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Zwölfter Regionaltag in Brackenheim
     
 
 

3.6.09

 

Wein und Heuss – zwei Begriffe, die sinnbildlich für die Stadt Brackenheim stehen. Als größte Weinbaugemeinde Württembergs und Geburtsstadt des ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, will sich die Stadt im Zabergäu am 14. Juni auf dem zwölften Regionaltag der Bürgerinitiative pro Region Heilbronn-Franken präsentieren.

Mit gleich zwei herausragenden Markenzeichen kann die 15 300 Einwohner große Stadt Brackenheim wuchern. Als größte Weinbaugemeinde Württembergs mit rund 840 Hektar Anbaufläche und als größte Rotweingemeinde Deutschlands hat sich die „Hauptstadt des Zabergäus“ zwischen den markanten Höhenzügen Stromberg und Heuchelberg längst bei Weingenießern einen Namen gemacht. „Der Wein prägt die Landschaft und die Landschaft prägt den Wein“, weiß Brackenheims Bürgermeister Rolf Kieser (56) um die große Bedeutung des edlen Getränkes für den Charakter seiner Stadt. Der Wein ist aber auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Rund 25 Millionen Euro setzen die Weingärtnergenossenschaften und Privatweingüter jährlich um. Den größten Anteil dazu trägt die Parade-Rotweinsorte Lemberger bei, die vollmundige, kräftige Weine hervorbringt, die zu den besten der Welt zählen. Durch das milde Klima und die wärmespeichernden Keuperböden im lieblichen Zabergäu findet der „König der Rotweine“ ideale Voraussetzungen.

Da verwundert es nicht, dass auch der große Sohn der Stadt Brackenheim, Theodor Heuss (1884–1963), ein regelrechter Fan des Lembergers war. „Wer Wein säuft, sündigt. Wer Wein trinkt, betet“, lautet ein berühmtes Zitat des ersten deutschen Bundespräsidenten. Noch heute ehrt Brackenheim Theodor Heuss, der übrigens seine Doktorarbeit zum Thema „Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn am Neckar“ schrieb, über alles. Ende Januar wurde zu seinem 125. Geburtstag im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler die neu geschaffene Bronzestatue von Theodor Heuss enthüllt. Im schmucken Heuss-Museum wird die Geschichte des bedeutenden Staatsmannes lebendig. „Person und Werte von Theodor Heuss sind für uns Verpflichtung, die wir mit einem Theodor- Heuss-Jahr 2009 besonders in den Mittelpunkt stellen wollen“, betont Bürgermeister Kieser.

Stadt ohne Schulden

Ohnehin sind in Brackenheim spannende Zeiten angebrochen. Seit 15. August 2008 ist die Stadt im Kämmereihaushalt schuldenfrei, Ende des Jahres beginnt die Erweiterung des Rathauses, und mit dem an die Innenstadt angrenzenden Schloss gegenüber dem Heuss- Museum hat Rolf Kieser große Pläne. „Wir würden dort gerne eine Außenstelle des baden-württembergischen Hauses der Geschichte einrichten und dessen Sonderausstellung ‚Reinen Wein einschenken – Weinwelt im Wandel‘ übernehmen. Das wäre ein baden-württembergisches Leuchtturmprojekt in unserer Stadt für den Wein“, so Kieser. Eine Weinausstellung im Gewölbekeller des landeseigenen Schlosses sowie der Neubau einer Vinothek mit Restaurant im angrenzenden Schlossgarten sollen das Ensemble abrunden. Rund 2,5 Millionen Euro soll das gesamte Projekt kosten, Brackenheim hofft auf eine Beteiligung des Landes als Schlosseigentümer. Eine Entscheidung des Landes soll in den nächsten Wochen fallen.

