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Bislang umfangreichste Untersuchung der volkswirtschaftlichen Bedeutung von
Familienunternehmen
„Familienunternehmen sind Jobmotor und wachsen dynamisch auch in rezessiven Zeiten“,
so Prof. Dr. Dr. h.c. Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen,
und verweist auf ein wesentliches Ergebnis der Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung
von Familienunternehmen, die heute in Stuttgart vorgestellt wurde. Demnach haben allein
die 5o0 größten Familienunternehmen zwischen 2006 und 2008 ihre Beschäftigtenzahl jährlich
durchschnittlich um 2,2% erhöht, während nicht-familiengeführte DAX-Unternehmen
im gleichen Zeitraum die Anzahl ihrer Arbeitsplätze im Schnitt um 2,6 % vermindert haben.
Abb.1: Vergleich der Entwicklung der Beschäftigung der TOP 500 Familienunternehmen
und der DAX-26-Unternehmen zwischen 2006 und 2008

© Stiftung Familienunternehmen
Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat in Kooperation mit dem
Institut für Mittelstandsforschung (ifm) in Mannheim die volkswirtschaftliche Bedeutung
von Familienunternehmen analysiert. Die Studie gliedert sich in zwei Teile. Zum einen
werden Strukturdaten aller Familienunternehmen nach Umsatz und Beschäftigung erfasst
sowie ihre Verteilung auf die verschiedenen Branchen, Rechtsformen und Bundesländer.
In einem zweiten Analyseteil untersucht die Studie die Bedeutung der 500 größten Familienunternehmen
und stellt ihre Performance einer anderen Spitzenklasse, den DAXUnternehmen,
gegenüber.
I. Verbesserte Datenbasis ermöglicht erstmals differenzierte Auswertung
Im Gegensatz zu bisherigen Studien basieren die aktuellen Ergebnisse nicht auf Hochrechnungen
von Stichproben, sondern auf dem gesamten deutschen Unternehmensbestand.
Diese Ausweitung erforderte auch die Entwicklung neuer Verfahren zur Identifikation
von Familienunternehmen, die sich für die Anwendung auf eine hohe Zahl
der Unternehmen eignen. Insgesamt flossen in die Studie die Angaben von 2,9 Mio.
deutschen Unternehmen ein
. „Wir differenzieren nach unterschiedlichen Definitionen
von Familienunternehmen und ermöglichen damit robuste Aussagen über den aktuellen
Unternehmensstand in Deutschland“, so Dr. Georg Licht, Leiter des Forschungsbereichs
Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung am ZEW in Mannheim, der
die Studie federführend geleitet hat.
Die häufigste Unternehmensform steht für die Hälfte des Gesamtumsatzes und der
Gesamtbeschäftigung in Deutschland
Die Studie spricht von einem „familienkontrollierten Unternehmen“, wenn maximal drei
natürliche Personen mindestens 50% der Unternehmensanteile halten. Nach dieser Definition
sind 93% aller Unternehmen mit Sitz in Deutschland Familienunternehmen. In den
meisten dieser Unternehmen sind die Eigentümer des Unternehmens auch an der Unternehmensleitung
beteiligt: 91% aller Unternehmen erfüllen die strengere Definition von
Familienunternehmen, die zusätzlich zur Anteilsmehrheit die Ausübung von Leitungsfunktionen
durch die Familienmitglieder fordert:
Diese bezeichnet die Studie als „eigentümergeführte
Familienunternehmen“. Familienkontrollierte Unternehmen stellen einen Anteil
von 54% an der Gesamtbeschäftigung (eigentümergeführte 50 %) und einen Anteil von
49 % (im Vergleich zu eigentümergeführten: 40 %) am Gesamtumsatz in Deutschland.
„Damit sind die unterschiedlichen Typen der Familienunternehmen erstmals hinsichtlich
ihrer Bedeutung zahlenmäßig unterlegt worden“, so Hennerkes.
Abb.2: Die Bedeutung der Familienunternehmen

