|
Bosch will sein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Abstatt von 30 auf 45 Hektar erweitern. Der Standort dehnt sich auf Untergruppenbacher Gemarkung aus und soll langfristig bis zu 5000 Mitarbeiter beherbergen. Derzeit sind es rund 2700. Die erforderlichen Grundstücke hat Bosch inzwischen erworben. Über den Kaufpreis machen Unternehmen und Gemeinde keine Angaben.
Das Unternehmen betont, dass die Entwicklung langfristig angelegt ist und der Standort nur schrittweise wachsen soll.
Hoffen auf neue Jobs
Alle Grundstückseigentümer mussten bis 30. April mitmachen. Sonst hätte die Firma Bosch von ihrer Vereinbarung zurücktreten können, das Forschungs- und Entwicklungszentrum auf Markung Unterheinriet auszudehnen. „Der letzte hat am 30. April unterschrieben“, sagt der Untergruppenbacher Bürgermeister Joachim Weller erleichtert. Insgesamt 46 Eigentümer unterzeichneten die Verträge für eine Fläche von 14,7 Hektar. Derzeit umfasst das Bosch-Areal, das an Abstatts Gemarkungsgrenze endet, 30 Hektar.
„Das ist ein riesiger Glücksfall für die Region“, erklärt Weller zu den Erweiterungsplänen. Von derzeit 2700 auf 5000 Mitarbeiter im Endausbau, nennt Martin Windhab, Bosch-Standortbeauftragter in Abstatt, die Zielgröße.
Beschluss
Im Frühsommer 2008 begannen interne Gespräche. Nicht öffentlich habe der Gemeinderat lange diskutiert, betont Weller. Über Jobs, über den Landschaftsschutz. „Jetzt geht es um eine sinnvolle Erweiterung“, fasst der Verwaltungschef die Diskussion zusammen. Einstimmig habe der Rat im Juni die Erweiterung befürwortet, die Verwaltung ermächtigt, Grundstücksverhandlungen zu führen, die sich bis vor zwei Wochen hinzogen.
So schnell wie möglich sollen nun die nächsten Schritte folgen: Regionalplan ändern, Flächennutzungsplan fortschreiben, Bebauungsplan aufstellen. „Wir brauchen Planungssicherheit“, betont Windhab. „Im Laufe des Jahres 2009 werden wir Planungssicherheit haben“, glaubt Hauptamtsleiter Peter Hirsch.
Drei Zufahrten
Für die Bosch-Verantwortlichen passt die derzeitige Infrastruktur am Standort mit drei Zufahrten. Das interne Ringsystem auf dem Hohbuch soll ausgedehnt werden. Laut Windhab ist keine neue Energiezentrale dank der „Wärmerückgewinnung“ notwendig. Auch Strom und Wasser reichten aus. Doch konkrete Pläne über Neubauten und Projekte gebe es derzeit nicht. Zunächst würden einige Parkplätze angelegt. Martin Höfer von der Bosch-Rechtsabteilung sieht die Zukunft weiter in der Forschung und Entwicklung. In der Mehrzahl würden Ingenieure eingestellt, bis zum endgültigen Zustand von 5000 Leuten am Standort.
Zum Bebauungsplanverfahren gehören Umweltprüfung und naturschutzrechtliche Eingriffsregelung, die der Untergruppenbacher Rat am Donnerstag in Auftrag geben will.
In der Bosch-Standortgemeinde Abstatt wird die Entscheidung begrüßt. „Die Arrondierung macht Sinn. Das sichert die vorhandenen Arbeitsplätze und die künftigen“, sagt Bürgermeister Rüdiger Braun. Zudem sei es für die ganze Region ein weiterer großer Schritt in dem Bestreben, mehr Arbeitsplätze im Bereich Forschung und Entwicklung zu schaffen.
Ausgleichsflächen
Generell sieht die Bauernschaft Ansiedlungen gerade im Ballungsraum kritisch, wird doch die Fläche der Landwirte immer knapper. „Wir wissen, wenn viele Arbeitsplätze geschaffen werden, muss alles andere zurückstehen“, sagt Helmut Eberle, Vize des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg. Das sei auch bei der Bosch-Erweiterung in Ordnung.
„Kein Verständnis“ habe man aber dafür, dass noch Ausgleichsflächen geschaffen werden müssten, was die Bauern „doppelt“ bestrafe, erklärt Eberle. Statt neue Pflanzungen anzuordnen, gebe es bessere Möglichkeiten, auch im Sinne des Naturschutzes. Beispielsweise bestehende Streuobstwiesen, die aufgegeben werden, zu erhalten oder Investitionen in Landschaftspflegemaßnahmen als Ausgleich anzuerkennen. Vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar.
Verfahren
Damit Bosch seine Erweiterungspläne auf Markung Unterheinriet verwirklichen kann, muss der Regionalverband Heilbronn-Franken das Regionalplanänderungsverfahren vorantreiben. Der Untergruppenbacher Bürgermeister Joachim Weller strebt an, Flächennutzungsplan und Bebauungsplan in einem Parallelverfahren zu erledigen, um so Zeit zu sparen. Zunächst muss der Gemeinderat eine Umweltprüfung in Auftrag geben.
Quelle Heilbronner Stimme vom 12. Mai 2009 von Reto Bosch, Herbert Kaletta und Joachim Kinzinger www.stimme.de
Foto Dietmar Dirks
Weitere Informationen:
|