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Standortfaktor Kultur
     
 
 

11.7.09

 

Kulturelle Einrichtungen und Veranstaltungen gewinnen immer mehr an Bedeutung.

Wenn ein Herrscher im Mittelalter Kunst und Kultur gefördert hat, tat er das für sein persönliches Seelenheil, stiftete Kirchen, Kapellen oder Altarbilder. Später finanzierten Könige und Fürsten Maler, Komponisten, Architekten und Philosophen, um ihren Hofstaat zu bereichern und/oder zu Zwecken der Repräsentation.

Das Wort ”Standortfaktor“ hatte zu Zeiten, da die Bezeichnung ”Hoflieferant“ als Markenzeichen ausreichte, noch keine Bedeutung. Der Begriff war deshalb auch nicht im aktiven Sprachgebrauch enthalten. Das hat sich erst geändert, nachdem sich auch Hoflieferanten in der freien Marktwirtschaft gegenüber Wettbewerbern bewähren mussten.

Neue Aspekte

Allerdings waren da zunächst fast ausschließlich harte Standortfaktoren wie Infrastruktur oder die Nähe zu Rohstoffen wichtig. Erst mit dem Wandel der Industriegesellschaft zur Dienstleistungsgesellschaft, wie er sich in den vergangenen 30 Jahren vollzogen hat, kam auch die Kultur immer mehr zu standortrelevanten Ehren. Kulturelle Leistungen wie beispielsweise Bauwerke wie die Londoner Towerbridge, Museen wie der Louvre erwiesen sich bald nicht nur als zuverlässige Touristenmagnete, sondern auch als Aufwertung der jeweiligen Stadt als Wohnort ebenso wie als Unternehmensstandort.

Kultur als Wirtschaftsfaktor

Natürlich sickerte diese Erkenntnis mit der Zeit aus den großen Metropolen auch in die Provinz, wo es sich inzwischen kein Lokalpolitiker mehr leisten kann, auf imagefördernde kulturelle Einrichtungen und Events zu verzichten. So stehen allein im Oberzentrum Heilbronn im laufenden Jahr rund 17,4 Millionen Euro für Theater, Museen aber auch für Zuschüsse an private Initiativen im Haushalt. Gleichzeitig haben auch zahlreiche Unternehmen entdeckt, dass Kultur etwas durchweg Positives ist und begannen ihrerseits diese aktiv zu fördern. Reinhold Würth über seine kulturellen Umtriebe: ”All diese Aktivitäten sind auch PR für das Unternehmen. Da bin ich Pragmatiker.“ Allein das Stiftungskapital der 1987 gegründeten Gemeinnützigen Stiftung Würth beträgt 4,1 Millionen Euro. Gefördert werden Kunst und Kultur, Forschung und Wissenschaft sowie Bildung und Erziehung.

Regionale Verbundenheit

Viele Unternehmen, wie beispielsweise die Künzelsauer Firma Berner, möchten durch ihr Engagement auch ihre Verbundenheit mit der Region und ihren Menschen nach außen tragen und sich so zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bekennen. Sie stehen damit in einer Tradition, die letzten Endes bereits vor über 2 000 Jahren in dieser Region begonnen hat. Denn schon die Kelten haben hier ihre kulturellen Spuren hinterlassen. Die Römer bauten den Limes und ihre berühmten Villen und Bäder. Zahlreiche Burgen, Kirchen und Schlösser dokumentieren nicht nur das reichhaltige kulturelle Leben in der Region während des Mittelalters und in der Neuzeit. Sie haben außerdem einen nicht zu unterschätzenden Einfluss darauf, dass sich die Menschen mit ihrer Region identifizieren.

Positives Umfeld schaffen

Mit dem demographischen Wandel wird sich der Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte verschärfen. Je besser ausgebildet diese sind, desto wichtiger ist ihnen auch das kulturelle Angebot. Sibylle Kolb von der Firma Berner: ”Das kulturelle Angebot einer Region kann als Teil der weichen Standortfaktoren vor allem bei der Anwerbung von hoch qualifizierten Mitarbeitern eine Rolle spielen. Es ist deshalb sehr wichtig für ein Unternehmen, dass sich die Region mit entsprechenden Angeboten auch ins Gespräch bringt.“ Eine besondere Affinität zu Kultur vor Ort sieht Bernd Billek, bei der Stadt Heilbronn zuständig für die Wirtschaftsförderung,” bei Berufen, die sich in einem kreativen Umfeld bewegen und selbst quasi künstlerisch tätig sind. Ich denke hierbei natürlich vor allem an Graphikbüros, Architekten, Werbeagenturen, aber auch Produktentwickler und Verantwortliche von Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, also das, was man gemeinhin als Kreativwirtschaft bezeichnet.“ Um kreativ sein zu können, benötigen die Menschen ein Umfeld, in dem sie sich wohl fühlen und das ihnen zahlreiche Anregungen und Kommunikationsmöglichkeiten bietet.

Potenzial

Ein qualifiziertes Bildungsangebot sollte ebenso vorhanden sein, wie gepflegte Plätze. So sollte eine kulturell interessante Stadt immer auch Freiräume schaffen, in denen sich Kreativität entwickeln kann. Denn dann hat auch die relativ junge Kulturwirtschaft die besten Voraussetzungen, um nicht nur ihre bestehende Marktposition zu halten, sondern diese noch weiter auszubauen.

In dieser Branche wurden bereits im Jahr 2004 von über 800 000 Menschen 1,6 Prozent des Bruttoinlandproduktes erwirtschaftet. Und viele Wirtschaftswissenschaftler sehen in diesem Bereich durchaus noch mehr Potenzial – schließlich ist der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft noch nicht beendet.

Quelle wnews der IHK Heilbronn-Franken Ausgabe Juli 2009von Manfred Nied http://www.heilbronn.ihk.de/News/wnews/default.htm

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