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Biotech-Firma kommt

     
 
 

4.10.07

 

Ohne Moos nix los - der Kalauer drängt sich in diesem Fall geradezu auf: Aus Moos stellt die Firma Greenovation ihre Produkte her. Weil sie Geld brauchte, um ihre biopharmazeutischen Wirkstoffe nicht mehr nur im Labormaßstab herstellen zu können, ist sie nach Heilbronn gekommen: Der Zukunftsfonds Heilbronn (ZF-HN) hat sich mit 3,5 Millionen Euro an dem Unternehmen beteiligt.

Bedingung für die Finanzspritze war, dass die Firma ihren ersten Photobioreaktor im industriellen Maßstab in Heilbronn ansiedelt. „Es wird höchstwahrscheinlich ein Neubau werden“, sagt Greenovation-Finanzchef Andreas Kranzusch. Noch ist die Standortsuche nicht abgeschlossen, derweil hat die Biotech-Firma aus Freiburg ein Büro in der Innovationsfabrik bezogen.

Wertvoller als Gold

Das Produkt des gentechnisch manipulierten Mooses sind Antikörper. Solche, die dem Krebs das Leben schwer machen. Zu den Kunden des 1999 gegründeten Unternehmens gehören große und kleine Arzneimittelhersteller. Nur kleinste Portionen mussten die Gentechniker deswegen herstellen - in der Größenordnung von ein bis drei Milligramm. „Das kostet aber nicht nur ein- oder zweitausend Euro“, sagt Kranzusch. „Über Gold und Diamanten lächeln wir nur.“

Bisher werden die Mittel der Greenovation-Kunden noch nicht klinisch getestet. In den nächsten ein bis zwei Jahren soll es soweit sein, dass die ersten Moos-Proteine Menschen verabreicht werden. Um genügend Material für die dafür notwendigen Tests herzustellen, braucht Greenovation nicht nur einen größeren Photobioreaktor, sondern auch die Zulassung, die von der amerikanischen Regierung vergeben wird. „So eine Anlage ist sehr teuer“, sagt Kranzusch, ohne jedoch eine genaue Summe zu nennen. Die Hälfte der Baukosten entfalle auf die spezielle Klimaanlage. Die ist notwendig, weil eine solche Biotech-Fertigung völlig von der Außenwelt abgeschnitten sein muss. „Da darf nichts in die Umwelt gelangen.“ Etwa 1000 Quadratmeter Produktionsfläche werde diese Anlage haben und zunächst zehn bis 20 Mitarbeiter beschäftigen. „Das sind hochqualifizierte Arbeitsplätze“, betont Kranzusch. Wenn es funktioniert, dann könnten es in nicht allzu ferner Zukunft viel mehr Stellen werden.

Spezialkultur

Greenovation kann nicht jedwelches Grünzeug für die Produktion von Antikörpern brauchen. „Das Moos, das wir verwenden, ist vor 30 bis 40 Jahren ins Labor gebracht worden“, erklärt Kranzusch. Im Lauf der Zeit sei es grundlegend verändert worden. „Ich glaube nicht, dass es in der freien Wildbahn überlebensfähig wäre. Aber dort hat es nichts verloren“, sagt er. Kulturen, die das Unternehmen nicht mehr braucht, werden erhitzt und abgetötet. „Was dann übrig bleibt, ist genauso gefährlich wie ein Komposthaufen im Garten“, sagt er.

Die Grundlagen der Geschäftsidee stammen von zwei Professoren der Universität Freiburg, die Greenovation 1999 gegründet haben - als eine so genante Spinn-Off-Firma, die Forschungsergebnisse vermarkten soll. Aus dem Tagesgeschäft haben sich die beiden inzwischen zurückgezogen, sie sind aber weiterhin an der Firma beteiligt. Und wichtige Gesprächspartner für die Greenovation-Forscher. Die Entwicklungsabteilung soll deswegen weiterhin in der Unistadt bleiben. Produziert wird aber in Heilbronn.

Hintergrund

Greenovation Die Greenovation Biotech GmbH gibt es seit 1999. Gegründet wurde die Firma in Freiburg, der juristische Sitz ist inzwischen in Heilbronn. Neben Gründern und Mitarbeitern sind an der Firma unter anderem die L-EA (Karlsruhe) und der Zukunftsfonds Heilbronn beteiligt.

Biotechnologie Anders als bei der umstrittenen Gentechnik im Lebensmittelbereich arbeitet Greenovation nur im Labor mit gentechnisch veränderten Organismen und produziert keine Lebensmittel, sondern Wirkstoffe für Arzneimittel. In Deutschland gibt es laut Greenovation etwa 100 Unternehmen, die in diesem Bereich aktiv sind. In Heilbronn ist diese Branche noch nicht vertreten.

Zukunftsfonds Heilbronn Aufgelegt wurde der Zukunftsfonds (ZF-HN) von einigen Unternehmerfamilien aus dem Raum Heilbronn, die ihn zunächst mit 20 Millionen Euro ausgestattet haben. Bedingung für ein finanzielles Engagement ist, dass die Firmen sich in Heilbronn ansiedeln. Geleitet wird der ZF-HN von Thomas Villinger und Günter Steffen. Im Verwaltungsrat sitzen Axel Krauss (früher Knorr), Heinz-Dieter Schunk (Schunk, Lauffen) und Reinhardt Michel (ehemals ICP Vortex, Neckarsulm).

Quelle Heilbronner Stimme vom 4. Oktober 2007 von Manfred Stockburger www.stimme.de

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