|
Audi ist vor 20 Jahren mit dem V8 in die Oberklasse eingestiegen. Der A 8 hat sich in der Luxusklasse fest etabliert.
"Jede Revolution beginnt auf der Straße", warb das Unternehmen, das damals noch arg vom Klorolle-auf-der-Hutablage-Image geplagt war, selbstbewusst für das Auto, das sich vom damaligen Audi 200 vor allem durch den in Neckarsulm konstruierten Motor unterschied: Der V8 wurde mit einem 250 PS starken V8-Motor angetrieben: Es ist kein Zufall, dass die ersten Werbefotos das Auto mit geöffneter Motorhaube zeigten.
Unerhörte 100000 Mark kostete das erste Luxus-Auto der VW-Tochter damals. Mit einer anfänglichen Tagesstückzahl von 20 bewegte er sich in einer ähnlichen Größenordnung wie heute der R8. Das unternehmerische Ziel war identisch: Der V8 sollte Audi in eine neue Klasse katapultieren.
Kurzarbeit und Personalabbau drückten 1988 auf die Stimmung im Audi-Werk. Entsprechend groß war die Spannung: Würde die in der Werbung versprochene Revolution gelingen? "Der V8 ist der Hoffnungsträger für die Marke Audi, speziell aber für Neckarsulm", kommentierten Medien damals.
Der V8 ist Ferdinand Piëchs Husarenstück. Dass er heute der starke Mann im VW-Konzern ist, verdankt der Porsche-Enkel letztlich dem Erfolg, den er damals als Audi-Chef hatte. Zusammen mit einer Hand voll Entwickler hat er damals den V8 durchgesetzt - was nicht leicht war. Schließlich hat das Projekt Unsummen verschlungen, und es war nicht absehbar, ob sich die Investitionen je auszahlen würden.
Die Anekdoten, die sich um das Fahrzeug ranken, zeugen von der Leidenschaft, mit der das Projekt durchgezogen wurde. Heinrich Timm - heute ist er Chef des Neckarsulmer Aluminium- und Leichtbauzentrums - tüftelte schon damals mit an der V8-Karosse. Für die Serie war das Spaceframe-Konzept, das dem Nachfolger A8 zum Erfolg verhalf, damals zu teuer.
In seinem persönlichen Dienstwagen testete Timm das neue Konzept aber schon längst: Nur von außen sah der Wagen aus wie ein ganz normaler V8. Die Alu-Karosse und immer neue, leistungsstärkere Motoren machten das Auto zu etwas ganz Besonderem. Fünf Jahre lang leistete der Alu-V8 treue Dienste. Heute steht er in Chemnitz im Museum.
Zur Jubiläumsfeier soll der Space-frame-V8 wieder nach Neckarsulm geholt werden. Zu den ersten Kunden des Autos, das es auch in einer speziellen Behörden-Version gab, zählten der Neckarsulmer Oberbürgermeister Erhard Klotz und der 1989 gewählte Heilbronner Landrat Klaus Czernuska. Im Lauf seiner Zeit saßen auch der Sowjetpräsident Michail Gorbatschow im V8, PLO-Chef Jassir Arafat und Israels Außenminister Shimon Perez ließen sich in gepanzerten Audi-Oberklassen der ersten Generation zu Friedensverhandlungen kutschieren. Mühelos war der Start in der Oberklasse aber nicht: 14000 V8 wollte Audi allein im Jahr 1990 absetzen, lautete die Planung. Bis 1994 verkaufte Audi nur 21000 Stück des Hoffnungsträgers.
Technisch hat der V8 mit seinem permanenten Allradantrieb und vielen Extras die Neckarsulmer dennoch weit nach vorne gebracht. So weit, dass der Nachfolger tatsächlich zum Erfolgsbringer wurde: Der erste A8 brachte 1994 nicht nur die Aluminium-Karosse in Serie, das Flaggschiff läutete auch die neue A-Nomenklatur ein - Ferdinand Piëch war inzwischen zum VW-Vorstandsvorsitzenden aufgestiegen, wo er versuchte, mit dem Phaeton sein Neckarsulmer Husarenstück zu wiederholen.
Für das Werk Neckarsulm ist der A8 inzwischen zu einer sicheren Bank geworden. Etwa 100 Stück des Oberklasse-Audi laufen dort jeden Tag vom Band und werden in einem Atemzug mit den Mercedes und BMW genannt. Mfd
|