Bundespräsident Horst Köhler hat die Entwicklung des weltweit agierenden Handelskonzerns Würth als „eine wunderbare Erfolgsgeschichte in Baden-Württemberg“ gewürdigt. Köhler sagte am Dienstag bei einem Besuch in der Zentrale der Würth-Gruppe in Künzelsau, Unternehmenschef Reinhold Würth (72) habe ein Unternehmen aus dem Nichts aufgebaut.
Der Bundespräsident, der seine baden-württembergische Herkunft betonte, zeigte sich stolz darauf, mit dem Weltmarktführer für Befestigungstechnik ein Unternehmen zu besuchen, das in Privatinitiative große Werte schaffe. Dazu müsse man auch die über tausend jungen Menschen zählen, die derzeit bei Würth ausgebildet werden.
Köhler sagte zu den Mitarbeitern, die Globalisierung sei eine Herausforderung. „Wir müssen uns anstrengen, wir brauchen aber keine Sorge zu haben, dass wir die Herausforderung meistern“, betonte der Bundespräsident.
Würth ist in 86 Ländern der Welt tätig, beschäftigt weltweit über 60 000 Mitarbeiter und will in diesem Jahr über 8,5 Milliarden Euro umsetzen. Firmenchef Würth erinnerte daran, wie im Jahr 1945 von seinem Vater die Schraubenhandlung in Künzelsau gegründet wurde. 1954 habe er dann von seinem Vater das Unternehmen übernommen. Aus der Schraubenhandlung mit einem Umsatz von damals 80 000 Euro habe sich ein Konzern entwickelt, der im Geschäftsjahr 2006 einen Umsatz von 7,75 Milliarden Euro erwirtschaftet hat. Würth sagte an die Adresse des Bundespräsidenten: „Sie werden in Hohenlohe niemanden finden, der ihre Berliner Globalisierungsrede nicht unterstützen wird.“
Über 2,9 Millionen Kunden werden heute weltweit von Würth betreut. Das Sortiment besteht aus über 100 000 Produkten im Bereich Montage- und Befestigungstechnik. Würth ist ein großer Kunstmäzen, der in Künzelsau und Schwäbisch Hall zwei große Museen gebaut hat. Die Würth-Museen werden vorwiegend aus der mehr als 10 000 Werke umfassenden Sammlung von Würth bestückt. (lsw)
Der Präsident macht Überstunden
Der Zeitplan war eng gesteckt. Deshalb fiel die Begrüßung kurz aus. Doch mit so vielen Mitarbeitern hatte Horst Köhler nicht gerechnet. Als ihm hunderte Augen entgegenstrahlten und ein Applaus auf den nächsten folgte, legte der Bundespräsident noch eine Schippe drauf. „Dank, Respekt und Anerkennung“ zollte er den Beschäftigten der Firma Würth. Und er zeigte große Wertschätzung für die hohe Wertschöpfung. Dann verschwanden er und die anderen in einem separaten Raum. Dort unterhielt sich Köhler angeregt mit der Konzernführung und der kommunalen Prominenz. Seine Wirtschaftskompetenz machte auf alle Eindruck, die in diesem privilegierten Kreis mit ihm sprechen durften. „Horst Köhler ist ein sehr weitblickender Mensch, der uns Unternehmern Mut macht“, sagte Konzernchef Robert Friedmann. Zwischen seiner „Berliner Rede“ und den Feiern zum Tag der Deutschen Einheit war er nach Hohenlohe gekommen. Auf persönliche Einladung von Reinhold Würth, der selbst „überrascht“ war, dass Köhler zusagte.
Freude
Jetzt hat also auch ein Bundespräsident dem mächtigen Handelskonzern die Ehre erwiesen, der Bundeskanzler und der Dalai Lama waren ja schon da gewesen. Und es hat ihm wohl gefallen in Gaisbach, sonst hätte er seinen Besuch in der Würth-Zentrale nicht um eine volle Stunde verlängert. Um 15.45 Uhr hob der olivgrüne Bundeswehrhubschrauber am Dienstag wieder ab. Zweieinhalb Stunden vorher war er vor dem Verwaltungsgebäude aus dem Auto gestiegen und von Reinhold und Bettina Würth empfangen worden. Die Gesprächsrunde mit der Würth-Spitze, der Austausch mit den Auszubildenden, der Rundgang durch die Logistik: All dies sprengte den vorgegebenen zeitlichen Rahmen, und obwohl die Presse kein Wort mit Köhler wechseln konnte, spürte man: Das Staatsoberhaupt zeigt großes Interesse, und er nimmt die Menschen ernst.
Tanja Breuninger aus Waldenburg hat ihm direkt in die Augen geblickt. Und ein Lachen erkannt, das „große Freude“ ausstrahlt. Die Gruppenleiterin war schon „ein bisschen aufgeregt“, als sie dem Präsidenten gegenüberstand. Doch ihr ging es wie den Azubis, deren Nervosität schnell verflogen war, weil sich Köhler rasch auf ihre Ebene begab. Einen „ganz sympathischen Menschen“ hatten sie kennen gelernt. Zum ersten Mal in ihrem Leben sahen sie einen so bekannten Politiker. Und jetzt saßen sie mit ihm auch noch in einem Raum. Doch als er das Zimmer wieder verließ, hatten sie das Gefühl, mit einem Menschen gesprochen zu haben, der alles war, nur nicht abgehoben. Antonio Sirufo genauso wie Patric Sattler, Johanna Starke oder Doree Kreuziger.
Nähe
Als Horst Köhler den 300 Mitarbeitern am Ende zuwinkte, die sich auf dem Holzpodest vor den Palettierrobotern versammelt hatten, um mit dem Präsidenten fotografiert zu werden, da blitzte jene Volksnähe erneut auf, die dem Staatsoberhaupt ja gerne nachgesagt wird. Manche hatten längst Feierabend - doch diese Überstunden nahmen sie gerne in Kauf. Die Gesten des Abschnitts, die waren so kurz wie die Worte zu Beginn. Wieder lächelten sie ihm entgegen, und wieder applaudierten sie nach Kräften. Doch Köhler musste weiter. Auch wenn er gerne noch eine weitere Schippe draufgelegt hätte. (Ralf Reichert)
Quelle Heilbronner Stimme vom 2. Oktober 2007 www.stimme.de
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