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Trotz Krise: Bosch wächst weiter
     
 
 

29.1.09

 

Die Finanz- und Autokrise geht am Autozulieferer Bosch nicht spurlos vorüber. Im Ausland werden betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr ausgeschlossen, wie Bosch-Chef Franz Fehrenbach gestern erklärte. Im Inland nutzen die Stuttgarter alle zur Verfügung stehenden Arbeitszeitinstrumente, um die Stammbelegschaft vor Stellenabbau zu verschonen. Der Standort Abstatt ist von diesen Entwicklungen allerdings nicht betroffen. „Wir sind bei den Einstellungen derzeit nur etwas zurückhaltender“, sagte Bosch-Sprecherin Claudia Arnold gestern.

An Entwicklungsstandorten seien weiterhin Einstellungen geplant. Abstatt hat damit eine Sonderstellung im Konzern und sorgt damit auch in der Region Heilbronn für offene Stellen. Mit dem Ausbau des Entwicklungszentrums soll die Zahl der Mitarbeiter in Abstatt um insgesamt 900 Stellen steigen, 400 davon wurden bereits im vergangenen Jahr besetzt. „Mittel- bis langfristig wird die Belegschaft dort planmäßig aufgebaut“, erklärte Arnold.

Keine Trendwende

Umsatz und Ergebnis des weltgrößten Autozulieferers sind 2008 deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, sagte der Bosch-Chef gestern. „Die Geschäftsdaten der vergangenen Monate waren regelmäßig schlechter als erwartet.“ Bislang deute nichts darauf hin, dass das in den nächsten Monaten anders sein wird.

2008 ging der Umsatz der Bosch-Gruppe nach vorläufigen Zahlen um drei Prozent auf rund 45 Milliarden Euro zurück. Ursprünglich hatte Fehrenbach mit einem Anstieg um fünf Prozent gerechnet. Auch der Gewinn brach um gut zwei Drittel auf rund 1,1 Milliarden Euro ein. Insgesamt ist die Mitarbeiterzahl vor allem durch Zukäufe um vier Prozent auf 282.000 Beschäftigte gestiegen (davon 114.000 in Deutschland). Nun wird es zu Stellenabbau kommen. In Deutschland hat Bosch rund 10.000 Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt.

Entwicklungszentrum in Abstatt

Die Bauarbeiten für die rund 60 Millionen Euro teure Erweiterung des Entwicklungszentrums in Abstatt laufen derweil auf Hochtouren. Anfang 2010 sollen die ersten Ingenieure in das neues Entwicklungszentrum einziehen.

Gelegentlich kommt es vor, dass die vollbeladenen Betonmischfahrzeuge vor der Baustelle Schlange stehen. „An einem guten Tag können wir bis zu 800 Kubikmeter Beton verwerten“, erklärt Rainer Hemmersbach. Der Baustellenleiter koordiniert zusammen mit seinem Kollegen Jörg Meiniger die Abläufe beim Bau des fünften Gebäudes auf dem Bosch-Areal in Abstatt. Für den Rohbau werden insgesamt etwa 24 000 Kubikmeter Beton gebraucht. „Das sind etwa 2400 Lkw-Ladungen“, erklärt der Bauleiter.

Über eine Pumpe läuft der Beton in die Schalung mit Betonstahlsprießen und wird gleichmäßig wie ein Kuchenteig in einer überdimensionalen Backform verteilt. Meter für Meter zieht ein Mitarbeiter das dickflüssige Material mit einem Flügelglätter zu einer ebenmäßigen Oberfläche.

Kälteempfindlich

Das Wetter machte es den Bauherren Anfang des Jahres schwer. Es war zu kalt, um das kälteempfindliche Material aufzutragen. „Wenn das Wasser in der Mischung gefriert, ist der Beton nicht mehr zu gebrauchen“, erklärt Jörg Meininger. Jetzt freuen sich die zwei Baustellenleiter, dass es mit den Rohbauarbeiten weitergehen kann. Sieben bis zehn Tage Verzögerung durch die ungünstigen Witterungsverhältnisse sind einholbar, sieht Hemmersbach den Zeitplan nicht in Gefahr - auch wenn er sehr eng gestrickt sei. Er geht davon aus, dass das Büro- und Entwicklungsgebäude Anfang 2010 planungsmäßig bezogen werden kann. Dafür müssen die Bauarbeiter auch sechs Tage die Woche anrücken. Der Samstag hat sich als Arbeitstag fest etabliert.

