Campina – die Deutschlandzentrale steht in Heilbronn - verlobt sich erneut. Die neue Braut heißt Friesland Foods.
Oder ist sie der Bräutigam? Wer die Führung in dem neuen Milchriesen übernehmen soll, ist noch offen. Der künftige Chef soll von außen kommen, heißt es. Gemeinsam wollen die beiden an die Spitze des Weltmarkts aufsteigen: Gestern haben die holländischen Großfirmen bekanntgegeben, dass sie Fusionsgespräche aufgenommen haben. Campina – die Deutschlandzentrale steht in Heilbronn – ist schon länger auf Partnersuche: Vor zwei Jahren war die Ehe der Holländer mit dem dänischen Milchverarbeiter Arla kurz vor der Hochzeitsnacht geplatzt.
Die Welt im Blick
Wenn die Fusion klappt, dann entsteht eine Genossenschaft mit einem Umsatz von 8,3 Milliarden Euro, 22 000 Beschäftigten und 17 000 Milchviehbetrieben als Eigentümer, die insgesamt 8,7 Milliarden Kilogramm Milch liefern. Gemeinsam werde die neue Zuivelcoöperatie Friesland Campina, so begründen die frisch Verlobten ihre Ehepläne, besser in der Lage sein, auf die sich immer schneller verändernden Marktumstände zu reagieren. Beide Firmen haben in den vergangenen Jahren ihr Engagement in den Schwellenländern ausgebaut: Campina ist unter anderem in Russland, Thailand, Vietnam und Neuseeland aktiv. Noch-Wettbewerber Friesland bearbeitet unter anderem die Länder Indonesien, Malaysia und Saudi Arabien. Durch die angestrebte Fusion wollen die Molkereien ihre internationale Position „wesentlich verstärken“.
Grundlage der von beiden Geschäftsleitungen unterzeichneten Absichtserklärung ist, dass auch das neue Unternehmen eine Genossenschaft sein soll und dass die bisherigen Eigentümer an der neuen Firma die gleichen Rechte und Pflichten bekommen sollen. Zuletzt hatten der Campina fast 200 unzufriedene Milchbauern – 79 davon aus Deutschland – den Rücken gekehrt. Man wolle durch den Zusammenschluss einen „Mehrwert für die Milchviehhalter“ schaffen, teilen die Partner mit. Die Fusion soll in der zweiten Jahreshälfte 2008 vollzogen werden.
Zeitgleich mit der Fusion haben die Holländer bekanntgegeben, dass Vorstandschef Justinus Sanders die Campina wegen der Fusion nach 15 Jahren verlässt. Er wolle dem Zusammenschluss nicht im Wege stehen.
Folgen unklar
Welche Auswirkungen die Fusion auf Campina Deutschland haben könnte, ist völlig offen. Es sei „noch zu früh“, darüber konkrete Aussagen zu treffen, sagte Campina-Sprecher Gerjan Zeissink. Das deutsche Management und die Arbeitnehmervertreter wurden von der Ankündigung völlig überrascht. Heilbronn dürfte profitieren, da Campina in Deutschland größer ist als Friesland. Überschneidungen gibt es kaum.
Hintergrund
Campina
Landliebe, Südmilch, Fruttis, Optiwell: Campina ist im Endverbrauchergeschäft mit vielen Marken unterwegs. Das Unternehmen mit knapp 850 Mitarbeitern am Standort Heilbronn erwirtschaftete zuletzt einen Umsatz von gut 3,6 Milliarden Euro.
Friesland
Royal Friesland Foods ist in mehr als 100 Ländern vertreten und beschäftigt weltweit 15 300 Mitarbeiter. 2006 lag der Umsatz bei 4,7 Milliarden Euro. Zu den wichtigsten Marken gehören Dutch Lady, Frisian Flag, Foremost, Friesche Vlag, Frico, und Chocomel. mfd
Quelle Heilbronner Stimme vom 20. Dezember 2007 von Manfred Stockburger www.stimme.de/ Foto Archiv Heilbronner Stimme R. Sattar
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