In der Bioenergie Modellregion Hohenlohe-Odenwald-Tauber (HOT) entsteht die erste Biogasanlage.
Auf den Tag genau 24 Jahre nachdem die ersten Nachrichtenmeldungen über das Reaktorunglück in Tschernobyl um die Welt gingen, beschreitet Schöntal neue Wege in der Energieversorgung: Oberhalb von Bieringen entsteht die erste Biogasanlage der Bioenergie Modellregion Hohenlohe-Odenwald-Tauber (HOT).
Der Tag scheint eher für Windkraft geeignet zu sein; auf der Höhe weht es heftig, als rund 70 Gäste auf den ersten Spatenstich warten. 4,5 Millionen Euro wird die Anlage kosten. „Wir sind nicht die ersten und werden nicht die letzten sein“, sagt Stefan Kaufmann von der Abfallwirtschaft Neckar-Odenwald (AWN).
Wärmeleitung
Mehr als 4000 Biogasanlagen gebe es in Deutschland. Jene in Bieringen werde sich aber in einem wichtigen Punkt von einem Großteil der bereits bestehenden Anlagen unterscheiden: Sie wird nicht nur Strom, sondern auch Wärme liefern. Letztere kommt dann über eine 1,3 Kilometer lange Leitung dem Bieringer Werk der Firma Ziehl-Abegg zugute. Auf dem zwei Hektar großen Gelände erstellt die AWN-Tochter Biogaspark Neckar-Odenwald GmbH innerhalb von neun Monaten Silo, Gärbehälter, Gärlager und Blockheizkraftwerk.
In der ersten Ausbaustufe ist eine Kapazität von 12.000 Tonnen Mais, Gras und Ganzpflanzensilage pro Jahr vorgesehen. Daraus werden ab Ende Oktober 6,5 Millionen Kilowatt Strom und 3500 Megawattstunden Wärme gewonnen. 4,5 Millionen Euro wird die Bauherrin dafür aufbringen. Dr. Achim Brötel, Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, ist von der Kombination Biogas mit Kraft-Wärme-Kopplung überzeugt: „Nach allen Untersuchungen, die ich kenne, gibt es momentan keine effizientere und klimafreundlichere Art der Energieerzeugung.“
Etwa zwei Jahre später soll die zweite Ausbaustufe den Stromertrag auf zehn Millionen Kilowattstunden steigern. Damit wäre, so Brötel, die Gemeinde Schöntal rein rechnerisch Energie-autark: 2200 Vier-Personenhaushalte ließen sich so versorgen. Der Landrat hatte noch ein Zahlenspiel parat: Weil die Firma Ziehl-Abegg künftig Wärme aus Biogas bezieht, kann sie rund 400.000 Liter Heizöl pro Jahr sparen und bläst damit weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre: etwa 1100 Tonnen pro Jahr. Brötel: „Jeder Einwohner von Schöntal erspart der Umwelt damit rechnerisch eine Tonne CO2 pro Jahr.“
Quelle: Heilbronner Stimme vom 27. April 2010 von Matthias Stolla
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