Die Niedernhaller Leiterplattensparte ist das Kernstück der Würth-Elektronik-Gruppe. Inzwischen ist die Unternehmensgruppe mit den unterschiedlichen Sparten weltweit mit Fertigungsstätten vertreten.
Sie haben die Brutalität der Wirtschaftskrise mit am direktesten zu spüren bekommen und im vergangenen Frühjahr das Werk in Pforzheim geschlossen. Und doch blicken die beiden Würth-Elektronik-Geschäftsführer Jürgen Klohe und Jörg Murawski vergleichsweise entspannt ins vergangene Jahr zurück. Denn insgesamt hat sich der Würth-Teilkonzern mit Sitz in Niedernhall gut geschlagen.
Um lediglich 50 Millionen Euro, das sind etwa zwölf Prozent, ist der Umsatz auf 374 Millionen Euro zurückgegangen. Dabei steht ein Großauftrag für die Solarsparte, der bereits im vergangenen Jahr für Auslastung sorgte, erst 2010 in den Büchern. "Wenn man das einrechnet, dann hatten wir im vergangenen Jahr kaum einen Rückgang", sagt Klohe. Nach den ersten vier Monaten ist er zuversichtlich, dass die Elektronik-Gruppe dieses Jahr erstmals eine halbe Milliarde Euro Umsatz zur Konzernbilanz der Würth-Gruppe beitragen wird. Aktuell laufen die Geschäfte jedenfalls bestens.
Marktanteile gewonnen
"Der Markt hat sich in den letzten Monaten vom Einkäufer- zum Verkäufermarkt gewandelt ", sagt Jürgen Klohe. Für manche Elektronikbauteile werden weltweit derzeit Mondpreise bezahlt, weil sie in vielen Produktionsketten der Engpassfaktor schlechthin sind. Wer liefern kann, ist König. "Wir haben kräftig Marktanteile hinzugewonnen", sagt Klohe stolz: Weil Würth Elektronik seine Kapazitäten nur moderat reduziert hat, sind die Hohenloher jetzt besser dran als viele Wettbewerber. Unklar ist nur, wie lange der aktuelle Nachfrageschub anhält. "Zurzeit sind überall Nachholeffekte dabei."
Größter Bereich der Würth-Elektronik-Gruppe ist die Eisos-Sparte mit Hauptsitz in Waldenburg. 4500 der insgesamt 5900 Beschäftigten gehören ihr an. Eisos verfügt über eine starke globale Präsenz und baut in China im Würth-Industriepark Shenyang derzeit eine dritte Fabrik auf. Noch aggressiver als bisher will der Spezialist für Bauteile und Elektromechanik den Markt bearbeiten.
Elektronische Baugruppen für Nutzfahrzeuge und Landmaschinenhersteller sind das Aufgabengebiet der ICS-Sparte mit Sitz in Öhringen und Pfedelbach und rund 150 Mitarbeitern. Der geplante Neubau im Gewerbegebiet Waldzimmern ist wegen der Krise zwar gestoppt, nicht aber die Weiterentwicklung des Bereichs. Unter anderem haben die Hohenloher in den USA eine Firma zugekauft, um den Eintritt in den dortigen Nutzfahrzeugmarkt zu schaffen. Zu ICS gehört außerdem eine neue Abteilung in Pforzheim, wo die Leiterplattenfabrik im vergangenen Jahr wegen der Krise geschlossen wurde. Etwa 35 Beschäftigte arbeiten dort an einer neuen Technologie, von der sich die beiden Geschäftsführer für die Zukunft eine Menge versprechen.
1000 Mitarbeiter
Die in Niedernhall beheimatete Leiterplattensparte beschäftigt an ihren Standorten derzeit rund 1000 Mitarbeiter. "Wir sind bei den Leiterplatten nach wie vor die Nummer eins in Europa", sagt Murawski. Über Innovationen und immer komplexere Systemlösungen will er den Vorsprung halten. Die Herausforderung liege in der Miniaturisierung.
Zu den drei Fabriken in Europa ist jetzt auch eine in Indien hinzugekommen. "Wir sehen in diesem Bereich großes Potenzial", sagt Jürgen Klohe. "Deswegen gehen wir frohen Mutes in die Zukunft." Aktuell sei die Auslastung sehr gut. Das will etwas heißen, schließlich wurde kurz vor Beginn der Krise ein Neubau in Niedernhall auf den Weg gebracht.
Würth Solar
Würth Solar hat einen neuen Geschäftsbereich Solarkraftwerke gegründet. „Wir haben in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche große Freiflächenanlagen realisiert und viel Expertise aufgebaut“, sagt Geschäftsführer Karl-Heinz Groß. „Jetzt bieten in einem eigenen Geschäftsbereich schlüsselfertige Solarkraftwerke aus einer Hand an.“ Dabei werden nicht mehr ausschließlich Module aus der eigenen Solarfabrik in Schwäbisch Hall verwendet. „Wir sind Händler“, sagte Reinhold Würth unlängst in diesem Zusammenhang. Jörg Murawski und Jürgen Klohe betonen, dass die Betriebsgröße der Schwäbisch Haller Solarfabrik ideal sei. Immerhin har das Unternehmen mit den dort hergestellten Cis-Zellen unlängst mit 20,1 Prozent Wirkungsgrad einen Weltrekord aufgestellt.
Die Aktivitäten des neuen Geschäftsbereichs konzentrieren sich bisher auf Deutschland, Spanien, Griechenland und Italien. Das Team Solarkraftwerke von Würth Solar hat seinen Sitz in Spanien. Der Aufbau weiterer Stützpunkte in Europa ist in der Umsetzung. Referenzprojekt für den neuen Geschäftsbereich ist ein Zehn-Megawatt-Sonnenstrom im südspanischen Almeria. Dort haben die Solarexperten aus Schwäbisch Hall in nur drei Monaten eine Freiflächen-Solarstromanlage mit 55 074 Modulen schlüsselfertig aufgebaut und in Betrieb genommen. Würth Solar übernimmt auch die Betriebsführung und Wartung der Anlage.
Quelle: Heilbronner Stimme vom 10. Mai 2010 on Manfred Stockburger
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