© Stiftung Familienunternehmen
Die Erfassung der Gesamtheit aller Familienunternehmen zeigt auch, dass diese besonders
häufig im Handel (27%) sowie in unternehmensnahen Dienstleistungen (23%)
und dem Bausektor (15%) vertreten sind. Auch regionale Unterschiede werden deutlich:
In Flächenländern wie Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern ist der
Anteil der Familienunternehmen deutlich höher als in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg
oder Bremen; unter den Flächenländern stich einzig Hessen mit einem vergleichsweise
geringen Anteil an Familienunternehmen, nämlich mit immerhin noch 88% aller Unternehmen,
hervor.
II. TOP 500 bauen Beschäftigte auf und wachsen kontinuierlich
In einem weiteren Schritt stellt die Studie die Entwicklung der 500 größten Familienunternehmen
der weiteren Königsklasse, den 26 größten, im Dax notierten Nicht-Familienunternehmen ( ohne die DAX-Unternehmen in Familienhand Beiersdorf, Metro, Henkel und Merck),
gegenüber. „Vor allem das Beschäftigungswachstum der Familienunternehmen
wies im Vergleich zu den börsennotierten Nicht-Familienunternehmen im
Beobachtungszeitraum zwischen 2006 und 2008 eine deutlich höhere Dynamik auf“, so
die Autoren.
Während die 500 größten Familienunternehmen ihre inländischen Belegschaften
von 2,1 Mio. Beschäftigten auf 2,2 Mio. aufgebaut haben, wurden in den DAX-
26-Unternehmen Arbeitsplätze abgebaut, nämlich von 1,5 Mio. auf 1,4 Mio.
* ohne die DAX-Unternehmen in Familienhand Beiersdorf, Metro, Henkel und Merck
Während die TOP 500 in jedem Jahr mindestens 3% an Beschäftigten zulegten – im
Boom-Jahr 2007 sogar fast 6%, bauten die DAX-26-Unternehmen im Jahr 2006 weltweit
Arbeitsplätze ab und im Anschluss nur gering wieder auf. Zwischen 2005 und 2008 schufen
die 500 größten Familienunternehmen 500.000 neue Arbeitsplätze weltweit, bei den
DAX-26-Unternehmen waren es lediglich knapp 70.000 – ausschließlich im Ausland. „Die
Summe dieser Ergebnisse widerlegt damit eindeutig die weit verbreitete Annahme, dass
die Wirtschaft primär an der Börse gehandelt wird“, kommentiert Hennerkes.
Krisenresistenz
„Gerade international tätige Familienunternehmen nutzen die Chancen der Globalisierung
und tragen damit gleichzeitig zum Aufbau von Arbeitsplätzen im Inland bei“, ergänzt
Hartmut Jenner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Alfred Kärcher GmbH & Co.
KG in Winnenden, Weltmarktführer für Reinigungstechnik. Sicherlich sei die rechtzeitige
und weltweite Besetzung von Marktnischen durch deutsche Familienunternehmen eine
Quelle des Erfolgs; eine weitere sieht Jenner in der im Vergleich besseren Eigenkapitalquote,
die in den Boomjahren stark aufgestockt wurde.
In der Struktur der Familienunternehmen sieht Jenner überdies einen stabilisierenden
Faktor auf dem Arbeitsmarkt, um den uns die ganze Welt beneide: „Für Familienunternehmen
gilt es, eine strategische Linie zu halten. Wir planen mit geduldigem Kapital,
das heißt, wir verzichten auf kurzfristige Wachstumsschübe. Wir wachsen organisch - und
nicht von Quartalsberichten und Wirtschaftsprognosen getrieben in Sprüngen.“ Hieraus
ergebe sich die Chance, im Falle einer Krise frühe Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Dass die großen Familienunternehmen krisenresistenter sind als Nicht-Familienunternehmen
beweist die Umsatzentwicklung: Hier schneiden die TOP 500 Familienunternehmen
im Vergleich zu den DAX 26-Unternehmen besser ab. „Zwar liegen – in absoluter Betrachtung
– die konzernweiten Umsätze der 500 umsatzstärksten Familienunternehmen
für 2006 und 2007 leicht unter denen der DAX-Unternehmen“, konstatiert Licht. „Allerdings
fällt der Umsatzeinbruch im ersten ‚Krisenjahr‘ 2008 deutlich geringer aus als bei
den DAX-Unternehmen.“
Das Ranking der TOP 500: Fortführung und Aktualisierung unterstreicht
Dynamik der Familienunternehmen
Bereits im Jahr 2007 hatte die Stiftung Familienunternehmen eine Studie in Auftrag
gegeben, die erstmals die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen
sowie die 500 umsatz- und beschäftigungsstärksten Familienunternehmen erfasst hatte.
Die jetzige Aktualisierung spiegelt u.a. auch die Veränderungen in der Zusammensetzung
der TOP 500 wider, die sich durch Unternehmensschließungen, Übernahmen und sonstige
Wachstums- und Schrumpfungsprozesse ergeben.
Abb.3: Entwicklung der konzernweiten Umsätze der TOP 500 Familienunternehmen
und der Dax-26-Unternehmen zwischen 2005 und 2008

© Stiftung Familienunternehmen
Dass Familienunternehmen auch in rezessiven Zeiten weiter wachsen, sei ein weiterer
Hinweis auf ihre Funktion als Leistungsträger in der Wirtschaft, so Hennerkes, der abschließend
kommentiert: „Die weltweite Wirtschaftkrise trifft – wenngleich nach Branchen
unterschiedlich – alle Unternehmen. Leider standen jedoch vorwiegend die DAXUnternehmen,
die Banken und die Automobilindustrie im Mittelpunkt des Interesses der
Politik.
So wurde der Begriff ‚systemrelevant‘ in vielfacher Weise strapaziert und stand
all zu oft für den Wunsch nach staatlicher Unterstützung. Insgesamt gesehen sind die
Familienunternehmen nicht weniger ‚systemrelevant‘– wie die Ergebnisse der heutigen
Studie aufzeigen. Als dem vorherrschenden Unternehmenstyp in Deutschland und als der
tragenden Säule für Wachstum und Beschäftigung muss den Familienunternehmen daher
eine ihrem ökonomischen Stellenwert entsprechende Aufmerksamkeit in der Wirtschaftspolitik
zukommen.“
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