Die neueste Analyse zeigt, wo die reichsten Regionsbürger wohnen und wo sie ihr Geld ausgeben.
Nicht jeder Mensch würde wildfremde Konsumforscher unbefangen einen Blick in den eigenen Geldbeutel werfen lassen. Deshalb werfen die Forscher diesen Blick indirekt, mit Hilfe von Statistiken und Taschenrechnern. Was sie dabei in den Geldbeuteln der Region Heilbronn-Franken gesehen haben, ist der neuesten Kaufkraft-Analyse zu entnehmen, die die Industrie- und Handelskammer jetzt herausgegeben hat: Zum ersten Mal haben die Bürgerinnen und Bürger dieses Jahr wieder mehr Geld als im Jahr 2001 zur Verfügung, um es im Einzelhandel auszugeben. Rein rechnerisch beträgt diese sogenannte Kaufkraft jedes einzelnen Einwohners der Region exakt 5398 Euro pro Jahr, also rund 450 Euro im Monat. Das sind insgesamt 282 Euro mehr als noch vor zwei Jahren.
Getrübt
Dass sich die Einzelhändler der Region nicht ungetrübt über diese stärkere Kaufkraft freuen können, ist einer anderen Zahl zu entnehmen: Im Schnitt, haben die Forscher ebenso errechnet, wird dieses Jahr jeder Bewohner der Region nur 4611 Euro auch tatsächlich in den Geschäften der Region ausgeben, also knapp 800 Euro weniger, als er theoretisch ausgeben könnte.
Diese 800 Euro pro Kopf lassen stattdessen die Kassen in angrenzenden Landkreisen und Städten klingeln - das ist der sogenannte Kaufkraftabfluss. Auf die gesamte Region Heilbronn-Franken umgerechnet, lauten die Zahlen: 4,8 Milliarden Euro könnten hier ausgegeben werden, aber nur 4,1 Milliarden Euro werden es tatsächlich. „Nach wie vor fließt ein erklecklicher Teil der vorhandenen Kaufkraft aus der Region ab“, bilanziert IHK-Handelsexperte Herbert Feiler, der die Kaufkraft-Analyse erstellt hat. Und dieser „erkleckliche Teil“ liegt dreimal so hoch wie der deutschlandtypische Durchschnitt. Während bundesweit die Einzelhandelsumsätze insgesamt um etwa fünf Prozent geringer sind als die Kaufkraft, beträgt der Unterschied in Heilbronn-Franken satte 14,6 Prozent.
Der Stadt Heilbronn allerdings scheint es gelungen zu sein, einige der bis 2005 abgewanderten Kunden zurückzugewinnen: Von den vergleichbaren Städten im Land besitzt nur noch Ludwigsburg eine größere Attraktivität. Auch insgesamt profitiert die Region von der steigenden Kaufkraft: Nach Jahren der seit 1992 stagnierenden, seit 2001 sogar deutlich sinkenden Umsätze verbucht der Einzelhandel der Region von 2005 auf 2007 ein Umsatzplus von 6,3 Prozent. Was das für Städte und Gemeinden im Einzelnen bedeutet, ist ganz unterschiedlich (siehe Tabelle).
Dass Weinsberg beispielsweise innerhalb der letzten sieben Jahre einen gewaltigen Anstieg verbuchen konnte, lässt sich leicht erklären: Dort haben sich an den Ortsrändern in dieser Zeit ein Handelshof, ein Lidl und ein Aldi angesiedelt.
Für Bad Friedrichshall, das zurzeit noch mit eher niedrigem Umsatz auffällt, „müssten nächstes Jahr die Zuwächse riesengroß sein“, sagt Feiler. Zu dieser Vorhersage gehört nicht viel Hellseherei: Im März hat dort ein Handelshof eröffnet, die entsprechenden Zahlen sind in die aktuelle Analyse noch nicht eingeflossen. Liegt die Ausgangszahl niedrig, fallen Zuwächse umso deutlicher ins Gewicht, siehe Weinsberg. Herbert Feiler: „Weinsberg war das typische Beispiel eines Ortes, der unterversorgt war.“
Betuchte
Die Arbeit der Konsumforscher gewährt neugierigen Regionsbewohnern auch Blicke in die Geldbeutel der Nachbarn: Die - gemessen an der Kaufkraft - reichsten Menschen wohnen demnach in Lauffen, dicht gefolgt von Weinsberg und Brackenheim. Das mag an dem Trend liegen, dass „Menschen mit viel Geld an den Rand von Großstädten oder Ballungsräumen ziehen“, erklärt Herbert Feiler und nennt Flein und Beilstein als weitere „Wohnorte für Reichere“. Man könnte das Phänomen auch anders interpretieren: nämlich so, dass im südlichen Landkreis viele Stuttgart-Pendler leben.
Quelle Heilbronner Stimme vom 26. Oktober 2007 von Franziska Feinäugle www.stimme.de
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