Finanziellen Spielraum hat die eigentlich eher steuerschwache Stadt durch einen konsequenten Schuldenabbau bis hin zur Tilgung sämtlicher Verbindlichkeiten geschaffen. „Darauf sind wir stolz, wenn man bedenkt, dass wir vor zehn Jahren noch knapp zehn Millionen Euro Schulden hatten“, freut sich Rolf Kieser. Gelungen ist dies durch eine offensive Grundstückspolitik, eine sparsame, effizient arbeitende Verwaltung, einen Einwohnerzuwachs von über 40 Prozent sowie eine Steigerung der Zahl der Arbeitsplätze um knapp 50 Prozent. Vor allem aus dem Stuttgarter Raum sind bei vergleichsweise erschwinglichen Grundstückspreisen von 170 bis 240 Euro pro Quadratmeter zahlreiche Pendler in Brackenheim heimisch geworden. Sie finden in der Heuss-Stadt eine hervorragende Infrastruktur mit Gymnasium sowie allen Bildungs- und Erziehungseinrichtungen, Ärzten, einem zu den SLK-Kliniken gehörenden Krankenhaus mit Geriatrischer Rehabilitationsklinik, umfangreichen Einkaufsmöglichkeiten und einem schmucken, 1996 erbauten Bürgerzentrum, in dem auch zahlreiche hochkarätige Kulturveranstaltungen stattfinden. Gerade für Familien mit Kindern ist die Situation ausgezeichnet. „Wir bieten schon heute durchgängig eine ganztägige kommunale Betreuung für alle, vom einjährigen Kind bis zum 18-jährigen Gymnasiasten“, hebt Rolf Kieser hervor. Um auch weiterhin um Familien mit Kindern zu werben, hat der Gemeinderat in diesem Jahr beschlossen, den Kinderbonus beim Kauf eines Bauplatzes auf 7500 Euro pro Kind zu erhöhen. Und trotz spürbarer Einschnitte bei den Einnahmen durch die Wirtschaftskrise will die Stadt auch künftig investieren.

Kräftige Investitionen

Größtes Projekt ist der geplante Rathausanbau mit Bürgersaal und Bürgerbüro für sechs Millionen Euro, der im Januar 2010 beginnen soll. Der Entwurf, der das 1776 im Rokoko-Stil fertiggestellte, markante Gebäude in seinem Charakter unverändert lässt, steht bereits. Am dritten Advent 2011, just zum Ende seiner dritten Amtszeit, will Rolf Kieser den Bau einweihen. Ob er zuvor für eine vierte Wahlperiode angetreten ist, lässt der Rathauschef noch offen. „Im Moment macht die Arbeit viel Spaß, aber die Entscheidung muss noch etwas reifen“, so der leidenschaftliche Marathonläufer, der maßgeblich an der Gründung des Trollinger-Marathons beteiligt war, der auch durch Brackenheim führt. Weitere große Investitionen sind der Umbau der Kelter im Stadtteil Meimsheim zum Dorfgemeinschaftshaus, die Renovierung der Schule in Stockheim und die Ortskernsanierung in Hausen. Insgesamt wird die Stadt in den nächsten zwei Jahren 10,5 Millionen Euro investieren. Einen ausgeglichenen Haushalt will die Verwaltung aber nicht aus dem Blick verlieren, auch wenn im kommenden Jahr aufgrund des Konjunktureinbruchs mit höheren Sozialkosten, höheren Umlagen und sinkenden Einnahmen aus Einkommen- und Lohnsteuer zu rechnen ist. „Wir haben ein klares Ziel, auch 2011 ohne Schulden dazustehen“, so Kieser. Klares Ziel ist es auch, den Regionaltag am 14. Juni zu einem echten Fest der Region Heilbronn-Franken zu machen. „Wir wollen alle Kräfte mobilisieren und das Festival der Vielfalt zu einem Zweitages- Event machen“, so Kieser. Am Samstag eröffnet eine Leistungsmesse mit Sommernachtseinkauf das Festwochenende. Am Regionaltagssonntag, zu dem die Stadt über 10 000 Gäste erwartet, wird nach der Eröffnungsfeier mit dem ehemaligen baden-würtembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel und dem anschließenden ganztägigen Bühnenprogramm natürlich auch der Wein in den Mittelpunkt gerückt. So stehen Wengerter- Golf, Wein-Quiz, Buttenlauf und Fahrten mit dem Lembergerexpress auf dem Programm. Führungen durch die Stadt und Informationen zur Stadtgeschichte werden dafür sorgen, dass sich Brackenheim von seiner besten Seite präsentiert. Thomas Zimmermann

 

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