Umweltschonende Stromerzeugung und Nahwärme, zusätzliche Arbeitsplätze und die Aussicht auf eine neue Quelle der Gewerbesteuer: Das lässt den Wüstenroter Bürgermeister Heinz Nägele strahlen. Seit März plant das Ingenieurbüro Emo (Energiemangement und Organisation) ein Biomassekraftwerk mit Holzpelletproduktion im Gewerbegebiet Weihenbronn. Jetzt scheint dieses erste Projekt in der Region Heilbronn in trockenen Tüchern. Die Obersulmer haben einen Partner gefunden: die Stadtwerke Schwäbisch Hall.
Damit vergrößern sich die Dimensionen: die Investitionssumme wächst von 6,8 auf 9,4 Millionen Euro. Statt 12 000 werden jährlich 30 000 Tonnen Pellets aus getrockneten Sägespänen gepresst. Damit können 6000 Einfamilien-Häuser versorgt werden. Die Stromeinspeisung des Kraftwerks reicht rechnerisch nicht nur für 900, sondern für 2000 Haushalte, die Nahwärme abnehmen können.
Haben die beiden Emo-Geschäftsführer einen Partner genommen, weil sie kalte Füße bekommen haben? Dirk Erdmann verneint. Man wolle Synergien nutzen. „Die Stadtwerke haben alles, was uns fehlt“, erläutert Architekt Heiko Bosch mit Blick auf deren Knowhow in der Kraftwerkstechnik und Verstromungstechnologie. Emo selbst bringe Erfahrung aus der Planung von Holzfeuerungsanlagen ein und aus dem Vertrieb.
Das Konzept passe in die Philosophie der Stadtwerke, begründet Geschäftsführer Johannes van Bergen die Partnerschaft, die in der neu zu gründenden Firma Holzpellets Wüstenrot GmbH & Co. KG aufgeht. Rund zwei Drittel der Anteile bringen die Haller ein, 30 Prozent Emo und drei Prozent Noller Landschaftspflege aus Marhördt, Lieferant für die Holzhackschnitzel zur Stromerzeugung.
Neue Strategie Angesichts der Klimaschutzdiskussion und der daraus resultierenden Gesetze verfolgt das Haller Versorgungsunternehmen die Strategie, verstärkt in erneuerbare Energien einzusteigen. „Wir beabsichtigen, eine große Menge aus dem Pelletwerk direkt an unsere Kunden zu verkaufen“, so van Bergen. Die Umsatzerwartungen der neuen Firma, die 2008 ihren Betrieb aufnehmen soll, steckt er auf „größer als fünf Millionen Euro“ pro Jahr ab. In 15 Jahren sollen sich 77 Millionen Euro summieren. Davon falle, so van Bergens Rechnung, etwa eine halbe Million Euro an Gewerbesteuer ab. „Das ist schon ein Betrag“, nickt Bürgermeister Nägele erfreut, rechnet die Gemeinde 2007 gerade mal mit Einnahmen von 600 000 Euro von Gewerbetreibenden.
Vorteile „Wir haben nur Vorteile“, blickt Nägele nicht nur auf die Finanzen oder ein Dutzend neuer Arbeitsplätze. Holzpellets Wüstenrot zieht im Gewerbegebiet Weihenbronn, das jetzt erweitert wird, einen Betrieb für Schnittholz-Produktion an. Dieser nutzt die Nahwärme aus der Anlage. Ob sich das für das Dienstleistungszentrum auf der anderen Seite der B 39 auch rentiert? Das rechnet die Gemeinde durch. Eine preisgünstige Energieversorgung stuft Nägele als Standortvorteil ein, der auch andere Investoren ins Gewerbegebiet locken soll. Weitere Ansiedlungen seien gesichert. Waldbauern, Forstämtern und holzverarbeitenden Betrieben biete das Kraftwerk mit Pelletproduktion Absatzmöglichkeiten. Und noch ein Pluspunkt: Privathaushalte können wohnortnah Pellets kaufen.
Quelle Heilbronner Stimme vom 10. November 2007 von Sabine Friedrich www.stimme.de Foto dpa
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