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Am Konjunkturhimmel in Baden-Württemberg wird es heller: Zum zweiten Mal in Folge steigen die Bestellungen für die im Südwesten besonders dominante Industrie - im Juni um sieben Prozent nach 3,6 Prozent im Mai. Auch Produktion und Umsatz zeigen wieder nach oben.
Zwar ist der Einbruch im Vergleich zum Vorjahr immer noch massiv, aber Experten wie Marcus Kappler vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim sprechen schon von einer ,,langsamen Erholung". ,,Ich will noch nicht das Ende der Rezession ausrufen", meint er, ,,aber es gibt Indizien für eine Bodenbildung". Das heißt das Abrutschen der Indikatoren Aufträge, Produktion und Umsatz ins Bodenlose ist gestoppt.
Etwas zurückhaltender, aber auch hoffnungsvoll äußert sich der Experte des Statistischen Landesamtes in Stuttgart, Jürgen Kotter: ,,Der steile Sturzflug ist deutlich abgebremst". Beim Landesverband der Industrie sieht man die ,,Talsohle erreicht". Insbesondere bei der Auto-Industrie seien die Läger nun geleert und die Produktion normalisiere sich, sagte Verbandschef Hans-Eberhard Koch, der in seinem eigenen Zulieferbetrieb auch mehr Nachfrage verspürt.
Die weichen Indikatoren wie die Stimmung bei Unternehmen, Haushalten und Finanzmarktexperten, die im Frühjahr schon aufwärts gezeigt hatten, werden nach Kapplers Angaben jetzt von den Fakten bestätigt: ,,Da verhärtet sich was in den Daten".
Verantwortlich für die dickeren Auftragsbücher war nach Angaben des Statistischen Landesamtes der Export. Kappler sieht vor allem positive Impulse aus den sogenannten BRIC-Staaten - Brasilien, Indien und China.
Die hoffnungsfrohen Prognosen machen beinahe vergessen, dass Baden-Württemberg in der ersten Jahreshälfte einen historisch einmaligen Einbruch aller Indikatoren erlebt hat: fast 40 Prozent weniger Aufträge, mehr als 30 Prozent weniger Umsatz, beinahe 30 Prozent weniger Produktion. Das ist ein weit massiverer Abrutsch als Anfang 1993 und 1974, als das Statistische Landesamt Auftragsrückgänge von jeweils 8 Prozent meldete - Werte, nach denen sich die Betriebe heute sehnen.
In einem Punkt zeigen sich die Experten pessimistisch: Der bislang noch relativ stabile Arbeitsmarkt werde bald von den harten Fakten eingeholt, meinen Kotter und Kappler. Die Zahl der Industriebeschäftigten im Südwesten sank im Vergleich zum Juni 2008 um 42000. Das entspricht einem Minus von 3,8 Prozent - angesichts der Krise ein noch moderater Wert.
,,Das wird noch deutlich nach unten gehen", befürchtet Kotter. Kappler verweist auf Bestrebungen der Banken, bei ihren Firmenkunden auf Personalkostensenkungen zu dringen. Auch die Lohnstückkosten machen den Unternehmen zu steigen: Sie steigen dadurch, dass die Belegschaften gehalten werden, ohne dass die entsprechenden Umsätze erwirtschaftet werden. Das bringe Deutschland Wettbewerbsnachteile im Vergleich zu USA, wo die Unternehmen - auch mangels staatlicher Maßnahmen wie Kurzarbeit - radikal Stellen abgebaut haben.
So lagen in der Metall- und Elektroindustrie die Lohnstückkosten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Durchschnitt um 29 Prozent über denen des Vorjahreszeitraums. Ein Sprecher des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall kommentiert: ,,Das zeigt, dass die Unternehmen alles tun, um die Beschäftigung zu sichern, allerdings können sie eine solche Kostenlast nur eine begrenzte Zeit tragen".
LVI-Chef Koch dagegen sieht auch am Arbeitsmarkt keine trüben Wolken aufziehen. Er ist überzeugt: ,,Die Firmen halten durch".
Quelle: dpa/lsw
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