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Mit einer Fahrkarte von Aalen bis Calw
     
 
 

14.11.08

 

Für Bahnfahrer aus Calw und Aalen, Heilbronn und Tübingen soll es eine einheitliche Fahrkarte geben, die auch im VVS gilt und umgekehrt. Das strebt die Metropolregion an, die nun von den Verkehrsverbünden Vorschläge erwartet. Knackpunkt sind die Kosten.

Nach fast einem Jahr Pause hat sich der Koordinierungsausschuss europäische Metropolregion am Donnerstag in Stuttgart zum zweiten Mal getroffen. Die 36 Oberbürgermeister, Landräte und Regionalpolitiker aus der Region Stuttgart und den Nachbarregionen Heilbronn-Franken, Nordschwarzwald, Ostwürttemberg und Neckar-Alb wollen den Klimawandel und den sparsamen Umgang mit Energie und Ressourcen als Querschnittsthema in den Mittelpunkt ihrer gemeinsamen Arbeit stellen.

"Unser gemeinsames Ziel lautet: Die Metropolregion Stuttgart ist Vorreiter einer zukunftsweisenden, nachhaltigen Entwicklung beim Klimaschutz und der Energiepolitik", sagte Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, der Vorsitzende des Ausschusses. In der mehr als dreistündigen Sitzung, auf der die Streitigkeiten im Vorfeld der Ausschussgründung keine Rolle spielten und nur am Ende kurz über die Geschäftsordnung debattiert wurde, brachten die Teilnehmer auch ein Metropolticket auf den Weg. Und sie beschäftigten sich mit einem gemeinsamen Tourismusauftritt. Die nächste Sitzung des Gremiums soll Mitte Januar stattfinden.

Metropolticket

Der verstorbene Regionaldirektor Bernd Steinacher, dem der Ausschuss zu Beginn in einer Schweigeminute gedachte, hatte im Frühjahr die Idee aufgebracht, mit einem Ticket im öffentlichen Nahverkehr der Metropolregion fahren zu können. Zwar bietet die Bahn Tickets, die durch die gesamte Metropolregion führen und beispielsweise auch im Stuttgarter Stadtgebiet gelten, dennoch gibt es gerade beim Übergang vom VVS-Gebiet in die acht benachbarten Verbünde Lücken und Hürden, so dass mitunter drei Fahrkarten nötig sind. Der Ausschuss war sich einig, dass nun Bedarf und Kosten für das Angebot ermittelt werden und die Verbünde konkrete Vorschläge für ein solches Ticket machen sollen. Besonders ein Studententicket, das Tübingen einbezieht, wird angestrebt.

Ansonsten soll das Metropolticket auf der Basis des VVS-Tarifs sich zunächst auf die stark frequentierten Schienenstrecken nach Aalen, Pforzheim, Tübingen/Reutlingen und nach Heilbronn konzentrieren. Mit den anderen Verbünden soll ein Vertrag geschlossen werden, der die Kosten aufteilt. An eine Beteiligung der anderen Verbünde am VVS oder an dessen finanzieller Grundausstattung ist dagegen nicht gedacht.

Vor allem Vertreter aus den Nachbarregionen und Stuttgarter Regionalräte drängten auf eine solche Lösung. "Dieses Ticket kann ein Produkt und Merkmal der Metropolregion sein", sagte der Landtagsabgeordnete Rainer Prewo aus der Region Nordschwarzwald. Günter Bächle, Regionalrat dieser Region, betonte, man sei bereit "für die finanzielle Zusatzbelastung aufzukommen". Bedenken äußerten andere Teilnehmer. Man müsse zuerst konkret die Kosten ermitteln, wurde moniert. Der Stuttgarter Grünen-Stadtrat Werner Wölfle erklärte, er sehe keinen Bedarf für ein Metropolticket. Viel wichtiger sei das Studententicket. Auch der VVS-Geschäftsführer Witgar Weber sieht "große Probleme" bei der Finanzierung, zumal der VVS-Aufsichtsrat dafür seine Grundlinie ändern müsste. Der Stuttgarter Regionalpräsident Thomas Bopp appellierte an den Ausschuss: "Wenn wir bei diesem für die Bürger wichtigen Thema nicht vorankommen, können wir dieses Gremium bald auflösen". Und auch Schuster, der auch dem VVS-Aufsichtsrat vorsitzt, machte sich für eine Lösung stark. "Das wird nicht am Geld scheitern", sagte er.

Klimaschutz

Nach einer Umfrage der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Region Stuttgart (WRS), an der sich ein Drittel der fast 500 Kommunen in der Metropolregion beteiligten, stößt das Thema Klimaschutz bei den meisten Städten und Gemeinden auf großes Interesse. "Es gibt bereits viele Beispiele und einen großen Bedarf", sagte der WRS-Geschäftsführer Walter Rogg. Deshalb wird die Metropolregion sich diesem Bereich intensiv widmen. "Wir wollen gemeinsame Klimaschutz- und Energiekonzepte entwickeln", sagte Schuster. Die Ziele seien ein um 40 Prozent geringerer Kohlendioxidausstoß im Jahr 2020. Bis dahin sollen 20 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen stammen. Dies soll durch ein Umweltprogramm erreicht werden, das vom Städtebau über den Verkehr und die Abfallwirtschaft bis zur Förderung neuer Technologien reicht. Dem wird sich nun ein Arbeitskreis der Metropolregion widmen.

"Wir brauchen dafür Leuchtturmprojekte und müssen Akzente setzen", forderte der Rems-Murr-Landrat Johannes Fuchs. Der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger, der in seiner Stadt jüngst ein ehrgeiziges Klimaschutzkonzept auf den Weg gebracht hatte, betonte hingegen: "Wir brauchen einen breiten Ansatz, den wir in die Fläche der Region tragen müssen". Auch Schuster sieht besonders bei kleineren Gemeinden noch einen Nachholbedarf.

Quelle Stuttgarter Zeitung vom 14. November 2008 von Thomas Durchdenwald www.stuttgarter-zeitung.de

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