|
Die Hölderlin-Geburtsstadt Lauffen bei Heilbronn ehrt ihren berühmtesten Sohn mit einem neuen kleinen Museum.
Rund 80.000 Euro hätten die Stadt und die Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten (alim) in die Neugestaltung des Hölderlinzimmers im Klosterhof gesteckt, wie Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger bestätigte. Interaktiv sollen sich die Literaturfreude dort über Bildschirme, ein spezielles Hörbuch sowie Texttafeln in Schubladen mit dem Werk des Dichters Friedrich Hölderlins (1770-1843) auseinandersetzen. Biografische Aspekte finden sich genauso wie die Rezeption seiner Schriften.
Das Werk Hölderlins solle im Mittelpunkt stehen, betonte Waldenberger. Originalexponate suche man daher vergeblich. Zum einen, weil es ganz wenige gebe, zum anderen, weil die meisten Handschriften in Sütterlin ohnehin kaum jemand lesen könne. 80 Prozent der erhaltenen Schriftstücke würden in der Landesbibliothek in Stuttgart aufbewahrt, der größte Rest im Deutschen Literaturarchiv in der benachbarten Schillerstadt Marbach (Kreis Ludwigsburg).
Johann Christian Friedrich Hölderlin wurde 1770 in Lauffen geboren. Sein Vater war Klosterhofmeister. Ob er aber im Klosterhof oder im Hölderlin-Wohnhaus geboren wurde, sei bis heute umstritten, sagte Waldenberger. Während der ehemalige Klosterhof 1918 abgerissen wurde, ist das frühere Wohnhaus der Familie noch im Originalzustand erhalten. Die Stadt möchte es aus Privatbesitz erwerben und zu einem Haus für Stipendiaten machen, kündigte Waldenberger an. «So bliebe es öffentlich zugänglich und es würde darin gearbeitet. So sollte es sein.»
Hölderlin lebte nur vier Jahre in Lauffen. Er studierte später Theologie am Tübinger Stift und wurde Hauslehrer in Frankfurt. Nach Aufenthalten als Hofmeister in Hauptwil (Schweiz) und im französischen Bordeaux wurde er nach einem psychischen Zusammenbruch zur Behandlung in eine Heilanstalt eingewiesen und 1807 als unheilbar entlassen. In Tübingen nahm ihn eine Schreinerfamilie auf und pflegte ihn bis zu seinem Tod im Jahre 1843.
Quelle: dpa/lsw
Hölderlin in Lauffen
Ein pädagogisch wertvoller Erkundungsraum
Rund 800 Menschen wollen das Hölderlinzimmer am ersten Ausstellungs-Wochenende sehen
Die Neckarlandschaft begrüßt die Besucherinnen und Besucher im neuen Hölderlinzimmer. Jedes halbe Jahr soll das Transparent gegen ein neues getauscht werden. (Fotomontage: Claudia Seipel)
„Auch Lauffen ist Hölderlinstadt", unterstreicht Dr. Thomas Schmidt, Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg (alim), die Bedeutung des Geburtsorts. Die ersten vier Jahre hat der weltberühmte Dichter Johann Christian Friedrich Hölderlin in Lauffen am Neckar verbracht, bevor er in Nürtingen und schließlich Tübingen lebte. Mit der völlig neu konzipierten, modernen Ausstellung im Hölderlinzimmer des städtischen Museums im Klosterhof ist für Schmidt „ein pädagogisch wertvoller Erkundungsraum" entstanden.
Genau dieses Ziel verfolgt die Konzeption der Ausstellung, für deren Inhalte Eva Ehrenfeld als Lauffener „Hölderlinbeauftragte" verantwortlich zeichnet. Sie möchte Erkundungsplatz sein, der nach Interesse begangen und erforscht werden kann.
Ein großes Profil des Dichters am Eingang zum Klosterhof weist auf die Ausstellung zu Leben und Werk Friedrich Hölderlins im Museum der Stadt Lauffen am Neckar im Klosterhof hin. Das Hölderlinzimmer betreten die Besucher durch den „Kopf" des Dichters, einen vergrößerten Scherenschnitt, der ihn als Zwanzigjährigen abbildet. Im Zimmer wartet eine Ausstellung mit vielen aktiv zu bedienenden Elementen auf Besucherinnen und Besucher, die etwas über das Leben Hölderlins, sein Schreiben und sein Wirken bis heute erfahren möchten. Dass es da viele gibt, zeigt der Besucherstrom am Eröffnungswochenende, der rund 800 Menschen aus Lauffen a. N., Stuttgart, Marbach, Ludwigsburg, und vielen weiteren Orten zählt.
