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Manfred Wittenstein ist VDMA-Präsident

     
 
 

19.10.07

 

Der Igersheimer Unternehmer ist neuer Präsident des Maschinenbauverbandes VDMA. Damit zählt er zu den einflussreichsten Männern der deutschen Wirtschaft.

Wenn Manfred Wittenstein heute in Frankfurt seine erste große Pressekonferenz gibt, dann blicken die Augen der Nation neugierig auf ihn. Schließlich zählt der neue Präsident des Maschinenbauverbandes VDMA zu den einflussreichsten Männern der deutschen Wirtschaft. In Heilbronn-Franken ist der Unternehmer mit dem markanten Kinnbart und der Stoppelhaarfrisur aber kein Unbekannter: Mit seinem Unternehmen, der Wittenstein AG in Igersheim, und auch als Vizepräsident der IHK hat er viele Spuren hinterlassen.

Er war es zum Beispiel, der das Thema Demografie schon zu Beginn des neuen Jahrtausends auf die regionale Tagesordnung gesetzt hat - Jahre, bevor die Vergreisung der Gesellschaft anderswo Schlagzeilen machte. Der Anstoß kam aus der praktischen Arbeit: Im tiefsten Main-Tauber-Hinterland, wo es seine Eltern nach dem zweiten Weltkrieg hinverschlagen hatte, wurde der Nachwuchsmangel schon früher akut als anderswo im Westen der Republik. In der Firma - aber auch darüber hinaus - machte er Familienfreundlichkeit zum Thema.

Vergangenen Monat ist Wittenstein 65 Jahre alt geworden, anstatt sich aber zur Ruhe zu setzen, ließ er sich zum VDMA-Chef küren. Auch das ist typisch für den Macher, der für seine unternehmerische Leistung schon mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde und unzählige Wettbewerbe gewonnen hat. Er ist immer auf der Suche nach einem Besseren, an dem er sich messen kann und scheut keinen Vergleich.

Eigentlich könnte er sich auch als VDMA-Präsident zurücklehnen: Bessere Zahlen als jetzt hat der Maschinenbau seit Menschengedenken nicht geschrieben. Der Export boomt, die Kassen klingeln. Einfach abwarten ist aber nicht seine Art. „Nur fortschreiben, das wäre der Untergang“, sagte er einmal. Also hat er sich vorgenommen, den Exportweltmeister kräftig aufzumischen, indem er seinen Verbandskollegen ins Stammbuch schreibt, dass sie besser werden müssen, schneller und anders: nämlich intelligenter.

Wittenstein weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell sich der Wind drehen kann. Am eigenen Leib hat er das erfahren, als er in den 1970er Jahren in den Familienbetrieb eingestiegen ist, der damals Dewitta hieß und Handschuhnähmaschinen herstellte. Dem jungen Wirtschaftsingenieur wurde schnell klar, dass ein „Weiter so“ nur ins Nichts führen konnte: Weil die Damen - anders als in der Nachkriegszeit, als sein Vater das Unternehmen aufgebaut hatte - keine Fingerkleider mehr trugen, musste ein Kurswechsel her. So ließ Wittenstein kurzerhand Planetengetriebe bauen.

Seine Spezialgetriebe - inzwischen ergänzt um Spezialmotoren - werden überall dort angewendet, wo Maschinenteile mit höchster Präzision bewegt werden müssen. Heute fahren seine Teile in der Formel 1 und fliegen in Jumbo-Jets. Und damit es nicht langweilig wird, setzt er auf die Medizintechnik. „Unser Markt ist die ganze Welt“, sagt er.

Wenn Wittenstein um den Standort Deutschland kämpft und gleichzeitig in Rumänien ein Werk aufbaut, ist das kein Widerspruch. Er weiß, dass Erfolg auch für einen deutschen Mittelständler nur global zu haben ist. Nicht nur in Rumänien wird gebaut: Die Zentrale hinter Bad Mergentheim ist eine Dauerbaustelle - auch im übertragenen Sinn, muss die Firma sich doch immer wieder neu erfinden.

Um die Firma gibt es einen Garten mit Bäumen aus allen Ländern, wo sie aktiv ist. Es ist ein kleiner Wald geworden und zugleich ein Symbol für Globalisierung, wie er sie sich vorstellt: eine zusammen wachsende Welt.

Quelle Heilbronner Stimme vom 15. Oktober 2007 von Manfred Stockburger www.stimme.de

 
         
         
 
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