Überraschend gut hat sich der Arbeitsmarkt im Hohenlohekreis zum Jahresende entwickelt: Die Zahl der Erwerbslosen ist gegen den Trend gesunken - und zwar gleich um 5,2 Prozent oder 148 Personen auf nunmehr 2701 Männer und Frauen. Das sind so wenige wie zuletzt Ende März 2009. Die Quote lag bei 4,5 Prozent.
Zum Jubeln ist aber trotz dieser Entwicklung kaum jemandem zumute. "Wir müssen uns darauf gefasst machen, dass die Zahlen im neuen Jahr nach oben gehen", sagt Guido Rebstock, Leiter der Schwäbisch Haller Agentur für Arbeit. Darauf deuteten bereits die ersten Daten für Januar hin, berichtet er. "Die Krise ist noch nicht vorbei", warnt Rebstock daher. Es gebe deutlich weniger neu gemeldete offene Stellen als im Vorjahr - "das deutet darauf hin, dass wir in den nächsten Monaten Probleme kriegen." Noch federe die Kurzarbeit das Schlimmste ab, und Massenentlassungen seien der Behörde derzeit auch nicht gemeldet.
Mit dieser Einschätzung stehen die Verantwortlichen in der Arbeitsagentur nicht alleine da. "Ich denke nicht, dass der Rückgang ein Zeichen für Entwarnung in den Betrieben ist", sagt André Kaufmann, Sekretär bei der Schwäbisch Haller IG Metall, die auch den Hohenlohekreis betreut. Eher befürchtet der Gewerkschafter in den kommenden Monaten Arbeitsplatzabbau - aus drei Gründen: Zum einen lernten von Februar an die Auszubildenden aus - ihre Übernahme sei aber oft fraglich. Außerdem liefen die befristeten Verträge der Vorjahres-Auszubildenden nach deren Übernahme aus. Und schließlich drohten nach wie vor Insolvenzen, vor allem in den Unternehmen, die viel für die Autoindustrie tätig sind. "Wir werden natürlich als Gewerkschaft versuchen, das Schlimmste zu verhindern", kündigt Kaufmann an. Etwa über die Ausweitung der Altersteilzeit oder Arbeitszeitverkürzungen. Hoffnungen auf eine generelle Trendwende hat er jedoch nicht.
Ebenso wenig schaut Michael Weiß, Sekretär beim Verdi-Bezirk Heilbronn-Neckar-Franken, optimistisch in die Zukunft. Nicht nur hingen viele Dienstleister an der schwächelnden Autoindustrie - "die öffentlichen Gelder sind nun auch verbraucht". Sprich: Die Mittel aus den Konjunkturprogrammen sind weg, nun müssen die Kommunen die fehlenden Einnahmen alleine verkraften. "Viele werden jetzt kürzen und sparen", ahnt Weiß. "Insgesamt glaube ich nicht, dass es noch einen Einbruch gibt, aber was jetzt als Aufschwung hochgelobt wird, wird wohl nur verhalten sein."
Zeitarbeit
Bei all diesen negativen Prognosen herrscht aber auch Zuversicht - in der Zeitarbeitsbranche. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2009 haben die Unternehmen wieder zugelegt. "Und wir rechnen damit, dass es im neuen Jahr noch ein Stück aufwärts geht", sagt Ralf Eisenbeiß, Sprecher der Crailsheimer Franz Wach GmbH. "Wir haben Signale von einigen Kunden, dass sie massiv Zeitarbeit aufbauen wollen." Rückblickend sei das Unternehmen, eines der größten in der Region, mit 2009 durchaus zufrieden - "und wir erwarten für das neue Jahr weiteres Wachstum. Da verhält sich unsere Branche ein bisschen anders als der Gesamtmarkt". Auf Festeinstellungen werde eben zurzeit oft verzichtet.
Quelle Heilbronner Stimme vom 7. Januar 2010 von Heiko Fritze
Foto ebmpapst Mulfingen
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