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Der Hohenlohekreis ist die Nummer 1 bei den Weltmarktführern.
150 Jahre lang verschwand Hohenlohe ab 1806 als bäuerliche Provinz des Königreichs Württemberg in der politischen und wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit und war nach dem Zweiten Weltkrieg lange wirtschaftliches Notstandsgebiet. Aber in den letzten Jahren katapultierte sich der Hohenlohekreis ganz nach oben: Kein anderer Stadt- und Landkreis in ganz Deutschland hat, bezogen auf die Einwohnerzahl, so viele Weltmarktführer wie der kleinste Landkreis Baden-Württembergs, der davon gleich elf vorweisen kann. Das hat der Berliner Professor Bernd Venohr in einer bundesweiten Untersuchung der rund 1 500 Weltmarktführer herausgefunden.
Grundstein
An der Wiege des großen Hohenloher Wirtschaftsbooms stehen die Ernsbacher Eisenwarenfabrik Arnold, die Ende des 19. Jahrhunderts den Grundstein für den Schraubenhandel legte sowie die Unternehmerfamilien Bürkert, Würth, Ziehl, Stahl und Sigloch.
Krieg und Zusammenbruch hatten Sigloch, Stahl und Ziehl ins Kochertal geführt. Heinz Ziehl brachte die heute so mächtige Ventilatorenindustrie, R. Stahl machte Hohenlohe durch Aufzugmotoren und den Explosionsschutz groß, Sigloch mit einer Großbuchbinderei. Reinhold Würth baute, begünstigt durch die Vorarbeit seines viel zu früh verstorbenen Vaters, ein weltweit agierendes Handels- und Industrieimperium auf. Christian Bürkert, der auf einem Alleinflug über den Atlantik sein Leben verlor, legte den Grundstein für die weltweit agierende Hohenloher Ventiltechnikbranche. In diesen Firmen wurden Führungspersönlichkeiten groß, die – wie Albert Berner, Gerhard Sturm und Friedrich Kriwan – selbst wieder Unternehmen aufbauten, die sich zu Weltmarktführern entwickelten.
Attraktiv für Arbeitnehmer
Herausragende, weitsichtige, mit kalkuliertem Risiko agierende Unternehmer bilden also die Basis für den wirtschaftlichen Aufstieg Hohenlohes.
Aber ihnen wäre der Erfolg versagt geblieben ohne die fleißigen, kreativen Mitarbeiter, die anfangs fast ausschließlich aus der Landwirtschaft kamen. Sie sind es gewöhnt, hart und sehr lange zu arbeiten. Sie können unternehmerisch denken und haben gelernt, auch schwierige Situationen zu meistern. Mit diesem ”Geist“ haben die Hohenloher auch die aus dem Ausland und aus anderen Regionen Deutschlands in den Hohenlohekreis strömenden Menschen ”infiziert.“ Denn: ”Die Arbeitnehmer sind hier bei uns ja schließlich im Weltzentrum der Märkte für Ventilatoren, Verbindungselemente und der Ventil-, Steuer- und Regeltechnik“, erklärt IHK-Präsident Thomas Philippiak die Attraktivität Hohenlohes für hochqualifizierte Zuwanderer.
Quelle für Innovationen
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Weltoffenheit der Weltmarktführer. Viele von ihnen haben einen Exportanteil von 70 bis 80 Prozent. “Bevorzugt wird der direkte Kundenkontakt über eigene Vertriebs- und Servicegesellschaften“, hat Prof. Venohr recherchiert. Das sichere nicht nur Top-Service, sondern sei auch eine ”unerlässliche Quelle für Innovationen.“ Das Ergebnis: viele gemeinsame Entwicklungen mit Kunden.
