Wertschöpfung an einem Platz, mehr Verantwortung für die Mitarbeiter und ein Team, das den Produktionsprozess von A bis Z begleitet. Mit diesem Konzept arbeitet Binder daran, seine Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.
Aufträge fehlen, Umsätze brechen ein. Wie kann ein Unternehmen darauf reagieren? Möglichkeit eins: Man steckt den Kopf in den Sand. Möglichkeit zwei: Man nutzt die Zeit, um sich für die für die Zukunft zu rüsten. Die Binder-Gruppe aus Neckarsulm hat sich für letzteres entschieden. Mit einem neuen Produktionskonzept will sich der Steckverbinderhersteller bereit machen für den Aufschwung. „Denn es ist so, dass nicht die Großen die Kleinen fressen, sondern die Schnellen die Langsamen“, so Geschäftsführer Markus Binder.
Die Neckarsulmer Firma, deren Produkte vor allem auch in der Automobilindustrie zum Einsatz kommen, ist von der Rezession nicht verschont geblieben. 30 Prozent beträgt das Umsatzminus im ersten Halbjahr 2009. Trotz zuletzt leichter Erholung rechnet die Geschäftsführung mit 20 Prozent minus im Gesamtjahr. Einerseits mussten Leiharbeiter gehen und befristete Arbeitsverträge sind teils nicht verlängert worden. In Neckarsulm sind von 545 Mitarbeitern noch 527 übrig, weltweit von 1300 noch 1200. Andererseits stellt Binder auch die Produktion um. Erste Schritte zu einem neuen System hatte es schon 2006 gegeben, in der Krise wird das Konzept konsequent weiterverfolgt.
Schlank
Die Eckpunkte der neuen Strategie sind: kurze Produktionswege, Wertschöpfung an einem Platz, mehr Verantwortung für die Mitarbeiter. Man wolle die Produktion verschlanken, ohne jedoch Personal abzubauen, so Werkleiter Thomas Schulin: „Automatisierung lohnt sich nur bei großen Stückzahlen. Aber die haben wir nicht.“
Die Vergangenheit sah so aus: Separate Abteilungen, räumlich getrennt, arbeiten einzelne Produktionsschritte ab. Die Logistik karrt die Teile von Station zu Station, bis sie fertig sind. Die Zukunft sieht so aus: Die Standorte sind nach Produktionsfeldern unterteilt. Fertigungslinien für ein Erzeugnis befinden sich in einer Halle. Kleine Teams übernehmen den gesamten Produktionsprozess, vom Auspacken der Kleinteile bis zur Endkontrolle der fertigen Ware.
Einzelne große, teure Werkzeugmaschinen hat Binder ersetzt durch mehrere günstigere, kleinere, um die Flexibilität zu steigern. Da sie nun den gesamten Wertschöpfungsprozess begleiten, werden die Mitarbeiter regelmäßig geschult. In einem internen Meldesystem können sie zudem auf Missstände aufmerksam und Verbesserungsvorschläge machen. Ein dreiköpfiges Team wacht darüber, dass das neue Konzept umgesetzt wird. Der Erfolg ist schon jetzt messbar: Statt mehrerer Wochen beträgt die Produktdurchlaufzeit nur noch wenige Stunden.
Weiter Weg
Ob das alles tatsächlich dabei helfen kann, den Weg aus der Krise zu meistern, bleibt indes eine offene Frage. Die Verantwortlichen sind jedenfalls überzeugt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. „Wir arbeiten effizienter als vorher“, so Markus Binder, der aber auch einräumt: „Trotzdem haben wir noch einen weiten Weg vor uns.“
Die Firma Binder aus Neckarsulm produziert Steckverbinder, die zum Beispiel in der Automobilindustrie oder der Medizintechnik zum Einsatz kommen. Gegründet wurde das Unternehmen 1960 durch Franz Binder. Es gibt Standorte unter anderem in Frankreich, China und den USA. Der Konzernumsatz im vergangenen Jahr lag bei rund 120 Millionen Euro.
Quelle Heilbronner Stimme vom 15. September 2009 von Werner Tewes www.stimme.de
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