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Der Untergruppenbacher Getriebebauer Getrag geht schon jetzt in die Offensive.
Auch die Bundesregierung hat im Wahlkampf dieses Zauberwort für sich entdeckt. Spätestens auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) wird auch die PS-Branche versuchen damit zu punkten. Der Untergruppenbacher Getriebebauer Getrag geht schon jetzt in die Offensive. „Wir glauben, dass wir eine große Chance haben“, sagt Bernd Eckl (Foto: Getrag), der in der Geschäftsführung für die Bereiche Produktion, Einkauf und Vertrieb zuständig ist.
Auf der Frankfurter Messe zeigt das Unternehmen einen Mini Cooper mit einem Hybrid-Antrieb unter der Motorhaube und einem separaten Elektroantrieb an der Hinterachse. „Das ist nicht nur Vision. Der fährt auch“, sagt Eckl.
In der Region sammelt das Unternehmen schon jetzt Erfahrungen mit einem selbst gebauten Elektro-Smart. Mit 100 Kilometern Reichweite und einer Spitzengeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern sei der Prototyp besser als der E-Smart von Mercedes. „Damit zeigen wir unsere Kompetenz im Bereich der E-Antriebe“, sagt Eckl, wenngleich das Unternehmen natürlich nicht selbst in die Autoproduktion einsteigen möchte.
Neue Partnerschaften
Im E-Zeitalter werden sich die klassischen Beziehungsgeflechte zwischen Herstellern und Zulieferern neu sortieren, und da wollen die Untergruppenbacher mitspielen. „Wer jetzt nicht dabei ist, wird auch nicht dabei sein, wenn es um Millionen-Stückzahlen geht.“ Den einen oder anderen Fördereuro aus Berlin nehmen die Untergruppenbacher dabei natürlich gerne mit.
Hybrid, also der parallele Einsatz von Verbrennungs- und Elektromotoren ist für Bernd Eckl nur eine Übergangstechnologie. „Unsere Getriebe sind später aber eins zu eins nutzbar.“ Die von Getrag favorisierten Doppelkupplungsgetriebe (DKG) sollen dabei eine Schlüsselstellung einnehmen – weil sei ohnehin schon elektronisch gesteuert sind. „Darin liegt die Spriteinsparung“, sagt Eckl. Und: „Wir sind ein Getriebebauer, beschäftigen aber haben 200 Softwareingenieure“, sagt der diplomierte Maschinenbauer. „Unsere Getriebe kommunizieren mit dem Motor und den Fahrerassistenzsystemen. Die sind nicht mehr nur der Wurmfortsatz des Motors, sondern ein zentrales Steuerungselement im Antriebsstrang.“
Trotz des Trends zum Downsizing ist ihm nicht bange um sein Geschäft, wenngleich die Getrag bekanntlich sehr schwierige Monate hinter sich hat. „Das Leistungsniveau bleibt gleich. Die Power, die so eine Maschine antreibt, muss über dieselbe Getriebetechnologie rüber.“ 100 000 Powershift-Getriebe will dass Unternehmen dieses Jahr bauen – für Kunden wie Ferrari, AMG oder BMW im Werk Neuenstein. Nächstes Jahr sollen es 430 000 Stück sein. „Wir stehen erst am Anfang.“
Die Zukunftsmusik spielt in der Getrag Innovations GmbH, in der unter anderem auch eigene Elektromotoren gebaut werden. „Da haben wir einige Patente“, sagt Eckl. Im E-Smart aus Untergruppenbach stecken einige Diplomarbeiten: Motor, Antrieb und auch der Wechselrichter sind Eigenkonstruktionen. Ein Zweiganggetriebe aus der eigenen Ideenschmiede hat der E-Smart auch. Noch füllen die Komponenten den Kofferraum des Smart. Künftig sollen die unter dem Fahrzeug verschwinden – die Arbeit geht weiter.
Geplatztes Gemeinschaftsunternehmen
2,54 Milliarden Euro hat die Getrag Corporate Group im vergangenen Jahr umgesetzt. Weltweit hat das Unternehmen rund 3,2 Millionen Getriebe und 1,3 Millionen Achsgetriebe hergestellt. Das vergangene Jahr war aber vor allem geprägt von den Schwierigkeiten durch das geplatzte Gemeinschaftsunternehmen mit dem amerikanischen Autobauer Chrysler. Auch in der Region sind mehrere hundert Stellen weggefallen. Weltweit beschäftigt die Getrag 13 450 Mitarbeiter. Neben der Zentrale in Untergruppenbach gibt es in Neuenstein ein Werk.
Trotz der wirtschaftlichen Probleme präsentiert sich das konzernunabhängige Unternehmen auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), die vom 17. bis 27. September in Frankfurt stattfindet.
Quelle Heilbronner Stimme vom 24. August 2009 von Manfred Stockburger www.stimme.de
Foto Ulrike Kugler
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