Auch der angesetzte Kostenrahmen von rund 60 Millionen Euro könne eingehalten werden, sagt Martin Windhab, Chef der Bosch-Standort-Verwaltung.

„Wir halten an der Erweiterung fest“, teilt Bosch-Pressesprecherin Claudia Arnold mit. Es werde trotz der derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei den Ausbauplänen bleiben. Nach einem starken Mitarbeiterwachstum im vergangenen Jahr - im Mai waren noch 2500 Mitarbeiter in Abstatt tätig, derzeit sind es 2900 - gehe es momentan aber etwas langsamer. Bei den anvisierten rund 900 neuen Stellen, von denen schon einige besetzt sind, soll es auch bleiben. Insgesamt sind es dann 3400.

Während an einer Ecke gerade die Decke für das dritte Untergeschoss gezogen wird, werkeln die Bauarbeiter auf der anderen Seite der Baustelle noch am zweiten Untergeschoss. „Es gibt überall kleine Arbeitsstätten, die irgendwann ineinander wachsen“, erklärt Hemmersbach.

80 Mann sind derzeit zugange. „Aber das verläuft sich“, sagt der Bauleiter. Bei einer Tiefe von 24 Metern und einer Baufläche von 15 580 Quadratmetern, so groß wie zwei Fußballfelder, wirken die Arbeiter von oben wie kleine Männchen. Die sechs Baukräne sind ständig in Bewegung und transportieren Material über das ganze Baufeld.

Handwerker

Bis März sollen die Rohbauarbeiten beendet sein, und die Handwerker übernehmen das Feld. Die Technik wie Lüftung, Sprinkleranlage und Elektroinstallationen stehen dann auf dem Plan. Zur Hochzeit rechnet Hemmersbach mit 150 bis 200 Menschen, die auf dem abgesperrten Gelände arbeiten. „Die Großbaustelle erfordert viel Koordination.“ Einmal in der Woche gibt es eine Besprechung in den Baucontainern. „Jede Baustelle ist ein individuelles Projekt“, erklärt Hemmersbach. Auch wenn manche Abläufe standardisiert seien, habe der Fachreferent schließlich immer mit anderen Firmen und Arbeitern zu tun.

Ein Heizkessel wird in dem 180 mal 24 Meter großen Gebäude übrigens nicht installiert. „Eine weitere Wärmepumpe sorgt dafür, dass der Standort Abstatt in Zukunft noch weniger Fremdenergie braucht als bisher“, erklärt Martin Windhab. Die bestehende Pumpe gewinnt aus der Abwärme der Prüfstände Heizenergie und spart am Bosch-Standort laut Verwaltungschef jährlich über 50 Prozent Heizenergie. Das Dach des neuen Büro- und Forschungsgebäudes soll wie bei den anderen Gebäuden begrünt werden.


Hintergrund: Entwicklungszentrum

In das fünfte Gebäude mit Werkstatt und Büroräumen, das genau so groß sein wird, wie das bisher größte am Bosch-Standort in Abstatt, ziehen vor allem Mitarbeiter von Bosch-Engineering (BEG), eine 100-prozentige Tochter der Robert Bosch GmbH. Im Juni erreichte das Unternehmen die Zahl von 1000 Mitarbeitern. 1999 hatte es mit 13 Leuten angefangen. BEG bietet vor allem externe Ingenieurleistungen an. Dabei geht es darum, Kunden individuelle Lösungen rund um Bosch-Produkte anzubieten.

Quelle Heilbronner Stimme vom 29. Januar 2009 von Nelli Nickel und Christian Gleichauf www.stimme.de

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