Da dürften die Sektkorken im Lidl-Hauptquartier in der Neckarsulmer Stiftsbergstraße geknallt haben: Mit 7271 Filialen betreibt die Schwarz-Gruppe europaweit erstmals mehr Discount-Märkte als der große Konkurrent Aldi, der europaweit mit 6997 Märkten vertreten ist. Mehr noch: Nach der gestern veröffentlichten Studie der Marktforscher von AC Nielsen stagnieren die Aldi-Umsätze, während die Lidl-Zahlen – auch getrieben von der Flächenexpansion – weiter zunehmen. Zwei Filialen eröffnen die Neckarsulmer im Schnitt pro Tag irgendwo in Europa. Das Expansionstempo von Aldi geben die Frankfurter Marktforscher mit der halben Geschwindigkeit an.
Weniger Aldi-Länder
In der Studie wird deutlich, dass sich die Strategie der beiden Lebensmitteldiscounter unterscheidet: Aldi konzentriert sich auf zehn Länder. Dort sind die Mülheimer meist Marktführer. Zum Beispiel in Irland, wo Aldi einen Marktanteil von 15,6 Prozent erreicht hat, während Lidl nur auf 2,7 Prozent kommt. Ähnlich sieht es in Österreich aus. Lediglich in Frankreich haben die Neckarsulmer im direkten Vergleich beim Marktanteil mit 3,5 zu 1,9 Prozent die Nase vorn. In Großbritannien betreibt die Schwarz-Gruppe laut Nielsen mit 425 Filialen aber immerhin 80 Märkte mehr als der Wettbewerber.
Aldi mag in den Regionen im Vorteil sein, wo beide Unternehmen aktiv sind. Lidl ist dafür in doppelt so vielen Ländern aktiv wie der Wettbewerber Und zwar erfolgreich: In Griechenland kommt Lidl auf einen Marktanteil von 14,9 Prozent, in Portugal auf 11,6 Prozent und in Finnland immerhin auf 8,1 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland lassen die Verbraucher 15,6 Prozent ihres Lebensmittelbudgets bei Aldi und 9,4 Prozent bei Lidl.
Michaela Hockenberger von AC Nielsen führt diese Entwicklung auf zwei Ursachen zurück: „Hauptursache des Lidl-Erfolges dürfte die Präsenz von Herstellermarken im Sortiment sein, während Aldi überwiegend auf Eigenmarken setzt“, sagt die Marketing-Direktorin. „Zudem steigt die Artikelanzahl bei Lidl so stark an, dass dies für die Verbraucher zu einem weiteren Differenzierungsmerkmal gegenüber Aldi wird.“
Preise
Zwar wächst das Sortiment bei Lidl, dafür ist das Preisniveau bei Aldi günstiger, heißt es in der Nielsen-Studie: Während Aldi in Deutschland fast 30 Prozent günstiger ist als der Durchschnitt, liegt Lidl im Heimatmarkt nur 16 Prozent unter dem mittleren Preisniveau. Aldi hat zudem seine Preise im Vergleich zum Vorjahr leicht reduziert, während sich Lidl dem Durchschnitt um drei Prozentpunkte angenähert hat. „Bei Lidl hat die Preisaggressivität abgenommen“, stellt Nielsen dementsprechend fest.
Ähnliche Beobachtungen haben die Marktforscher auch in Belgien, den Niederlanden und in Irland gemacht, wo Aldi zum Teil merklich unter dem Lidl-Niveau liegt. Beide Discounter sind in diesen Ländern aber viel deutlicher unter dem Gesamtdurchschnitt: In Belgien kosten die Lebensmittel beispielsweise bei Lidl wie auch bei Aldi nur wenig mehr als die Hälfte des Durchschnittspreises aller Marktteilnehmer.
Quelle Heilbronner Stimme vom 19. Dezember 2007 von Manfred Stockburger www.stimme.de
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