Die Bausparkasse Schwäbisch Hall hat 2007 weitere Marktanteile gewonnen und ihre Marktführung unter den deutschen Bausparkassen ausgebaut.
Mit einem Zuwachs auf etwa 29 Prozent erzielte die Bausparkasse des genossenschaftlichen FinanzVerbunds einen neuen Spitzenwert. Die Baugeld-Zuteilungen erreichten eine Rekordhöhe von 11 Mrd. EUR. Unbeeindruckt von der Entwicklung an den Kapitalmärkten konnte die Bausparkasse ihr Ergebnis verbessern und bei Rentabilität und Produktivität zulegen. „Dies ist die Folge unserer auf Stabilität und Langfristigkeit ausgerichteten Unternehmensführung. Deshalb können wir für den genossenschaftlichen Verbund zusätzliche Aufgaben übernehmen und die Banken vor Ort unterstützen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Matthias Metz heute auf der Jahres-Pressekonferenz in Stuttgart.
Bauspargeschäft bleibt auf hohem Niveau
Mit 872.000 Verträgen über 27,4 Mrd. EUR Bausparsumme kam das Bausparneugeschäft bis auf 3,2 Prozent an das gute Abschlussniveau des Vorjahres heran. 2006 hatte die Branche insgesamt von einer Sonderkonjunktur im Zuge der Abschaffung der Eigenheimzulage profitiert, die sich so vor allem im ersten Halbjahr 2007 nicht wiederholt hat. Metz zeigte sich insgesamt zufrieden mit dem Bauspargeschäft des Jahres 2007, das wiederum über den Resultaten der Gesamtbranche lag. Der Marktanteil im Bauspargeschäft stieg nach ersten Schätzungen von 28,5 auf etwa 29 Prozent. Insgesamt betreute Schwäbisch Hall zum 31.12.2007 rund 6,6 Mio. Kunden mit 7 Mio. Verträgen über eine Bausparsumme von 198 Mrd. EUR.
Baugeld-Zuteilungen erreichen Rekordniveau
Im Geschäftsfeld Baufinanzierung stiegen die Auszahlungen von Bauspardarlehen nach mehrjährigen Rückgängen erstmals wieder an, um 34 Prozent auf 2 Mrd. EUR. Mit insgesamt 11 Mrd. EUR verzeichnete Schwäbisch Hall die höchste Baugeld-Zuteilung aller Zeiten. Das Baufinanzierungsvolumen, das Schwäbisch Hall zu drei Viertel an die Genossenschaftsbanken vermitteln konnte, erreichte 9,6 Mrd. EUR (- 9,4 Prozent). Hintergrund ist der Einbruch im Wohnungsbau: Als Folge der Abschaffung der Eigenheimzulage und der Erhöhung der Mehrwertsteuer gingen die Baufertigstellungen 2007 um 9 Prozent auf voraussichtlich 225.000 Wohnungen zurück.
Vorsorgegeschäft wächst weiter
Im Geschäftsfeld Weitere Vorsorge hat der Schwäbisch Hall-Vertrieb gemeinsam mit den Genossenschaftsbanken eine neue Spitzenleistung erbracht. Der Absatz von Vorsorgeprodukten für Genossenschaftsbanken, Union Investment und R+V-Versicherung kletterte um 5 Prozent auf 6,2 Mrd. EUR.
Insgesamt hat der Schwäbisch Hall-Außendienst 2007 rund 370.000 Cross- Selling-Produkte für Genossenschaftsbanken und Verbundpartner vermittelt, 7,5 Prozent unter dem Rekordergebnis des Vorjahres, das bei Schwäbisch Hall von einem Boom im Riester-Geschäft geprägt war.
Ergebnis verbessert
Schwäbisch Hall konnte 2007 das operative Ergebnis steigern. Der Zinsüberschuss wuchs um 30 Mio. auf 937 Mio. EUR. Dieser Anstieg resultiert vor allem aus einem langfristig ausgerichteten Produkt- und Finanzmanagement. Das Provisionsergebnis, das wegen der Vergütung von Genossenschaftsbanken und Außendienst für die Vertragsvermittlung seit jeher negativ ist, ging im Berichtsjahr um weitere 5 Mio. auf minus 180 Mio. EUR zurück. Hier wirkt sich der höhere Anteil gebührenfreier Tarife am Gesamtbestand aus. Der Verwaltungsaufwand ist wegen der stringenten Kostendisziplin weiter gesunken: Mit 356 Mio. EUR lag er um 3 Mio. EUR unter dem Vorjahr. Das Teilbetriebsergebnis erreicht als Saldo der vorgenannten Punkte mit 401 Mio. EUR (Vorjahr: 373 Mio. EUR) den besten Wert der Unternehmensgeschichte.
Das Ergebnis nach Risikovorsorge erreicht 210 Mio. EUR (Vorjahr: 197 Mio. EUR). Die Gewinnabführung an die DZ BANK beträgt wie im Vorjahr 70 Mio. EUR. Durch die erfreuliche Ergebnisentwicklung stieg die Eigenkapitalrendite auf 14,9 Prozent (Vorjahr: 14,5 Prozent) und liegt damit auf dem Niveau des langfristigen Ziels von 15 Prozent. Die verbesserten Ergebnisrelationen wirken sich positiv auf das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag aus, das mit 47,7 Prozent einen neuen Bestwert erreicht und auch internationalen Vergleichsmaßstäben standhält.