Von den aktiven Elementen zeigen sich Erwachsene wie auch die etwas offensiver herangehenden jüngeren Menschen gleichermaßen begeistert. Sie sind beeindruckt von der Neckarlandschaft, in der Hölderlin aufgewachsen ist, lesen die Informationen und Briefzitate, blättern in dem interaktiven Hörbuch, schauen in Schubladen und stöbern in dem auf Berührung reagierenden Bildschirmportal nach weiteren Bildern und Texten.
Viel Lob erhält die Ausstellung, deren Bauherrin die Stadt Lauffen a. N. ist. Dieses gibt Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger gerne weiter an die „Macher" und „Unterstützer" des neuen Hölderlinzimmers: Für Design und Multimedia gilt der Dank dem 2av media art office aus Ulm, für die Innenarchitektur den Coastoffice Architekten aus Stuttgart, für die inhaltliche Konzeption Eva Ehrenfeld, für die Panoramafotos Jürgen Michelberger. Die künstlerische Oberleitung hatte Claudia Seipel vom Lauffener Stadtbauamt. Unterstützt wurde die Ausstellung von Museumsleiter Volker Friebel, Prof. Dr. Anke Bennholdt-Thomsen sowie vom Kleist-Archiv Heilbronn. Insgesamt wurden in das neue Hölderlinzimmer 80.000 Euro investiert, die jeweils zur Hälfte von der Stadt Lauffen a. N. und der alim getragen wurden. Mitfinanziert hat außerdem mit 10.000 Euro die Sparkassenstiftung Kunst, Kultur und Denkmalpflege, Heilbronn.
Ein Besuch der vollständig neu konzipierten Ausstellung zu Lauffens großem Sohn lohnt auf jeden Fall. Informationen zur Ausstellung sowie die Impressionen der Webcam, die täglich von 10 bis 17 Uhr im Hölderlinzimmer läuft, werden zurzeit vom Büro 2av noch aufbereitet. Die neue Hölderlin-Aufarbeitung im Internet wird in etwa zwei Wochen online im Hölderlinbereich der Lauffener Webseite www.lauffen.de abrufbar sein.
Derzeit kann die Webcam bereits über die Internetseite von 2av besucht werden:
=> Hier geht es zur Webcam im Hölderlinzimmer
__________________________________________
Stimmen zur Ausstellung:
„Eine sehr ansprechende Optik, sie macht den Raum größer als zuvor."
„Durch das Profil Hölderlins zu treten - eine geniale Idee. So eine Tür hätte ich auch gern zu Hause."
„Die Ausstellung macht neugierig, weil man manches erst entdeckt, wenn man etwas herauszieht oder betätigt."
„Das wusste ich nicht, dass die Mutter Hölderlins sieben Kinder geboren hat und vier davon früh gestorben sind."
„Was zur Zeit Hölderlins noch so alles war, ist interessant, die politischen und kulturellen Ereignisse, die Erfindungen. Das ergibt für mich ein ganz neues Bild der damaligen Zeit."
„Der Ausblick aus der Glastür, zusammen mit dem Hölderlin-Zitat: grandios."
Zum Panorama:
Ein raumumspannendes, sonnig-grünes Panoramabild der Neckarlandschaft beeindruckt beim Betreten des Raums. Das Bild ist eine Fotomontage aus drei Bildmotiven, die den drei Themenbereichen der Ausstellung zugeordnet sind.
Bei „werden" gibt es Fluss, Weinberge, Gebüsch und Bäume, eine gemischte Vegetation, symbolisch für Kindheit und Jugend Hölderlins, in der die Lebensorientierung des Dichters noch nicht ausgereift war.
Im Bereich „schreiben" bestimmen der Fluss und akkurat bewirtschaftete Steilhänge das Bild. Hölderlin war ein genau arbeitender Dichter, der seine Texte sorgfältig aufbaute.
Im Bereich „wirken" schwingen sich Felder sanft zum Fluss hin. Hölderlin wurde und wird immer wieder neu interpretiert, aus seinen Texten werden bis heute neue „Lesefrüchte" gezogen.
Weitere Informationen
|