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R. Stahl macht den Geldbeutel auf

     
 
 

8.12.07

 

Der Boom der Ölindustrie sorgt für großen Investitionsbedarf auf Bohrinseln und Schiffen, von dem die Waldenburger R. Stahl AG kräftig profitiert.

"Auf den ersten Blick“, sagt Vorstandschef Martin Schomaker, „ist die Lösung teuer.“ In der aktuellen Situation sei sie aber „tragbar“: Während die Einführung des Entgeltrahmentarifvertrags (ERA) anderswo zumindest für böses Blut und häufig auch zu finanziellen Einbußen für die Beschäftigten geführt hat, zahlt sich das neue System für die Stahlianer in barer Münze aus. „Wichtig war uns die Motivation unserer Belegschaft“, erklärt der Vorstandsvorsitzende.

Kernpunkt einer Vereinbarung, die Betriebsratschef Hans-Dieter Heppner mit Schomaker ausgehandelt hat, ist, dass die Überschreiter anders als im Tarifvertrag vorgesehen auch bei künftigen Tariferhöhungen nichts abgeben müssen und die Bezüge der Unterschreiter schneller als geplant auf das ERA-Niveau angehoben werden. Bei einem Mitarbeiter, der 2800 Euro verdient, dem nach der ERA-Einstufung aber nur 2300 Euro brutto zustehen würden, ergibt sich bis in fünf Jahren eine Differenz von knapp 200 Euro. Der Unterschreiter steht nach der Regel anfangs sogar um 300 Euro pro Monat besser da als es im ERA-Vertrag vereinbart wurde.

Viele Überschreiter In lediglich rund 60 Fällen habe es aus Sicht des Betriebsrats Differenzen gegeben, was die Einstufung der Beschäftigten in die ERA-Gruppen angeht. Bei 35 Mitarbeitern war die Reklamation erfolgreich, sagt Heppner. Etwa 60 Prozent der Beschäftigten in der Schaltgeräte-Fabrik sind Überschreiter, 40 Prozent haben bisher weniger verdient, als ihnen nach ERA zusteht. Überdurchschnittlich viele Unterschreiter arbeiten im Werkzeugbau, erzählt Hans-Dieter Heppner - und als Betriebshandwerker.

Priorität für das Unternehmen war, in Zeiten eines sehr hohen Auftragsbestands eine einvernehmliche Lösung zu erreichen. „Es sind sehr viele Aufträge da, die abgearbeitet werden müssen“, sagt Heppner. „Wir waren deswegen in einer sehr guten Verhandlungsposition.“ Dass an der ERA-Lösung beide Fraktionen im Betriebsrat zusammengearbeitet haben, nimmt Schomaker wiederum zufrieden zur Kenntnis: „Beide Seiten haben sich zusammengerauft.“ Das ist nicht selbstverständlich: Bei der Betriebsratswahl im vergangenen Jahr haben Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) eine knappe Mehrheit geholt und - sehr zum Leidwesen der IG Metall - unter Heppners Vorsitz die Macht im Gremium übernommen.

Volle Kasse Die gute finanzielle Lage des Unternehmens - wie berichtet lag der Konzern-Umsatz nach neun Monaten um 28,2 Prozent über dem Vorjahreswert, das Ergebnis vor Steuern verbesserte sich von 12,6 auf 17,8 Millionen Euro - wirkt sich nicht nur über die ERA-Einführung im Geldbeutel der Beschäftigten aus: Aufgrund der außergewöhnlich guten wirtschaftlichen Situation hat der Betriebsrat zusätzlich zur 750-Euro-Erfolgsprämie, die mit der 38-Stunden-Woche eingeführt wurde und die an ein Umsatzrendite-Ziel geknüpft ist, einen Zuschlag von 250 Euro pro Kopf ausgehandelt. Erreicht die Waldenburger Stamm-Firma einen Umsatz von 132 Millionen Euro, werden nochmals 200 Euro ausgeschüttet.

Beide Zusatzprämien werden - dafür hat sich Heppner stark gemacht - auch an die 120 Leiharbeiter ausbezahlt, die derzeit im Stammwerk beschäftigt sind - und zwar so, dass das Geld nicht bei den Leiharbeitsfirmen hängen bleibt. Der AUB-Mann setzt sich auch dafür ein, dass Leiharbeiter in die Stammbelegschaft übernommen werden. „Eine Planstelle muss aber da sein.“ Für Ungelernte sieht er aber nur geringe Chancen.

Flexibilität verlangt der Betriebsratschef auch von der Stammbelegschaft. „Das ist Arbeitsplatzsicherung pur“, sagt der Techniker, der seit 37 Jahren „beim Stahl“ arbeitet. An Vorruhestand denkt der 59-Jährige nicht: „Die nächste Wahlperiode will ich noch machen.“ Die beginnt in zweieinhalb Jahren und dauert dann weitere vier.

Quelle Heilbronner Stimme vom 4. Dezember 2997 von Manfred Stockburger www.stimme.de

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