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Steillagen als Weltkulturerbe?
     
 
 

15.7.09

 

Landschaftsprägend sind sie, die terrassierten Weinberglagen an Neckar und Enz, Jagst und Kocher.

Sie sind landschaftsprägend, die terrassierten Weinberglagen an Neckar und Enz, Jagst und Kocher. Für den württembergischen Weinbaupräsidenten Hermann Hohl muss es deshalb „das Interesse aller sein, die Verantwortung tragen, dass dieses Landschaftsbild erhalten bleibt“. Das aber funktioniert nur, wenn die Wengerter, die diese Flächen bewirtschaften, unterstützt werden. Der Weinbauverband hat deshalb ein Bündel an Maßnahmen erarbeitet, um den Weinbau in Flusstälern auf eine dauerhafte wirtschaftliche Basis zu stellen. Bei einem Fachgespräch mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk und Vertretern der Landratsämter, Gemeinden und Betriebe wurde der „Masterplan“ gestern in Lauffen diskutiert.

Hoher Aufwand

Lauffen ist die Kommune mit den meisten terrassierten Weinberglagen. „Wir wollen die unverwechselbare Landschaft erhalten“, versicherte Ulrich Maile, Vorsitzender der örtlichen Genossenschaft, „aber wir haben heute schon wirtschaftliche Probleme“. Liege der finanzielle Aufwand eines Wengerters pro Hektar und Jahr normalerweise bei etwa 8000 Euro, so komme er in Steillagen auf das Doppelte. „Rein rechnerisch müsste ich es lassen“, sagt auch sein Vorstandskollege Dietrich Rembold, bei dem die Steillagen etwa zehn Prozent der Rebfläche ausmachen. Warum er die Arbeit auf sich nimmt? „Aus Traditionsbewusstsein, weil mir an der Landschaft liegt. Ein Stück weit ist das wohl Hobby.“

Weinbau in Steillagen ist - bis auf die Hubschrauberspritzungen - fast ausschließlich Handarbeit. „Wenn man die Mauerinstandhaltung mitrechnet, komme ich pro Hektar auf 2000 bis 2500 Stunden Arbeit im Jahr“, sagt Gerd Schweiker von der Felsengartenkellerei Besigheim. Sonst sind es 400 bis 500 Stunden. „Wir müssten zwei bis drei Euro je Flasche mehr verdienen, aber die gibt der Markt nicht her.“

Noch mehr unter Druck geraten könnten die Weinbauern, das weiß auch Minister Hauk, wenn es ab 2015 oder 2018 tatsächlich ein Ende des Anbaustopps geben sollte. Dann dürften überall, wo Rebstöcke wachsen, auch Reben gepflanzt werden. Die Landesregierung kämpft in Brüssel darum, dass der Anbaustopp erhalten bleibt. Hauk wies darauf hin, dass es schon eine Reihe von Förderprogrammen für Steillagen gibt. Mit dem Weinbauverband ist er sich im Ziel einig, „den Grundzuschuss für die erschwerten Bedingungen deutlich zu erhöhen“. An der Mosel sei ein Drittel der ehemals 12 000 Hektar Steillagen inzwischen brach gefallen: „Das wollen wir bei uns nicht.“

Sensibilisierung

In seinem Maßnahmenkatalog fordert der Weinbauverband neben einer höheren Bewirtschaftungshilfe auch eine bessere Förderung bei der Neuanlage solcher Weinberge. Präsident Hohl brachte zudem die Überlegung ins Spiel, die terrassierten Steillagen als Weltkulturerbe auszuweisen - wie dies in Frankreich das Loire-Tal und die Region Saint-Emilion oder in Portugal das Douro-Tal sind. Für Minister Hauk „lohnt es sich, über diese Frage zu sprechen“ - schon weil damit eine Sensibilisierung der Menschen für das Thema Steillagen erreicht werden könne.

Hauk will die Vermarktungsstrategien für Steillagenweinbau „kontinuierlich weiterentwickeln“, gerade auch mit Blick auf den Tourismus. Und er setzt darauf, dass dort künftig verstärkt Premiumweine produziert werden.


Hintergrund: In Handarbeit


Im Land gibt es zwischen 1200 und 1300 Hektar terrassierte, durch Weinbergmauern unterteilte Steillagen, die in Handarbeit bewirtschaftet werden. Das entspricht etwa fünf Prozent der baden-württembergischen Gesamtrebfläche von 27 000 Hektar. Von Steillage spricht man schon ab einer Steigung von 30 Prozent, die terrassierten Weinberge bringen es auf Steigungen von 100 Prozent.

Quelle Heilbronner Stimme vom 16. Juli 2998 von Thomas Dorn www.stimme.de

Weitere Informationen:

Weinbauverband Württemberg
   
Wein in der Region Heilbronn-Franken
   
Werbegemeinschaft Württembergischer
Weingärtnergenossenschaften eG
   
TG HeilbronnerLand
   
TG Hohenlohe
   
TG Hohenlohe + Schwäbisch Hall
   
TG Liebliches Taubertal
   
Tourismus in Heilbronn-Franken
   
 
     

 

 
         
 
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