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Recaro Aircraft Seating: Der Sitzhersteller ist breit aufgestellt und wartet mit zahlreichen Neuheiten auf.
Der renommierte Flugzeugsitzproduzent ist bislang bestens durch die aktuelle Wirtschaftskrise gekommen. Dabei hat das Unternehmen - um im Bild zu bleiben, die Krise wahrlich nicht ausgesessen. Ganz im Gegenteil in allen Produktbereichen ob Economy Class, Premium Economy Class oder Business Class hat Recaro zuletzt Sitzneuheiten in den Markt geschoben. In mehreren Fällen war das Fachpublikum regelrecht begeistert; dass die Schwäbisch Haller in zwei Fällen gar den Branchenpreis "Crystal Cabin Award" gewannen, ist der sichtbare Beleg für die enormen Entwicklungsanstrengungen die Recaro in Sachen Komfort, Gewicht und Design unternimmt, um die Kunden für sich zu gewinnen.
Zuletzt konnte der drittgrößte Flugzeugsitzhersteller der Welt die Fluggesellschaften rund um den Globus wirklich überzeugen. So stellten die Sitzspezialisten im diesem Frühjahr gar einen neuen Fertigungsrekord auf und Qatar Airways vergab erst vor Kurzem einen weiteren Großauftrag über Tausende von Sitzen der unlängst preisgekrönten Comfort Line 3620 in 110 Flugzeugen.
Sollte der Luftverkehr ob der weltwirtschaftlichen Turbulenzen nicht plötzlich gänzlich abstürzen, könnte das Unternehmen die Wirtschaftsflaute sogar ohne Umsatzverlust überstehen. Das Jahr 2008 hat Recaro jedenfalls ordentlich hinter sich gebracht. Zwar lag der Umsatz mit 246 Millionen Euro etwas unter dem des Vorjahres.
Wer sich allerdings vor Augen hält, dass viele Neuflugzeugprogramme verschoben werden , viele Airlines wegen der gesunkenen Nachfrage, den Kauf neuer Maschinen hinten anstellen, der bekommt einen Eindruck davon, wie glimpflich Recaro bislang davon kam. Jetzt zeigt sich, wie durchdacht das breit angelegte Produktportfolio ist, dass es dem Sitzhersteller mit seinen modular aufgebauten Produktreihen erlaubt, Low-Cost-Carrier ebenso zu bedienen wie die bekannten Premium-Linien. Und obwohl der Auftragseingang gar fast 20 Prozent über dem Niveau des Vorjahres liegt, gibt sich Geschäftsführer Axel Kahsnitz derzeit betont vorsichtig: "Man muss sich fragen, was die Auftragsbestände wirklich wert sind". Skepsis ist durchaus angebracht. Zwar würden die Bestellungen der einzelnen Airlines in der jüngeren Vergangenheit bereits reichen, um auch bei Recaro Aircraft Seating in den nächsten Jahren für volle Auftragsbücher zu sorgen, doch es ist längst kein Geheimnis mehr, dass etliche Fluggesellschaften angesichts rückläufiger Passagierzahlen und deftiger Gewinneinbrüche "ihre Projekte in dieser Form wohl nicht mehr finanzieren können".
Die Folge: So manche zugesagte Bestellung wird wohl noch verschoben, wenn nicht gar gänzlich storniert. Derzeit liegt der Auftragsbestand bei etwa 350 Millionen Euro. Was reichen müsste, um den härtesten Teil der Krise weitgehend unbeschadet zu überstehen. Nicht zuletzt deshalb, weil Recaro auch beim Service, also bei der Überarbeitung bereits eingesetzter Sitze gut im Geschäft ist und damit rund ein Viertel seines Umsatzes macht. Zwischen 60 000 und 65 000 Sitzen produziert Recaro Aircraft Seating pro Jahr. Mittelfristig sollen es noch ein paar mehr werden. Doch vorläufig gilt es auf die unterschiedlichen Herausforderungen am Markt zu reagieren: "Flexibilität ist dabei das große Schlüsselthema" erklärt Axel Kashnitz.
Das stellt gerade auch die Produktion vor besondere Herausforderungen, gilt es doch für jeden Einsatzzweck den richtigen Sitz anzubieten, sei es auf Kurz- oder Ultralangstrecke. Da die Volumina stark schwanken, steht die Unternehmensspitze vor nicht ganz einfachen Gesprächen mit den Betriebsräten über entsprechende Arbeitszeitmodelle mit variablen Zeitarbeitskonten.
Da am Standort Schwäbisch Hall neben der Entwicklung auch die Zulassung zu Hause ist, sollen trotz aller Sparzwänge weitere Stellen geschaffen werden. Zum Jahres ende wird das Unternehmen etwa 660 Mitarbeiter beschäftigen, das wären etwa 30 mehr als zu Beginn des Geschäftsjahres. Dazu kommen noch einmal rund 150 Leiharbeiter, quer durch alle Abteilungen. Künftig will man noch individueller mit einer "atmenden Organisationsstruktur" auf den verstärkten Margendruck, und die immer spezifischeren Wünsche der Kunden reagieren. Axel Kashnitz: "Die Kunst ist es, den Erfordernissen möglichst einfach gerecht zu werden." Das ist dem Sitzhersteller zuletzt bestens gelungen.
Quelle RegioBusiness vom 5. Juni 2009 von Heribert Lohr www.suedwest-aktiv.de
Recaro Aircraft Seating ist ein weltweit aktiver Entwickler und Hersteller von Flugzeugsitzen für führende Airlines mit aktuell rund 1.200 Mitarbeitern an acht Standorten in sechs Ländern. In Deutschland sind insgesamt fast 600 Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen erwirtschaftete im Jahr 2007 einen Umsatz von 250 Millionen Euro. Recaro liegt damit in der Rangliste der größten Flugzeugsitzhersteller an dritter Stelle weltweit.
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