Der Name Agria steht für höchste Qualität in den Wirtschaftswunderjahren. Auch heute blicken die Agria-Werke in Möckmühl optimistisch nach vorne.
Jahrzehnte des stürmischen Aufschwungs und zwei große Krisen haben sie gemeistert. Obwohl deutlich geschrumpft, blicken die Agria-Werke in Möckmühl nun wieder optimistisch nach vorne. Mit schlanker Struktur und Nischenprogramm sehen sie sich gut aufgestellt für die Zukunft.
Dabei bürgte der Name Agria in den Wirtschaftswunderjahren für hohe Qualität – und heute gelten die Schlepper aus den Anfangsjahren der Bundesrepublik als gesuchte Oldtimer, nur wenig unbedeutender als die legendären Lanz- oder Hanomag-Traktoren. „Wer sich damals keinen richtigen Traktor kaufen konnte, weil sein Land zu klein dafür war, legte sich eben einen unserer Ackersschlepper zu“, berichtet der geschäftsführende Gesellschafter Eggebrecht Viering. Er ist seit 1979 im Unternehmen und übernahm in den Folgejahren alle Anteile von den Gründerfamilien. Seit 2006 hält Co-Geschäftsführer Siegfried Arndt zehn Prozent an Agria.
Zahnradfabrik
Ins Leben gerufen wurde die Firma von Erwin Mächtel und Otto Göhler als Maschinenfabrik Möckmühl GmbH. Beide hatten im Zweiten Weltkrieg in Karlsruhe eine Zahnradfabrik gegründet und siedelten nach dem Krieg ins Jagsttal um. In der Eschbach-Aue, auf einer Streuobstwiese, begannen sie mit der Herstellung von Pfeifen und Konservendosen-Verschließmaschinen. In den Folgejahren kamen die ersten motorisierten Hacken hinzu, bald darauf Einachsschlepper. „Das waren damals legendäre Geräte“, erzählt Viering.
Die erste Krise kam mit der Flurbereinigung: Größere Grundstücke erforderten größere Maschinen. Agria setzte daher auf Großmäher, vor allem für Kommunen. Doch dieses Feld entdeckten in den achtziger Jahren die großen Traktor-Hersteller ebenfalls. Die Folge: „Wir steckten 1990 in einer veritablen Krise“, erzählt Viering. Zwei Jahre später zog er die Konsequenzen: Die Firma konzentrierte sich auf motorisierte Kleingeräte und übernahm nur noch die Endmontage, während die Teile von anderen Firmen gefertigt wurden. Dieser Umbau dauerte bis 2003 an.
Industriepark
Heute ist das riesige Werksgelände nur noch zu einem Viertel von Agria selbst genutzt. Die nicht benötigten Hallen und Bürogebäude werden als „Agria-Industriepark Möckmühl“ vermarktet – mehr als 20 Firmen sind hier zurzeit ansässig, oft aus dem Metallbau. Teilweise produzieren sie sogar für Agria, berichtet Viering. 60 Prozent aller verwendeten Teile für die Gartengeräte kommen nach wie vor aus Deutschland.
„Wir sind ein schlankes, flexibles Unternehmen geworden“, sagt der Geschäftsführer. Mit 67 Mitarbeitern wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr 16,2 Millionen Euro Umsatz erzielt, ein Plus von vier Prozent. Verkauft werden die Geräte vorwiegend in Europa, einzelne Projekte laufen aber auch in Übersee.
In Deutschland sieht Viering Wachstumschancen vor allem bei Gartenbau-Dienstleistern und -Vermietern, während das Geschäft mit den Kommunen eher zurückgeht. Neue Produkte für die Bearbeitung von Holz, Laub und Stein seien aber in Arbeit, kündigte er an. Beim Auslandsgeschäft will Agria einige weiße Flecken auf der Europakarte tilgen und sieht Russland als Wachstumsmarkt. „Wir machen keine großen Sprünge“, meint Viering. „Aber wir gehen immer einen Schritt nach vorn.“
Quelle Heilbronner Stimme vom 18. Dezember 2007 von Heiko Fritze www.stimme.de
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