Auch durch ihre ”enorme Innovationskraft“ unterscheiden sich die Weltmarktführer von anderen Firmen. Sie haben mit rund zehn Prozent überdurchschnittlich hohe Aufwendungen für Forschung und Entwicklung. Und sie haben relativ viele Patente. Aber auch die internen Abläufe sind, so Venohr, vorbildlich organisiert. Die Firmen haben erkannt, dass sie sich nur behaupten können, wenn sie sich durch ”fortlaufende Produkt- und Prozessinnovationen“ von ihren Wettbewerbern positiv abheben.
Starke Familien
Bis auf die Weißbacher Firma Hornschuch sind alle elf Hohenloher Weltmarktführer in Familienbesitz. Nur ein Unternehmen, die Firma Gemü, wird vom Firmengründer Fritz Müller noch selbst geführt. Bei allen anderen leitet ein familienfremder Manager das operative Geschäft. Die langjährigen geschäftsführenden Gesellschafter haben sich bei Würth, Berner, ebmpapst und Kriwan zurückgezogen, spielen aber eine wichtige Rolle im Hintergrund.
Dieser ”intelligente Familienkapitalismus“, wie Venohr das nennt, ”vereint die Vorteile des Privatbesitzes wie langfristige Orientierung und Unabhängigkeit von kurzfristigen Kapitalmarkterwartungen mit modernen Führungsmethoden. Damit wird eine Achillesferse des klassischen Familienunternehmens überwunden, nämlich fehlende Managementkompetenz der auf die Gründer folgenden Generationen.“
Auswirkungen der Wirtschaftskrise
Aufgrund ihrer starken Exportorientierung trifft die Weltwirtschaftskrise natürlich auch die Hohenloher Weltmarktführer. Ihre Situation im Einzelnen: Der Würth-Konzern (Umsatz 2008: 8,82 Milliarden Euro, über 62000 Mitarbeiter) ist der weltweit größte Direktvertrieb für Montage- und Befestigungstechnik. Das Unternehmen, das sich vorbildlich für die Region engagiert, hat im ersten Quartal 2009 16,1 Prozent seines Umsatzes gegenüber dem Vorjahr eingebüßt, erzielte aber ein positives Betriebsergebnis von 32,4 Millionen Euro. Ebm-papst (9 700 Mitarbeiter) ist – bezogen auf die Breite des Angebots – der weltgrößte Hersteller von Ventilatoren und Motoren.
Obwohl der Automotive-Bereich bei der Unternehmenstochter in St. Georgen eine große Rolle spielt, sank der Umsatz im Geschäftsjahr 2008/2009 nur leicht um 1,9 Prozent auf 1,056 Milliarden Euro. Ebm-papst profitiert von seinem seit Jahren konsequent umgesetzten Öko-Kurs. Die EC-Ventilatoren verbrauchen bis 70 Prozent weniger Energie als herkömmliche Ventilatoren.
Die Berner-Gruppe (870 Millionen Euro Umsatz im letzten Geschäftsjahr, 8 000 Mitarbeiter) ist die weltweite Nr. 3 beim Direktvertrieb für Verbrauchsmaterial und Werkzeuge für Handwerk und Industrie sowie bei der Herstellung und dem Vertrieb von technischer Spezialchemie. In Euro/Jahr belegt Berner Platz 2. Mit einem Umsatzrückgang von nur fünf Prozent im ersten Quartal ist die Berner-Gruppe bisher mit einem ”blauen Auge“ davongekommen.
Kurzarbeit
Ziehl-Abegg, Weltmarktführer im Bereich großer Industrieventilatoren, ist – wie ebm-papst – gezwungen, Teile seiner Belegschaft in Kurzarbeit zu schicken. Die rund 2 400 Mitarbeiter des Unternehmens, das 2008 in Künzelsau viel Geld in ein neues Entwicklungszentrum investierte, erzielten im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von über 300 Millionen Euro.
Von der Weltwirtschaftskrise blieben auch die beiden Hohenloher Spezialisten für Ventil-, Mess- und Regeltechnik nicht verschont. Bei der Ingelfinger Firma Bürkert (ca. 2100 Mitarbeiter, über 315 Millionen Euro Umsatz), Weltmarktführer für Fluid-Control-Systeme (vom Ventil bis zum Hightech-Sensor), arbeiten seit Juni etwa 400 der 1 200 Mitarbeiter in Hohenlohe weniger.
