Der Arbeitsmarkt der Region ist relativ stabil geblieben. Die ersten Branchen spüren sogar leichten Aufwind.
Ist es Magie? Allen Unkenrufen zum Trotz ist der Arbeitsmarkt in der Region relativ stabil geblieben. Dramatische Einbrüche? Gab es keine. Echte Katastrophen? Sind laut Insidern nicht in Sicht. Die ersten Branchen spüren sogar leichten Aufwind. Zwar hat die Wirtschaftskrise dazu geführt, dass die Zahl der Arbeitslosen im Agenturbezirk Heilbronn im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gestiegen ist. Aber dass die Erwerbslosenquote im Oktober bei lediglich 5,7 Prozent liegen würde, damit hätte vor Monaten kaum jemand gerechnet.
Gemeinsamer Kraftakt
Experten sehen den Grund für die Entwicklung darin, dass Unternehmen, Gewerkschaften und Politik in einem gemeinsamen Kraftakt das Schlimmste verhindert hätten. "Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist nach wie vor sehr angespannt, aber wir blicken sehr viel zuversichtlicher in die Zukunft als noch vor einem halben Jahr", sagt die stellvertretende Leiterin der Heilbronner Agentur für Arbeit, Marlene Dietz.
Dass die schlimmsten Krisenszenarien nicht eingetreten sind, liegt an mehreren Einzelfaktoren. Einer davon: Kurzarbeit. Die Angst davor, wichtige Fachkräfte zu verlieren, hat dazu geführt, dass bislang nur wenige Firmen in größerem Umfang Personal abgebaut haben. Insgesamt 12 800 Beschäftigte sind laut Arbeitsagentur in Stadt und Landkreis seit Sommer in Kurzarbeit. Zum Vergleich: Die Zahl der Arbeitslosen liegt aktuell bei 13 690. Nach Schätzungen der IG Metall Heilbronn-Neckarsulm sichert das Instrument in ihrem Bereich 3000 Arbeitsplätze. Doch auch Standortsicherungsverträge sorgen dafür, dass sich der Anstieg der Arbeitslosenquote in Grenzen hält. 20 000 von 45 000 Beschäftigten sind allein in der Metall- und Elektroindustrie durch entsprechende Vereinbarungen vor Entlassungen geschützt.
Frühling im Herbst?
Schließlich stocken die ersten Unternehmen ihre Belegschaften wieder auf. Vor allem Frühzykliker wie Zeitarbeitsfirmen suchen Leute. Franz Wach aus Crailsheim hat in der Region im letzten halben Jahr 250 neue Mitarbeiter eingestellt, Konkurrent Bera seit Juli 230. Laut Bera-Chef Bernd Rath liegt der Aufschwung daran, dass der Auftragseingang bei den Firmen wieder steigt. Die Schwankungen der vergangenen Monate hätten in den Unternehmen aber zu einer vorsichtigen Personalpolitik geführt. Feste Arbeitsverträge würden derzeit deshalb kaum vergeben.
Ungewisse Zukunft
Überhaupt: Ob der Arbeitsmarkt wirklich aus dem Gröbsten heraus ist, bleibt ungewiss. In einigen Betrieben läuft die Beschäftigungssicherung aus. Die Neckarsulmer Kolbenschmidt-Pierburg AG hat angekündigt, mehr als 500 Stellen zu streichen. Beim Heilbronner Steckverbinderhersteller Amphenol-Tuchel steht jeder achte der rund 400 Arbeitsplätze auf der Kippe. Laut IG Metall sind insgesamt fast 1000 Stellen in ihrem Bereich "akut bedroht".
Folgerichtig rechnet die Arbeitsagentur für 2010 mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Wie dieser verhindert werden kann, gibt der Neckarsulmer IG-Metall-Chef Rudolf Luz vor: Man müsse weiter auf Kurzarbeit zurückgreifen, um Entlassungen zu verhindern. Denn: "Die Krise kann nur bewältigt werden, wenn wir solidarische Lösungen finden."
Zahlen und Fakten
Wie angespannt die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist, zeigt ein Blick auf den aktuellen Arbeitsmarktreport: Im Oktober dieses Jahres waren 13 690 Menschen im Agenturbezirk Heilbronn arbeitslos gemeldet. Das sind zwar 599 weniger als im Vormonat, aber 3921 mehr als im Oktober 2008. Mit anderen Worten: Die Arbeitslosenzahl in Stadt- und Landkreis Heilbronn ist innerhalb von nur zwölf Monaten um 40 Prozent gestiegen.
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