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10.5.08

 

Bankenkrise, Dollar- und Yenschwäche, Preisexplosion bei Rohstoffen und nicht zuletzt der Fachkräftemangel in Deutschland, das sind für Bosch-Chef Franz Fehrenbach buchstäblich die derzeitigen „wirtschaftlichen Störgrößen“. Sie könnten 2009 auch beim weltgrößten Automobilzulieferer zu empfindlichen Rückschlägen führen. Für 2008 aber ist der Vorsitzende der Geschäftsführung zuversichtlich, in nahezu allen Bereichen wachsen zu können, wie er bei der Bilanzvorlage in Gerlingen erklärte.

Um vier Prozent hat der Umsatz im ersten Jahresdrittel 2008 bereits zugelegt. Und auch langfristig sieht Fehrenbach angesichts der weltweiten Veränderungen vor allem Chancen. Ein deutliches Minus erwartet der Konzern in diesem Jahr allerdings in Nordamerika. Verantwortlich dafür ist zum einen die „Störgröße Bankenkrise“, die in den USA zu einem Einbruch bei den Konsumausgaben geführt hat. Obendrein kostet die Dollarschwäche dort besonders viel Geld: Bereits im vergangenen Jahr war der Umsatz in Nordamerika in Euro leicht zurückgegangen, obwohl er in Dollar um 6,5 Prozent zugelegt hatte.

Trotzdem bleiben die USA ein zentraler Markt für Bosch. Bis 2015 soll sich das Geschäft von Bosch räumlich zu je einem Drittel in Europa, Amerika und Asien-Pazifik unterteilen, erklärte Fehrenbach. Das stärkste Wachstum finde deshalb in Asien-Pazifik statt, wo bislang erst 16 Prozent des Umsatzes generiert werden. 65 Prozent entfallen derzeit auf Europa.

Nachdem schon im vergangenen Jahr 10 000 Mitarbeiter weltweit eingestellt wurden, soll die Belegschaft in diesem Jahr um weitere 10.000 wachsen. In Deutschland macht sich schon der Fachkräftemangel bemerkbar. 1500 offene Stellen sind in Deutschland zu besetzen. Bosch versucht inzwischen auch, etwa über die Weiterbildung von technischen Auszubildenden in Richtung „Bachelor-Ingenieur“ die Löcher zu stopfen. „Aber wir laufen in eine dramatische Situation hinein“, warnte Fehrenbach. Der Import von Ingenieuren sei jedenfalls nicht möglich, merkte Personalgeschäftsführer Wolfgang Malchow an.

Einkaufstour

Andere Störfaktoren wie die Yen-Schwäche möchte Bosch zum eigenen Vorteil nutzen. So sei es kein Zufall, dass gerade jetzt die Anteile an der japanischen Bosch Corporation auf 100 Prozent aufgestockt werden sollen. Und auch bei Akquisitionen fremder Firmen wollen die Stuttgarter die Gunst der Stunde nutzen. „In den vergangenen Jahren waren viele Unternehmensbewertungen viel zu hoch“, sagte Fehrenbach. Das habe sich im Zuge der Finanzmarktkrise geändert. In diesem Jahr werde deshalb mehr für Firmenkäufe ausgegeben als im vergangenen - also mehr als 800 Millionen Euro.

Chance durch Klimaschutz

Keine Störgröße für Bosch ist der Klimaschutz. Mit der Hybridtechnik - insbesondere mit Lithium-Ionen-Akkus - bereitet sich der Autozulieferer auf die Elektrifizierung des Autoantriebs vor. In der Haushaltstechnik profitiert Bosch von den sparsamen und technisch aufwendigeren Modellen. 40 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsausgaben gehen bereits in den Bereich Umwelt- und Ressourcenschonung. Gemäß dem Bosch-Motto „Technik fürs Leben“ gibt Fehrenbach als Antwort auf neue Herausforderungen: „noch mehr und noch bessere Technik“.

Hintergrund: Viele Unbekannte

Die positiven Aussichten für das laufende Jahr unterstützt Bosch-Chefvolkswirt Adolf Ahnefeld, der in diesem Jahr von einem Wirtschaftswachstum in Deutschland von zwei Prozent ausgeht, obwohl sich die Weltwirtschaft auf der „Rüttelstrecke“ befinde. Der Ölpreis sei spekulativ „sehr erhöht“. Kein „nachhaltiges Phänomen“ sieht er auch im starken Euro. „Der Trend zu 1,60 Dollar ist gebrochen.“ Für 2009 gehe er daher nicht davon aus, „dass die Welt zusammenbricht“. Der Dollarkurs werde sich wieder normalisieren. Dennoch erwartet Bosch 2009 so große Risiken, dass Bosch-Chef Fehrenbach keinerlei Prognosen abgab.

Quelle Heilbronner Stimme vom 9. Mai 2008 von Christian Gleichauf www.stimme.de

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