessimistisch in die Zukunft. Die Beschäftigungspläne der Betriebe sind nach wie vor von großem Optimismus gekennzeichnet. 54 Prozent der Dienstleister wollen neue Stellen schaffen, während weniger als 6 Prozent der Unternehmen einen Personalabbau vorsehen. Damit wird der Dienstleistungssektor auch weiterhin zu einer Belebung des Arbeitsmarktes beitragen.
Weitere Informationen zur aktuellen konjunkturellen Lage können im Internet unter dem Stichwort „Konjunktur“ unter www.heilbronn.ihk.de/Information/konjunktur.htm abgerufen werden.
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