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Die Faszination menschenleerer Landschaftspanoramen
     
 
 

28.4.09

 

„Nur Natur“ titelt die Ausstellung, die in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall zu sehen ist. Über 70 großformatige Landschaftsszenen, gemalt, gezeichnet, einige am Computer erstellt, sogenannte Inkjet Prints, sowie ein Kabinett mit Skizzenbüchern von David Hockney.

Wenn man zu viele Swimmingpools malt, denken die Leute, man liege meist am Pool“, wird David Hockney gerne zitiert. „Dabei arbeite ich fast immer.“

Tatsächlich ist der Brite ein akribischer Arbeiter. Und die Zeit, da ihn seine Poolbilder beim breiten Publikum bekannt gemacht haben, vorbei - auch wenn Hockney eine ganze Phase seines malerischen Werks den glamourösen Idyllen gewidmet hat. Von Kalifornien nach Yorkshire, von Los Angeles in das charmante, aber verschlafene Seebad Bridlington nahe seines Geburtsortes: Im Jahr 2000 kehrt der 71-Jährige nach England zurück und widmet sich seither intensiv Landschaft und Naturbeobachtung.

„Nur Natur“ titelt die Ausstellung, die am Sonntagabend in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall eröffnet wird: über 70 großformatige Landschaftsszenen, gemalt, gezeichnet, einige am Computer erstellt, sogenannte Inkjet Prints, sowie ein Kabinett mit Skizzenbüchern. Die Arbeiten sind in den vergangenen drei Jahren entstanden und erstmals in dieser Vielfalt in einem Museum zu sehen. Entsprechend groß ist die Resonanz auf das Pressegespräch in der Kunsthalle, bei dem sich der Meister im leichten Sommeranzug, mit rotem Binder und weißer Schiebermütze in Plauderlaune zeigt.

Warum er diese Ausstellung in Hohenlohe macht? Er und sein Kurator und Studioleiter in L.A., Gregory Evans, wollten ausdrücklich keine Retrospektive. Hockney liebt es, auf Landschaften zu blicken. „Looking is a positive act“, sagt er. So sind Hockneys landschaftliche Anverwandlungen der Woldgate Woods in East Yorkshire der ständige Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht, zwischen subjektivem Schauen und Empfinden aus dem Auge des professionellen Beobachters.

Yorkshire und Hohenlohe

„Jeder von uns sieht etwas anderes, wenn wir auf dasselbe blicken“, sagt David Hockney, der zu den wichtigsten und einflussreichsten Gegenwartskünstlern zählt. Hockney, der bereits vor 20 Jahren eine digitale Kamera für seine Kunst benutzte und dabei die These vertritt, nicht die Fotografie, sondern die Malerei werde überleben, ist ein passionierter Zuschauer. Egal, wo er sich befindet. „I live where I happen to stay“, ich lebe dort, wo ich mich gerade aufhalte, antwortet er auf die Frage, ob er sich in England oder Kalifornien zu Hause fühle.

Von der Idee, in Schwäbisch Hall auszustellen, war er anfangs nicht wirklich begeistert. Bis er Ähnlichkeiten entdeckte zwischen der dünn besiedelten Landschaft in Hohenlohe und Yorkshire. Und: Hockney sieht hier erstmals im großen Rahmen, wie seine Arbeiten zusammenspielen. Wie beeindruckend und vielschichtig das vermeintlich wenig spektakuläre Thema Landschaft sein kann, zeigt der Rundgang durch die Kunsthalle.

Der nach wie vor schillernde Dandy Hockney nähert sich der Landschaft seiner Heimat in einer faszinierenden Spielart des Realismus. Auf Bildflächen, die sich aus zwei, vier, sechs und mehreren gleichgroßen Bildtafeln zusammensetzen, entstehen Landschaften, die in der Totalen cinemaskopische Qualität aufweisen.

In den frühen Morgenstunden macht sich David Hockney, der erforscht hat, dass Caravaggio und andere Barockmaler ihre Werke mit Hilfe von Spiegeln und Linsen schufen, auf den Weg. Ausgerüstet mit Fotoapparat und Skizzenbuch, Staffelei und Leinwand, durchstreift er die Wälder. Es sind die Stunden zwischen vier und acht Uhr, in der das Licht im Sommer am intensivsten ist an der Ostküste Englands, erzählt er. „Wenn andere schlafen.“

Gefühl und Perspektive

Hockneys Vorstellung von Wirklichkeit ist subjektiv wie jedes Bildgedächtnis. Doch haftet seinem Blick auf Natur ein fantastischer Realismus an zwischen Gefühl und Perspektive. Die Einteilung der Breitwandformate in einzelne Tafeln entwickelt in ihrer Einfachheit eine große Wirkung. „Künstler sind praktische Menschen“, sagt Hockney selbstbewusst und nicht uneitel.

Je nach Tageslicht und Jahreszeit bannt Hockney glühende oder gedeckte Naturszenen mit großer Präzision auf die Leinwand. Felder, Wälder, Bäume und Baumstümpfe in leuchtendem Grün, satten Rot- bis Brauntönen und Erdfarben, schillerndem Lila, Gelb und Ocker unter stahlblauem Himmel oder milchiger Wolkendecke.

David Hockneys menschenleere Panoramen faszinieren, weil sie gleichzeitig natürlich wirken und konstruiert, wirklich und virtuell. „I like looking at the world“, er liebe es, sich die Dinge anzusehen, erklärt der passionierte und bekennende Zigarettenraucher.

Info: Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall: „David Hockney. Nur Natur“, 27. April bis 27. September, täglich 11 bis 18 Uhr, Eintritt frei. Katalog (deutsch/englisch): 39,80 Euro.

Quelle Heilbronner Stimme vom 25. April 009 von Claudia Ihlefeld www.stimme.de

Foto: www.artknowledgenews.com

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