Ohne den DLR-Standort Lampoldshausen in der Region Heilbronn-Franken würde keine Ariane-Rakete in den Weltraum fliegen.
Fünf Tage nicht über Laptop und Doktorarbeit brüten, sondern bei 30 Grad Celsius und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit schwitzen. Und am Weltraumhafen von Kourou in Französisch-Guayana in Großformat sehen, was in Lampoldshausen nur in der Miniaturausführung steht. Das klappte für drei Doktoranden des Deutschen Luft- und Raumfahrtszentrums (DLR), die am Standort Lampoldshausen arbeiten. Und nicht nur für sie. 30 Studenten aus Europa haben dieses Jahr die Sommerschule der CVA (Community of Ariane Cities) in Lampoldshausen besucht. Sie findet jedes Jahr in einer der 35 Städte statt, die an der Entwicklung der Ariane-Raketen beteiligt sind.
Mitten in der Pampa
Insgesamt 50 Studenten und Ingenieure flogen in der ersten Dezemberwoche über den Atlantik nach Kourou, wo sie an einem Tag den Weltraumhafen besuchten. Der Kontakt mit Land und Leuten war genauso wichtig wie der Besuch der Teufelsinseln, wo Frankreich früher eine Gefangenenkolonie hatte. Fasziniert waren die Teilnehmer auch von dem Dschungelhafen „mitten in der Pampa“. „Das war kein Hafen, sondern nur das Ende des Flusses“, erzählt Doktorand Johannes Lux. Trotzdem würden dorthin mit dem Schiff Raketenbestandteile aus ganz Europa geliefert. Satelliten kommen dagegen mit dem Flugzeug nach Kourou.
Mit seinen Kollegen betreibt Lux in Lampoldshausen Grundlagenforschung, testet an Modell-Brennkammern die Treibstoff-Aufbereitung und Einspritztechnologie. „Vielleicht fließt das, was wir jetzt untersuchen, irgendwann mal in die Triebwerksnutzung ein“, überlegt der 30-Jährige.
Die Zukunft des Weltraumhafens in Kourou und die der Betreibergesellschaft Arianespace war ein wichtiges Thema. „Es war interessant zu hören, wo es hingeht“, sagt Jan Deeken. Beispielsweise wolle Arianespace ab 2009 die russische Sojus-Rakete von Kourou abschießen.
Teures Teil
In Lampoldshausen werden die Triebwerke der Ariane-Raketen getestet. „Das Triebwerk ist das teuerste Teil an dem Gerät. Ohne die Arbeit in Lampoldshausen würden die Raketen nicht starten“, sagt Lux. In Kourou bauen mehrere Teams die Raketen zusammen. Systemintegration heißt das in der Fachsprache. Die Dimensionen der fertigen Raketen oder das europäische Versorgungsmodul, das im Februar starten und an die internationale Raumstation ISS andocken soll, in voller Pracht zu sehen, war beeindruckend. „Die Integration des kompletten Trägers war hochinteressant. Ich war schon ziemlich fasziniert von der Größe“, erzählt Lux. „Das ganze Gelände war sehr imposant“, fügt sein Kollege Jan Deeken hinzu.
Hoch motiviert
„Ich habe noch nie so viele hoch motivierte Menschen gesehen“, meint Johannes Lux. Man konnte ganz unkompliziert mit den Ingenieuren vor Ort sprechen, berichten die beiden. „Sie haben erzählt, wie ihr Job und ihr Leben in Kourou läuft“, erinnert sich Deeken. Klar, dass die beiden Technikbegeisterten sehr froh über die geknüpften Kontakte sind.
Etwa alle zwei Monate werden von Kourou aus Raketen mit Satelliten an Bord ins Weltall geschickt. „Die Startanlagen sind schon einmalig. Irgendwann will ich noch mal dahin, um einen Start zu sehen“, sagt Lux. Einmal für eine gewisse Zeit in Kourou zu arbeiten, das können sich beide gut vorstellen.
Quelle Heilbronner Stimme vom 31. Dezember 2007 von Melanie Kräuter www.stimme.de
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