Wachstum im Ausland setzt sich fort
Das Auslandsgeschäft der Bausparkasse Schwäbisch Hall hat 2007 deutlich zugelegt. Die Beteiligungsgesellschaften in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Rumänien und China haben ihre führende Stellung in den jeweiligen Ländern ausgebaut. Insgesamt wurden fast 700.000 Bausparverträge über umgerechnet 7,3 Mrd. EUR abgeschlossen (+ 23,8 Prozent). Die ausländischen Beteiligungsbausparkassen betreuen jetzt 3,4 Mio. Kunden mit 3,9 Mio. Verträgen über 37,5 Mrd. EUR. Das Volumen der im Ausland vermittelten Baufinanzierungen wuchs um 24,9 Prozent auf 1,7 Mrd. EUR. Die Zahl der Cross-Selling-Abschlüsse kletterte um 11 Prozent auf über 200.000. Zu den Kooperationspartnern im Ausland gehören auch die Union Investment und die R+V-Versicherung. Das kumulierte vorläufige Ergebnis vor Steuern der Auslandsgesellschaften betrug 2007 86 Mio. EUR gegenüber 71 Mio. EUR im Vorjahr.
In China will Schwäbisch Hall sein Engagement gemeinsam mit der China Construction Bank Corporation ausbauen. Beide Partner streben eine Expansion der in Tianjin ansässigen Sino-German Bausparkasse in eine weitere Region sowie die Vermittlung staatlich geförderter Wohnungsbaukredite an. Inzwischen hat das chinesisch-deutsche Gemeinschaftsinstitut 80.000 Bausparverträge im Bestand und den Break-even erreicht. Dieser Trend soll in den kommenden Jahren verstetigt werden. Das Marktumfeld in China hat sich zugunsten des Bausparens verbessert: Kräftig steigende Hypothekenzinsen machen den Bausparvertrag als Zinssicherungsinstrument attraktiver, während der Wohnungsbau boomt.
Ausblick
Für die weiteren Geschäftsperspektiven ist Schwäbisch Hall-Chef Matthias Metz optimistisch. Neben einem eklatanten Nachholbedarf beim Wohnungsneubau sieht er eine wachsende Nachfrage nach Bestandsimmobilien. Hier macht Metz zusätzliche Geschäftspotenziale aus: „Drei Viertel des Wohnungsbestandes in Deutschland sind älter als 25 Jahre. Damit geht ein wachsender Modernisierungs- und Instandsetzungsbedarf einher.“ Energie sparen und Klimawandel bestimmten seit Monaten die öffentliche Debatte und führten zu veränderten Denk- und Verhaltensweisen. Künftiger Schwerpunkt bei Wohnungsbauinvestitionen werde daher die Verbesserung der energetischen und ökologischen Qualität von Häusern und Wohnungen sein. Gerade für die Energie sparenden Maßnahmen rund um die eigenen vier Wände sei der Bausparvertrag ein ideales Finanzierungsinstrument. „Der Bausparvertrag wird so auch zum ‚Energiesparvertrag’“, sagte Metz. „Damit unterstützen wir das Vorhaben der Regierung, den CO2-Ausstoß von Wohngebäuden zu reduzieren.“
Die 2007 vorgenommenen Weichenstellungen mit dem Strategieprojekt „PRIMUS“ bieten Schwäbisch Hall gemeinsam mit den Genossenschaftsbanken Chancen für weiteres Wachstum, so Metz. Es gelte, Kunden an den Verbund zu binden und neue Kunden zu gewinnen. Dazu müssten die Banken noch effektiver als bisher unterstützt und der eigene Außendienst noch erfolgreicher gemacht werden. Dafür hat Schwäbisch Hall die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen: „Unsere Außendienstmitarbeiter werden künftig nicht nur die Bausparkunden der mit ihnen kooperierenden Genossenschaftsbank betreuen, sondern sukzessive auch neue Kunden für den Verbund gewinnen – selbstverständlich nur im Auftrag und in Abstimmung mit der Bank“, betonte Metz.
Die Bündelung des Dienstleistungsangebots im DZ BANK-Konzern rund um die private Baufinanzierung bei Schwäbisch Hall sei ein konsequenter Schritt gewesen, um die Wettbewerbsposition des genossenschaftlichen Verbunds nachhaltig zu stärken. Mit einem strikt komplementären und subsidiären Produkt- und Dienstleistungsangebot will Schwäbisch Hall seit Jahresanfang die Genossenschaftsbanken als regionale Kompetenzzentren in der privaten Baufinanzierung unterstützen. „Schwäbisch Hall versteht sich ausschließlich als Dienstleister der Banken, der seine starke Marke, attraktive Produkte, umfangreiche Marketing- und Vertriebsunterstützung sowie die erforderlichen Beratungs- und Abwicklungssysteme in die Zusammenarbeit einbringt“, erläuterte Metz.
Die strategischen Weichenstellungen und organisatorischen Veränderungen stellen hohe Ansprüche an die Flexibilität, Leistungsbereitschaft und Qualifikation der Mitarbeiter. Neben Investitionen in Personal- und Führungskräfteentwicklung schafft Schwäbisch Hall 2008 zusätzliche Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Die Zahl der Auszubildenden steigt von 220 auf 250. Für den Innendienst werden 70 neue Stellen geschaffen. Das Unternehmen hält am schrittweisen Ausbau des Außendienstes auf 5.000 Mitarbeiter fest. Insgesamt sind 14.800 Menschen im In- und Ausland für die Schwäbisch Hall-Gruppe tätig (Vorjahr: 14.300).
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