Von Klimatests und Prototypen: Hinter altem Gemäuer wird modernste Forschung betrieben. Das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung im Kloster Bronnbach wird im April erweitert: Durch ein Zentrum, das Fachkräfte weiterbildet.
Im ehemaligen Stall des Klosters Bronnbach bei Wertheim ist heute eine Außenstelle des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung aus Würzburg mit zwei Forschungsgruppen untergebracht. "Silicate sind Verbindungen aus Silicium und Sauerstoff. Nahezu 99 Prozent der Erde bestehen aus silicatischen Mineralien", erklärt Dr. Andreas Diegeler, der das Kompetenzfeld Mess- und Prozesstechnik leitet. "Wir konzentrieren uns auf die Industriewerkstoffe Glas und Keramik, in denen Silicate häufig grundlegende Bestandteile sind." Diese Materialien werden immer bedeutender. "In der Autobranche etwa benötigt man wichtige Komponenten für die Abgasreinigung, das Einspritzsystem oder das Energiemanagement aus speziellen Gläsern und Keramiken", informiert Diegeler.
Die Außenstelle arbeitet eng mit der Wertheimer Glasindustrie zusammen. Doch die Auftraggeber stammen aus ganz Deutschland. So wurde hier für ein Projekt mit einem namhaften deutschen Autohersteller eine Pilotanlage für Kleinkomponenten von Brennstoffzellen entwickelt.
Finanziert wird das Non-Profit-Institut zu etwa 30 Prozent von Bund und Ländern. Der Löwenanteil des Budgets jedoch wird durch Auftragsforschung sowie in Kooperation mit der Industrie in öffentlich geförderten Projekten erwirtschaftet. Eine Herausforderung auch für den zweiten Forschungsbereich des Fraunhofer ISC in Bronnbach: das Kompetenzfeld Umweltmonitoring und Kulturgüterschutz.
Das Arbeitsgebiet von Kompetenzfeldleiter Dr. Peter Mottner ist die Konservierungsforschung: "Wir testen die Reaktion von Materialien auf Umweltbedingungen - primär Gläser, aber auch Metalle, elektronische Komponenten oder Beschichtungen." Mit hauseigenen Klimaschränken haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, Temperaturen zu verändern und bestimmte klimatische Bedingungen herzustellen. So können Wochen und sogar Jahre simuliert werden.
"Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Industriedenkmal. Vielleicht einen inaktiven Hochofen, der in seinem jetzigen Zustand erhalten werden soll", schildert Mottner. "Für solche schwierigen Oberflächen entwickeln wir langlebige transparente Beschichtungsmaterialen, die wir mit den Klimaschränken testen." Sogar für die Glasfenster des Kölner Doms wurden in Bronnbach Beschichtungen entwickelt.
Neu in der Fraunhofer-Außenstelle ist auch das Internationale Zentrum für Kulturgüterschutz und Konservierungsforschung. Leiterin Sabrina Rota organisiert Veranstaltungen, Tagungen, Seminare und Workshops für Fachkräfte. Namhafte Referenten aus Theorie und Praxis sollen hier über aktuelle Themen und Trends informieren.
Untergebracht werden die Gäste im Bursariat des Klosters mit 36 Betten und in Hotels der Umgebung. Für unterschiedlichste Teilnehmerzahlen stehen hier Räume zur Verfügung. Der größte Saal im Kloster bietet bis zu 300 Personen Platz.
Für ein attraktives Rahmenprogramm ist die Region um Bronnbach bestens geeignet. "Seminarteilnehmer können bei Weinproben die Taubertäler Gewächse verkosten, bei einer Klosterführung von Bronnbachs wechselvoller Geschichte erfahren oder das interessante Museumsangebot kennen lernen", zählt Rota auf.
Zu den Zielgruppen gehören Restauratoren, Denkmalschutzämter, Hochschulen, Architekten und Museumsmitarbeiter. Mitte Januar hat Sabrina Rota ihre Arbeit aufgenommen. Die offizielle Eröffnung des neuen Zentrums ist am 16. April um 14 Uhr.
Quelle Regio Business vom 7. März 2008 von Sabine Franz
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