Herzlichen Glückwunsch Christo - während noch darüber gerätselt werden darf, wie die Geschenke zum 75. Geburtstag des Verpackungskünstlers am 13. Juni eingewickelt sein werden, schenkt die Kunsthalle Würth dem Bulgaren eine Werkschau.
Mit 94 Werken besitzt die Sammlung Würth eines der größten Konvolute von Christo-Werken weltweit.
Anlässlich des 75. Geburtstages des Ausnahmekünstlers soll eine kleine Werkschau in der Kunsthalle
Würth sein Schaffen würdigen. Die Ausstellung wird von einem spannenden Rahmenprogramm begleitet,
dessen Höhepunkt eine Lecture mit dem in New York lebenden Künstler sein wird.
Der aus Bulgarien stammende Christo (Javacheff) ließ sich 1958 in Paris nieder, wo er seit 1960 im
Umfeld der Pariser Nouveaux Réalistes, einer europäischen Antwort auf die Amerikanische Pop Art,
arbeitete und seine spätere Frau Jeanne-Claude (1935-2009) traf, mit der er fortan künstlerisch
kooperierte. Seit 1964 agierten Christo und Jeanne Claude in und von Amerika aus.
Schon in Paris hatte
Christo mit der Verhüllung erster Objekte wie Dosen, Flaschen oder Zeitungsstapel begonnen. Nun sollte
das Verhüllen immer größerer Gegenstände, Gebäude und Areale zu seinem zentralen künstlerischen
Anliegen werden. Internationales Aufsehen erregte – nach rund dreijähriger Vorbereitungszeit – 1976 der
von dem Künstlerpaar konzipierte 40 Kilometer lange Nylon-Zaun (Running Fence-Projekt) quer durch
Kalifornien. Die Kosten solch aufwändiger und vergleichsweise kurzlebiger Kunstobjekte brachten Christo
und Jeanne-Claude in der Regel selbst auf. Die von Christo geschaffenen Collagen und Zeichnungen zu
den jeweiligen Projekten bilden eine wichtige Basis hierzu. Sie bleiben auch nach Beendigung der
Aktionen begehrte Sammlerobjekte.
Im Mai 1983 verhüllten die beiden elf Kleinstinseln vor der amerikanischen Küste bei Miami mit rosa
irisierenden Plastikhüllen, um die vom Zivilisationsmüll verdreckten Inseln für 14 Tage in „Seerosen“ zu
verwandeln.
Seit 1972 befasste sich das Künstlerpaar mit dem „Wrapped Reichstag“ in Berlin. Nach
ebenso hartnäckiger wie intensiver öffentlicher Überzeugungsarbeit erhielten die Künstler im Februar 1994
schließlich grünes Licht aus Bonn. Der 1995 in Berlin verhüllte Reichstag wurde mit fünf Millionen
Besuchern zu einem der weltweit meistbesuchten zeitgenössischen Kunstwerke und zu einer Ikone der
jüngeren deutschen Geschichte. Auch das 1995, unmittelbar vor der Verhüllung des Berliner Reichstages
realisierte Projekt „Wrapped Floors and Stairways and Covered Windows.
Museum Würth, Künzelsau
Germany“ lebt in der Erinnerung vieler Menschen fort. Die „zweite Haut“ für das Innere des Museums
sowie angrenzender Verwaltungsbereiche ließ wie ein Schleier nur noch die Konturen der Innenarchitektur
durchscheinen, ohne dabei die Benutzung des poetisierten Gebäudes, in dem rund 500 Menschen
arbeiteten, einzuschränken.
Während die Projekte der Künstler temporärer Natur sind, haben die „Verhüllten Objekte“, die
Zeichnungen und Collagen Bestand. In der Kunsthalle Würth sind sie in einer Auswahl zu sehen.
Christo und Jeanne-Claude
.Sammlung Würth
Kunsthalle Würth Schwäbisch Hall
13. Mai bis 19. September 2010
Dienstag bis Sonntag 11–18 Uhr
Eintritt frei
Foto: © Christo und Jeanne-Claude | Wolfgang Volz | Laif
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