Bei Gemü (rund 1000 Mitarbeiter), Weltmarktführer bei Ventilen für sterile Prozesse und Top 3 bei der Ventiltechnologie, hat die Kurzarbeit im April begonnen. Bei der Huber Packaging Group (über 180 Millionen Euro Umsatz, 1150 Mitarbeiter) ist seit Februar Kurzarbeit angesagt. Im Partyfass-Bereich wurde die Kurzarbeit schon zwei Monate später wieder beendet: In diesem Bereich, der vor allem saisonal bedingt wieder angezogen hat, ist das Öhringer Unternehmen weltweit führend.
Bei der Weißbacher Konrad Hornschuch AG (152 Millionen Euro Umsatz, über 800 Mitarbeiter), Weltmarkführer im Bereich hochwertiger Design- und Funktionsfolien sowie bei High-Performance-Synthetics und speziellen Kunstledern, arbeiten Teile der Produktion seit 1. Dezember 2008 kürzer, seit April der gesamte Betrieb. Das Auftragsniveau hat sich mittlerweile auf 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau stabilisiert.
Die Kriwan-Gruppe (200 Mitarbeiter) ist Systemlieferant für hochentwickelte Sensorik und Elektronik zum reibungslosen Betrieb von Maschinen und Anlagen. Der Forchtenberger Weltmarktführer, unter anderem für Kältekompressor-Applikationen und Wetter-Sensorik für Seilbahnen, konnte den Auftragseinbruch bei den Kunden im Maschinenbau nicht durch die großen Erfolge im Bereich der erneuerbaren Energien, dem neuen Unternehmensschwerpunkt, ausgleichen.
Ergebnis: Kurzarbeit in der Industrieelektronik seit dem ersten April.
Gestärkt aus der Krise
Vorbereitungen für den Einsatz von Kurzarbeit trifft jetzt die R. Stahl AG, mit einem Umsatz von 221 Millionen Euro und über 1 200 Mitarbeitern weltweit die Nr. 2 bei explosionsgeschützten Geräten und Systemen. Das börsennotierte Waldenburger Unternehmen musste im ersten Quartal aber einen Umsatzrückgang von 4,3 Prozent und einen Rückgang beim Auftragseingang von 9,2 Prozent hinnehmen.
Von der Krise weitgehend verschont blieb bisher lediglich die Pfedelbacher Firma Scheuerle (über 300 Mitarbeiter, 120 Millionen Euro Umsatz). Der Weltmarktführer für Schwerlasttransporter hat 2009 volle Auftragsbücher. Aber: Spätfolgen sind wegen der langen Planungs- und Produktionszeiten solcher Spezialfahrzeuge nicht ausgeschlossen.
Die Weltwirtschaftskrise hat auch zehn Hohenloher Weltmarktführer erfasst, aber IHK-Präsident Thomas Philippiak ist überzeugt: ”Die Unternehmen sind für die Krise gut gewappnet und werden gestärkt daraus hervorgehen, auch wenn die Krise bei uns etwas länger dauern wird.“ Der Grund: Die Unternehmen sind relativ gut mit Eigenkapital ausgestattet.
Quelle wnews der IHK Heilbronn-Franken Ausgabe Juli 2009 von Reinhold Brütting http://www.heilbronn.ihk.de/News/wnews/default.htm
Weitere Informationen:
Berner www.berner.de
Bürkert www.buerkert.de
Ebmpapst www.ebmpapst.com
Gemü www.gemue.de
Konrad Hornschuch www.hornschuch.de
Huber Packaging www.huber-packaging.com
Kriwan www.kriwan.de
R. Stahl. www.stahl.de
Scheuerle www.scheuerle.de
A. Würth www.wuerth.com
Ziehl-Abegg www.ziehl-abegg.de
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