Wie innovativ ist der deutsche Handel? Mindestens so interessant wie die Antwort ist manchmal, wer eine Frage stellt - und wer sich an einer Antwort versucht. Die von der Dieter-Schwarz-Stiftung finanzierte Heilbronn Business School hat auf der Suche nach Innovationen im Handel mit Thomas Roeb einen Professor eingeladen, dessen Werdegang mindestens so interessant ist wie sein Referat: Nach seinem Studium arbeitete er zwei Jahre lang als Bezirksleiter bei Aldi. Danach promovierte Roeb und verdingte sich als Berater bei Roland Berger. Parallel zu seinem Job als Professor an der FH Bonn-Rhein-Sieg ist Roeb weiter als Berater tätig.
Konservativ Nicht in der Technologie sieht der Handels-Profi die Innovation, sondern in der Konzeption. „Der Handel ist eine vergleichsweise konservative Angelegenheit“, sagte er. Das verdeutlichte Roeb an einigen Beispielen: Der Erfolg von Wal-Mart rühre nicht vom Einsatz von Technologien, sondern daher, dass der amerikanische Giga-Händler Tante Emma auf dem flachen Land mit einem durchdachten Flächenkonzept ausgeschaltet. Das Wachstumstempo sei eher langsamer geworden, nachdem das Unternehmen mit dem Einsatz moderner Technologien begonnen habe, so der Professor. Ganz ähnlich interpretiert er die Erfolgsgeschichte des Drogisten Schlecker, der sich gegen die kleinen und teuren Drogerien positioniert hatte. Konzeptionell seien die Wettbewerber aber weiter. „Meine Studentinnen sind fanatische DM-Kunden. Schlecker ist die konzeptionelle Antithese zu dem, was sie gut finden.“
Roeb, der zurzeit als der Handelsexperte gehandelt wird, sieht den Umsatz pro Filiale als den am meisten verkannten Indikator. „Plus ist größer als Penny. Pro Filiale machen die aber nur 70 Prozent des Umsatzes.“
Und wie stehen in Roebs Augen die Lokalmatadoren da? Die üppig vertretenen Kaufland-Leute lobte er über den grünen Klee: „Kaufland ist besser als Lidl und Aldi“, sagte er. Der Grund: die konzeptionellen Konzentration auf Lebensmittel und die Kostenorientierung. Für die Branche gelte: „Wem das Wasser bis an den Hals steht, der darf den Kopf nicht hängen lassen.“ Kaufland sei das einzige erfolgreiche SB-Warenhaus. Den ebenfalls im Publikum vertretenen Nicht-Lebensmittelhändlern hatte der Professor wenig Innovatives zu bieten.
Der nächste Vortrag in der HBS-Reihe zum Handel findet am Donnerstag, 22. November, um 18 Uhr im Neckarturm statt. Über den „Beitrag des Handels zur gesunden Ernährung der Zukunft“ spricht Volker Dölle. Anmeldung unter www.hn-bs.de.
Quelle Heilbronner Stimme vom 10. November 2007 von Manfred Stockburger www.stimme.de
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