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Der Deutsche Orden
     
 
 

1.7.09

 

Die Geschichte des Deutschen Ordens seit 1809 präsentiert eine neue Abteilung im Deutschordensmuseum im Bad Mergentheimer Hochschloss. Mit einem würdigen Festakt mit Festvortrag von Hochmeister Abt Dr. Bruno Platter wurde sie eröffnet.

Die zahlreichen prominenten Gäste begrüßte Senator Professor Dr. Dieter Salch, dienstältestes Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschordensmuseum Bad Mergentheim GmbH und Familiare des Deutschen Ordens. Ein "einzigartiges Museum" sei das Deutschordensmuseum, betonte er, sozusagen eine "Wiedergutmachung des Landes Baden-Württemberg für das, was die Krone dem Fürstentum Bad Mergentheim 1809 angetan hat".

Dem Deutschen Orden sei es "gelungen, immer wieder zu seinen Quellen zurückzukehren", ein entscheidender Grund dafür, dass er sich bis heute erhalten habe. Nicht einmal die Macht des Korporals Napoleon habe gereicht, um ihn aufzulösen und er blühe und gedeihe bis heute unter dem Motto "Helfen, wehren und heilen".

Zwar habe sich der Deutsche Orden als Ritterorden 1925 selbst aufgelöst, doch die "Ritter des Geistes" seien angesichts des Werteverfalls heute nötiger denn je. "Wir sind die lebenden Museumsstücke".

Auf die Abteilung zur neuen Geschichte des Ordens habe man angesichts der finanziellen Zwänge lange warten müssen. Doch auch dank einer großzügigen Spende des Deutschordensbundes sei es gelungen, die gesamte Finanzierung aus den Reihen des Deutschen Ordens herzustellen.

Oberbürgermeister Dr. Lothar Barth betonte in seinem Grußwort die heutige Verbundenheit Bad Mergentheims mit Baden-Württemberg. Die neue Abteilung sei "die Krönung, die das Museum in die Zukunft hinein führen wird", und es sei äußerst wichtig, dass "die Geschichtsklitterung in Bezug auf den Orden jetzt einen Kontrapunkt bekommt". Hier werde die Verfälschung der Geschichte des Deutschen Ordens dargestellt - und wie sie wirklich war. Jetzt sollte man noch einen deutsch-polnischen Jugendaustausch erreichen, um ein grundsätzlich positives Bild dieses Ordens zu vermitteln.

Deutschherrenmeister Dr. Karlheinz Götz wies darauf hin, man habe dem einzigen Museum, das sich mit der ganzen Geschichte des Deutschen Ordens befasse, einen namhaften Betrag zukommen lassen. Die Deutschordensschwestern hätten wertvolle Gegenstände retten können und sie jetzt dem Museum zur Verfügung gestellt. Weitere Exponate und wertvolle Unterstützung seien von den Brüdern und der Ordensleitung gekommen. Seit dem 19 Jahrhundert sei das Hauptanliegen des Ordens die Caritas - die Gründung des Familiareninstituts diene der ideellen und finanziellen Unterstützung dieses Anliegens. Das Museum sei ein "Aushängeschild für den Deutschen Orden und seine Geschichte".

Die Präsentation der Vergangenheit in Museen leiste "einen großen Beitrag dazu, die Zukunft besser bewältigen zu können". Das hob Dr. Gisela Meister-Scheufelen, Ministerialdirektorin im Finanzministerium Baden-Württemberg, hervor. Darum leiste das Land auch einen beachtlichen finanziellen Beitrag zum Deutschordensmuseum. Aber auch dem Museumsverein gelte großer Dank für sein ehrenamtliches Engagement. Schon seit acht Jahren gebe es ein Konzept für eine Abteilung zur neuen Ordensgeschichte - dass sie möglich geworden sei, sei das Verdienst des Deutschherrenbundes. Der Museumsdirektorin Maike Trentin-Meyer sei es zu verdanken, dass sie so gut gelungen sei.

Den Festvortrag zum Thema "Wie Lichter in der Welt Kraft ausstrahlen - zu Auftrag und Sendung des Deutschen Ordens" hielt S.E. Hochmeister Abt Dr. Bruno Platter.

Mit dieser "langersehnten Ergänzung" werde deutlich gemacht, dass der Orden heute noch "kraftvoll wirkt". Bad Mergentheim sei seit 1209 Kommende des Deutschen Ordens - 1947 hätten die Schwestern hier nach 150-jähriger Pause die Tradition von Helfen und Heilen wieder aufgenommen.

Ursprünglich als Hospitalorden gegründet, habe er als Ritterorden über Jahrhunderte die Geschichte mit bestimmt. Kaufleute aus Bremen und Lübeck, also praktische Leute, seien die Gründer gewesen. Nachhaltiges hätten sie damit geschaffen. "Helfen in Gemeinschaft - dann kann etwas Großes daraus entstehen". Nach der päpstlichen Anerkennung habe der Orden einen raschen Aufschwung genommen.

Die religiöse Dimension sei über die Jahrhunderte die wichtigste, grundlegende Säule gewesen. Auf die durchgehend geleistete Seelsorge dürfe der Orden stolz sein. Der Einsatz auf dem sozial-caritativen Gebiet mit Heimen und Schulen sei die zweite Säule. Die apostolisch-gesellschaftliche Dimension werde deutlich in den vom Orden verwalteten Territorien - man sei da dem Auftrag gerecht geworden, "die Welt im Geist Christi zu gestalten". Schließlich seien die kulturellen Leistungen in ganz Europa nicht wegzudenken, die Kirchen und Burgen mit ihren Kunstwerken, die Forschungen im Bereich der Medizin, Literatur und Pädagogik. Dabei sei man stets in Verbindung mit der Universalkirche und der Kirche vor Ort gestanden. Der Orden möge auch in der Zukunft "eine Quelle des Lichtes und der Kraft" bleiben.

Maike Trentin-Meyer, Museumsdirektorin und Kuratorin der neuen Abteilung des Deutschordensmuseums, würdigte die vielen Spender und Leihgeber, die eine professionelle Gestaltung möglich gemacht hätten. Anschließend gab sie einen profunden Überblick über die neue Ordensgeschichte mit seiner Hinwendung zur Caritas und stellte die didaktischen Mittel dar, mit denen dieser Wandel in der Ausstellung präsentiert wird.

Nach einem weiteren Musikvortrag von Claudia und Julia Weissbarth (Flöte und Harfe), die den Festakt im Rittersaal musikalisch auf hohem Niveau umrahmten, einem Grußwort von Komtur Dr. Adalbert Ruhnke und dem Segensgebet des Hochmeisters wurde die Ausstellung feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Die Gäste hatten Gelegenheit, sie zu besichtigen und sich von ihrer Vielfalt und Qualität zu überzeugen. Die Feierlichkeiten wurden fortgeführt mit einer Vesper in der Kapuzinerkirche und einem Pontifikalamt am Sonntag, das Hochmeister Abt Dr. Bruno Platter zelebrierte.

Quelle Fränkische Nachrichten vom 30. Juni 2009 von Peter Keßler www.fnweb.de

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