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Getriebebauer Getrag will 2010 zurück in die Gewinnzone

     
 
 

18.9.09

  Die Veränderungen auf den weltweiten Automobilmärkten sind „eine große Chance“ für das Unternehmen.

Der angeschlagene Getriebebauer Getrag rechnet für das laufende Jahr mit einem Umsatzminus von etwa 20 Prozent auf rund zwei Milliarden Euro. Das sagte Konzernchef  Dieter Schlenkermann (Foto) am Mittwoch auf der IAA in Frankfurt: „Die globale Krise ist auch an uns nicht spurlos vorübergegangen.“

Vergangenes Jahr war der Umsatz des Automobilzulieferers bereits von 2,6 auf  2,54 Milliarden Euro zurückgegangen. Als Reaktion auf den Umsatzrückgang und nach dem Platzen eines Gemeinschaftsprojekt mit dem US-Autobauer Chrysler hatte das Unternehmen wie berichtet knapp 350 Arbeitsplätze gestrichen, 130 davon in Untergruppenbach und 70 in Neuenstein.

Weitere Investitionen

Schlenkermann sieht aber ein Ende der Durststrecke: „Schon 2010 wollen wir wieder in der Gewinnzone sein“, kündigte er an. Die Veränderungen auf den weltweiten Automobilmärkten seien „eine große Chance“ für das Unternehmen, sagte er. Deswegen liefen die Investitionen in das neue Werk im Ausland weiter: In Mexiko wird bis November 2009 die Produktion eines Doppelkupplungsgetriebes der zweiten Generation für den nordamerikanischen Markt  anlaufen, so Schlenkermann. Dort sollen bis Jahresende 400 neue Arbeitsplätze entstehen.

In China baut das Unternehmen bis 2010 zwei neue Fertigungsstandorte. Dort rechnet der nach eigenen Angaben weltweit größte unabhängige Anbieter von Getrieben und Achsen für Pkw in den nächsten zwei bis drei Jahren mit einer Verdopplung des Umsatzes.

Getrag setzt auf das Elektroauto

Elektro-Auto. Auch die Bundesregierung hat im Wahlkampf dieses Zauberwort für sich entdeckt. Auf der Internationalen Automobilausstellung versucht jetzt auch die PS-Branche damit zu punkten. „Wir glauben, dass wir eine große Chance haben“, sagte  Bernd Eckl, der in der Geschäftsführung von Getrag für die Bereiche Produktion, Einkauf und Vertrieb zuständig ist.

Auf der Frankfurter Messe zeigt das Unternehmen einen Mini Cooper mit einem Hybrid-Antrieb unter der Motorhaube und einem separaten Elektroantrieb an der Hinterachse. „Das ist nicht nur Vision. Der fährt auch“, so Eckl.

In der Region sammelt das Unternehmen schon jetzt Erfahrungen mit einem selbst gebauten Elektro-Smart. Mit 100 Kilometern Reichweite und einer Spitzengeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern sei der Prototyp besser als der E-Smart von Mercedes. „Damit zeigen wir unsere Kompetenz im Bereich der E-Antriebe“, sagte Eckl, wenngleich das Unternehmen natürlich nicht selbst in die Autoproduktion einsteigen möchte.

Neue Partnerschaften

Im E-Zeitalter werden sich die klassischen Beziehungsgeflechte zwischen Herstellern und Zulieferern neu sortieren, und da wollen die Untergruppenbacher mitspielen. „Wer jetzt nicht dabei ist, wird auch nicht dabei sein, wenn es um Millionen-Stückzahlen geht.“ Den einen oder anderen Fördereuro aus Berlin nehmen die Untergruppenbacher dabei natürlich gerne mit.

Hybrid, also der parallele Einsatz von Verbrennungs- und Elektromotoren ist für Bernd Eckl nur eine Übergangstechnologie. „Unsere Getriebe sind später aber eins zu eins nutzbar.“ Die von Getrag favorisierten Doppelkupplungsgetriebe (DKG) sollen dabei eine Schlüsselstellung einnehmen – weil sei ohnehin schon elektronisch gesteuert sind. „Darin liegt die Spriteinsparung“, so Eckl. Und: „Wir sind ein Getriebebauer, beschäftigen aber haben 200 Softwareingenieure“, sagte der diplomierte Maschinenbauer. „Unsere Getriebe kommunizieren mit dem Motor und den Fahrerassistenzsystemen. Die sind nicht mehr nur der Wurmfortsatz des Motors, sondern ein zentrales Steuerungselement im Antriebsstrang.“

Trotz des Trends zum Downsizing ist ihm nicht bange um sein Geschäft, wenngleich die Getrag bekanntlich sehr schwierige Monate hinter sich hat. „Das Leistungsniveau bleibt gleich. Die Power, die so eine Maschine antreibt, muss über dieselbe Getriebetechnologie rüber.“ 100.000 Powershift-Getriebe will dass Unternehmen dieses Jahr bauen – für Kunden wie Ferrari, AMG oder BMW im Werk Neuenstein. Nächstes Jahr sollen es 430.000 Stück sein. „Wir stehen erst am Anfang.“

Die Zukunftsmusik spielt in der Getrag Innovations GmbH, in der unter anderem auch eigene Elektromotoren gebaut werden. „Da haben wir einige Patente“, sagte Eckl. Im E-Smart aus Untergruppenbach stecken einige Diplomarbeiten: Motor, Antrieb und auch der Wechselrichter sind Eigenkonstruktionen. Ein Zweiganggetriebe aus der eigenen Ideenschmiede hat der E-Smart auch. Noch füllen die Komponenten den Kofferraum des Smart. Künftig sollen die unter dem Fahrzeug verschwinden – die Arbeit geht weiter.

Geplatztes Gemeinschaftsunternehmen

2,54 Milliarden Euro hat die Getrag Corporate Group im vergangenen Jahr umgesetzt. Weltweit hat das Unternehmen rund 3,2 Millionen Getriebe und 1,3 Millionen Achsgetriebe hergestellt. Das vergangene Jahr war aber vor allem geprägt von den Schwierigkeiten durch das geplatzte Gemeinschaftsunternehmen mit dem amerikanischen Autobauer Chrysler. Auch in der Region sind mehrere hundert Stellen weggefallen. Weltweit beschäftigt die Getrag 13.450 Mitarbeiter. Neben der Zentrale in Untergruppenbach gibt es in Neuenstein ein Werk.

Quelle Heilbronner Stimme vom 17. September 2009 von Manfred Stockburger www.stimme.de

Foto Dirks Heilbronner Stimme

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