Anfang 2010 soll in Indien ein Umweltschutzgesetz in Kraft treten, das sich stark an der deutschen TA Luft orientiert und entsprechende Emissionsvorgaben macht. Schon jetzt informieren sich indische Aluminium-Gießereien und andere Verarbeiter über deutsche Umwelttechnik. Der baden-württembergische Ofenbauer ZPF therm, der sich auf Alu-Schmelzöfen spezialisiert hat, die die TA Luft ohne jegliche Filter erfüllen, erlebt eine besonders starke Nachfrage: Zwei Öfen wurden kürzlich in Indien installiert, die Mitbewerber der Kunden fragen nach Gesprächsterminen.
Verkäufe lassen sich in der indischen Industriekultur nur schwer über Marketing erzeugen, viel wichtiger ist die Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Branche hält zusammen. Umso entscheidender sind für ZPF therm die jetzt installierten Öfen in Ludhiana und Delhi-Gurgaon, die bereits das Interesse der Branche weckten, wie Holger Schwarz, Asienexperte des Ofenbauers berichtet: „Wir wurden inzwischen schon vom indischen Alucast-Verband, bei dem wir auch Mitglied sind, gebeten, diese Umweltschutztechnik vorzustellen.“ Durch eine besondere Abgasführung werden Schadstoffe noch im Ofen verbrannt, die bei anderen Konstruktionen direkt in den Schornstein aufsteigen. Dadurch werden keine nachträglichen Filter benötigt, um die geforderten Emissionswerte einzuhalten, die laufenden Kosten für ein Filtersystem von bis zu 100.000 Euro pro Jahr entfallen – für die indischen Unternehmen ein schlagendes Argument.
Steinzeit der Industrie: Offene Öfen und Schweröl
Kosteneffizienz hat sich in diesem Markt zu einem wichtigen Faktor entwickelt. Viele Betriebe auf dem Subkontinent arbeiten noch mit archaischen Geräten, oft wird wegen der offenen Öfen beim Schmelzen ein Abbrand von 10 Prozent und mehr in Kauf genommen. Bei einem Aluminiumpreis von um die 2.000 US-Dollar und einer durchschnittlichen Schmelzmenge von 50 Tonnen pro Tag summiert sich der Verlust auf 10.000 Dollar täglich. Weil sie damit einen deutlichen Wettbewerbsnachteil haben, achten die Verarbeiter beim Kauf neuer Anlagen inzwischen vermehrt auf Leistung, Energieverbrauch und Rohstoffausbeute. Die Sparsamkeit und der geringe Materialverlust von 0,5 bis 0,8 Prozent machten die Öfen von ZPF therm deshalb noch vor der Umweltschutzdebatte interessant.
Problematisch für die baden-württembergischen Ofenbauer war allerdings das in Indien vielfach verwendete Furnace Oil. Dieses Schweröl wird in den verbreiteten Öfen ungefiltert eingesetzt, die deutschen Brennensysteme setzen sich damit aber schnell zu. Deshalb musste vor die Brenner eine Zentrifuge eingebaut werden zum Abtrennen der Schwebstoffe im Öl und ein Vorheizer, der das Furnace Oil auf 140°C erhitzt, damit auch schnell die benötigte heiße Flamme erzeugt werden kann. Sie ist eine der Voraussetzungen für die Abgasarmut der Öfen, die künftig in den indischen Betrieben streng kontrolliert werden soll. Wer die Grenzwerte übersteigt, dem droht die Schließung.
Für Anfang Dezember ist Schwarz zum Aluminium Extruder’s Council nach Mumbai geladen, um dort über die Chancen und Bedingungen der Gesetzesänderung und die Möglichkeiten deutscher Ofentechnik zu sprechen. Rund 100 bis 150 Teilnehmer des Alucast-Verbands werden erwartet. Von Krise ist in Indien wenig zu spüren, das Wachstum fiel zeitweise von zwölf auf sechs Prozent, steht inzwischen aber wieder bei acht Prozent. Grund dafür ist die inländische Orientierung der Branche. Es wird wenig exportiert und die eigene Wirtschaft ist stabil. Der Autoabsatz steigt sogar. Auch deshalb ist das erwachende Umweltbewusstsein und Engagement Indiens ein wichtiger Schritt und öffnet deutschen Unternehmen – den Vorreitern der Umweltschutztechnik – einen neuen Markt.
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