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Brunnen expandiert in Nordeuropa
     
 
 

4.5.10

 

Carl Gustaf und Silvia haben einen neuen Hoflieferanten aus Heilbronn. Die schwedische Schneider-Tochter stellt auch den Königin-Silvia-Kalender her.

Helsinki statt Heilbronn. Das ist für viele Führungskräfte der Schneider-Gruppe derzeit Alltag. Das Unternehmen, das zu Hause vor allem über seine Marke Brunnen bekannt ist, hat die finnische Ajasto-Gruppe übernommen, die mit Tochtergesellschaften in Norwegen, Schweden, Estland und Lettland zu den größten Kalenderfirmen in Nordeuropa zählt.

"Wir freuen uns sehr über den Zuwachs in der Firmengruppe", sagt Geschäftsführer Jan Schneider. "Wir haben in den kaufkraftstarken nordischen Ländern ein erfahrenes und gut eingespieltes Vertriebsteam mit starken nationalen Marken hinzugewonnen", ergänzt sein Geschäftsführerkollege Matthias Schneider. Der schwedische Verlag Almanacksförlaget ist zum Beispiel königlicher Hoflieferant und bringt einen Königin-Silvia-Kalender heraus. Auch in Norwegen und Finnland selbst gibt es eigenständige Marken, die im Lauf der vergangenen Jahre zur Ajasto-Gruppe zusammengeführt worden sind.

Position gefestigt

Zuletzt hatte die Unternehmensgruppe, die vor fünf Jahren von Finanzinvestoren aufgekauft worden war, wirtschaftliche Schwierigkeiten. Im Rahmen eines insolvenzähnlichen Restrukturierungsverfahrens hat die Schneider-Gruppe die wesentlichen Bereiche des Unternehmens übernommen. Rund 70 Mitarbeiter, die meisten davon im Vertrieb, arbeiten jetzt für die Heilbronner. "Wir festigen damit unsere Position unter den größten drei Kalenderherstellern in Europa", erklärt Matthias Schneider.

Die Geschäftsführer sind zuversichtlich, dass sie das Ajasto-Umsatzvolumen von zuletzt etwa 23 Millionen Euro halten können. Die ersten Anzeichen sind gut. "Wir haben schon in den ersten Tagen Aufträge über mehrere Millionen Euro erhalten", sagt Schneider. Mit diesem zusätzlichen Volumen wird zugleich die Produktion am Standort Deutschland gestärkt, in der seit dem vergangenen Sommer kurzgearbeitet wurde. Eine von Ajasto aufgebaute Produktionsstätte in Osteuropa haben die Heilbronner nämlich nicht mitgekauft. Die Herausforderung ist jetzt, die neuen Volumina in die Produktion an den deutschen Standorten in Heilbronn, Bielefeld und Teichröda in Thüringen unterzubringen. Statt Kurzarbeit gibt es bei Baier Schneider demnächst Sonntagsschichten.

Jan Schneider sieht in der eigenen Produktion eine wichtigen Vorteil, da die meisten Wettbewerber keine eigenen Fabriken mehr hätten, sondern ihre Ware in Fernost produzieren ließen. "Im Industriegeschäft muss man flexibel und nah am Kunden sein", ist sein Erfolgsrezept.

Für Matthias Schneider liegt die Herausforderung in der Organisation und Koordination des internationaler gewordenen Vertriebs. Künftig wird es zum Beispiel regelmäßige Abstimmungsrunden mit den Chefs der Landesgesellschaften geben, obgleich sich aufgrund der Geografie die Verkaufswege nur bedingt vergleichen lassen. Zugleich geht es nun darum, die neuen Vertriebschancen für die Sortimente der Marken Brunnen, Heyda (Bastelartikel), und Stewo (Geschenkverpackungen) auszunutzen.

Strategie

Mit der Ajasto-Übernahme kommt das Heilbronner Traditionsunternehmen seinem strategischen Ziel der Internationalisierung einen Schritt näher, sagen die Geschäftsführer. Nach dem Kauf der Stewo in der Schweiz und eines Kalendervertriebs in den Niederlanden ist Ajasto das dritte große Internationalisierungsprojekt, das die Schneider-Gruppe innerhalb von eineinhalb Jahren angepackt hat. Ein Bonus ist die Nähe nach St. Petersburg, durch die der russische Markt besser erreichbar wird. "Das kann in den nächsten fünf bis zehn Jahren sehr interessant werden."

Traditionsunternehmen

Mit etwa 1000 Mitarbeitern, 560 davon in Heilbronn, hat die 1877 als Baier & Schneider gegründete Firmengruppe im vergangenen Jahr einen Umsatz von 120 Millionen Euro erwirtschaftet. Nach der Übernahme der Ajasto-Gruppe verfügt das Unternehmen über zehn Standorte. Produziert wird nach der Schließung einer Fabrik in Lahr noch in drei Werken in Deutschland und an einem Standort in der Schweiz. Im laufenden Jahr soll der Umsatz auf 140 Millionen Euro gesteigert werden.

Quelle: Heilbronner Stimme vom 4. Mai 2010 von Manfred Stockburger

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