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Bisher ist der Künzelsauer Direktvertreiber Berner trotz Wirtschaftskrise mit einem blauen Auge davon gekommen. Im Geschäftsjahr 2008/09, das mit dem März zu Ende gegangen ist, hat die Firma nach vorläufigen Angaben noch ein leichtes Plus erwirtschaftet - dabei sind darin schon mindestens fünf Krisenmonate enthalten. Von Januar bis März 2009 sei der Umsatz der Berner-Gruppe um rund fünf Prozent zurückgegangen, sagt Konzernchef Jörn Werner. „Da liegen wir gut im Vergleich mit den Wettbewerbern.“
Heftige Rückgänge musste das Garnberger Unternehmen bei den Tochtergesellschaften in Spanien verbuchen - und auch in die osteuropäischen Märkte blicken Werner und Berner-Finanzchef Lothar Aulich mit Sorge. „In Zentraleuropa läuft es aber relativ stabil“, heißt es. „Wir sind zum Glück nicht in den Krisenmärkten wie England oder USA vertreten“, gibt Jörn Werner zu. „Außerdem haben wir praktisch keine Shops mehr“, lautet sein Erfolgsrezept. „Dadurch sind wir flexibler in der Kostenstruktur.“
Halbe-Halbe-Prinzip
In der Logistik ist die Auslastung dennoch zurückgegangen. Darauf hat das Unternehmen mit einer Reduzierung der Arbeitszeit reagiert, die 2005 auf 42 Stunden erhöht worden war. Jetzt gilt im Berner-Lager wieder die 38,5-Stunden-Woche. Bei der Bezahlung habe das Unternehmen „Halbe-Halbe“ gemacht, erklärt der Berner-Chef. Weil die Löhne der Lagerarbeiter mit der längeren Arbeitszeit angehoben worden seien, stünden sie jetzt dennoch nicht schlechter da als vorher, erklärt er. Wenn der Laden wieder brummt, soll die Wochenarbeitszeit dann wieder angehoben werden - aber nur auf 40 Stunden.
Betriebsrat Philipp Fröhling steht der Vorgehensweise übrigens sehr positiv gegenüber. „Dieses Angebot, das auf reges Interesse seitens der Kollegen stößt, ist für das Betriebsklima sehr zuträglich und es trägt zur Arbeitsplatzsicherung bei“, sagt er.
Das Halbe-Halbe-Prinzip wendet das Unternehmen auch in anderen Bereichen an - zum Beispiel bei den Beschäftigten in der Holding. „Wir ermuntern unsere Mitarbeiter, flexibel zu sein“, sagt der Konzernchef. Ihnen wurde freigestellt, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, bei der Bezahlung müssen sie nur auf die Hälfte verzichten. Ein knappes Dutzend Mitarbeiter wollen dieses Angebot annehmen, sagt er. Einer, freut sich Werner, habe sogar ein Sabbatical-Jahr genommen: Er arbeitet in dieser Zeit nicht und bekommt dennoch ein reduziertes Gehalt weiter.
Weniger Rendite
Kurzarbeit oder ähnliche einschneidende Maßnahmen benötige das Unternehmen jedenfalls derzeit nicht - zumal die Eigentümerfamilie angesichts der Lage signalisiert habe, dass sie zugunsten von Arbeitsplätzen auf Rendite verzichte. Ziel ist, dass das Umsatzminus im neuen Geschäftsjahr nicht mehr als fünf Prozent betragen soll. „Bei den Zahlen, über die wir derzeit reden, ist das so machbar“, sagt Aulich. Jedenfalls in Deutschland. Auf die massiven Umsatzrückgänge in Spanien habe man mit Entlassungen reagieren müssen.
Sollte sich der Wirtschaftseinbruch weiter verschlimmern, kann sich die Situation wieder ändern. „Für den schlimmsten Fall haben wir entsprechende Maßnahmen in der Schublade“, sagt Jörn Werner. Er ist allerdings überzeugt, „dass wir bei der konjunkturellen Entwicklung sehr nahe am Boden sind“.
Quelle Heilbronner Stimme vom 19. Mai 2009 von Manfred Stockburger www.stimme.de
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