Trübe LED-Funzeln, das war gestern. Nicht nur in stylischen Autoscheinwerfern gehört die Zukunft den Licht emittierenden Dioden: Wenn es nach Gunther Hähnle und Mustafa Dinc vom Halbleiterhersteller Vishay in Heilbronn geht, dann werden künftig auch Straßen mit LED-Lampen beleuchtet. Gegenüber herkömmlichen Glühbirnen versprechen die Entwickler eine Energieeinsparung von 80 Prozent, im Vergleich zu Natriumhochdrucklampen noch 65 Prozent.
Auch bei der Lebensdauer sähen die in Heilbronn entwickelten Lampen besser aus als die technologische Konkurrenz. „Durch die eingesparte Energie finanzieren sich die Lampen wie von selbst“, schwärmt Dinc. „Wir sind sicher, dass die LED nach dem ziemlich überflüssigen Pausenfüller Energiesparlampe die Glühbirne ablösen wird.“
Die Fara-LED, wie die neuartige Leuchte heißt, ist ein Kind der Autokrise. Als vergangenes Jahr die Nachfrage nach Elektronikbauteilen aus der Autoindustrie einbrach, mussten sich die Entwickler nach neuen Märkten umtun. Früher waren LEDs vor allem als Kontrolllämpchen eingesetzt worden, da dabei keine große Leuchtkraft benötigt wird. In den vergangenen Jahren haben die Entwickler mit Leuchten für Kunden wie Jaguar oder Bentley just bei diesem Punkt große Fortschritte gemacht – jetzt sind die Leuchtdioden auch hell genug für Straßenlaternen.
Im Auto erprobt
Weil die Einsatzbedingungen im Auto zu den härtesten überhaupt zählen, fühlen sich die Heilbronner Entwickler auch den Ansprüchen der Straßenbeleuchtung gewachsen. Durch die Konstruktionsweise mit integrierter Kühlung hält Hähnle einer Lebensdauer von 50 000 Stunden für „sehr realistisch“. Trotz der anspruchsvollen Technik – unter anderem sind die Leuchten mit Dimmern und einem Überspannungsschutz ausgestattet – sei der Preis „auf gleichem Niveau wie herkömmliche Markenleuchten“, sagt Dinc. Auch die Heilbronner Handwerkskammer hat unlängst über die Vorteile der LED-Technik informiert.
In Selb, wo die Vishay-Europazentrale sitzt, sind erste Test-Leuchten im Einsatz, unter anderem in der Geheimrat-Rosenthal-Straße. „Wir haben nichts Nachteiliges festgestellt“, sagt Heinz Schneider vom Baubetriebshof der Stadt in Oberfranken. Weitere Straßen sollen umgerüstet werden.
Die Stadt Heilbronn ist aber noch zurückhaltend, was den Einsatz der LED-Lampen angeht. Hartmut Sugg, der Chef des städtischen Amtes für Straßenwesen, ist zwar überzeugt, dass die LED-Technik „das System der Zukunft“ ist. Es werde aber noch zwei oder drei Jahre dauern, bis die neue Technik reif sei. „Die traditionellen Hersteller sind da noch sehr zurückhaltend“, sagt Sugg, der bei der Straßenbeleuchtung eng mit dem Energiversorger Zeag zusammenarbeitet. Im Herbst wird die Stadt dennoch testweise erstmals LED-Leuchten einsetzen – in der Felsenstraße in Klingenberg. „Wir verschlafen die neue Technik nicht.“ Dabei werden allerdings nicht die in Heilbronn entwickelten Lampen Verwendung finden. „Den Leuchtentyp, den wir dort einsetzen, gibt es jetzt auch mit LED-Bestückung.“
Parkplätze
Nicht im öffentlichen Raum, aber auf dem Mitarbeiterparkplatz der Solarfirma Kaco New Energy in Neckarsulm, sind Fara-LED-Lampen im Einsatz. Geschäftsführer Ralf Hofmann will die Leuchten vertreiben. Vom Einsatz auf privaten Flächen versprechen sich Verkaufsdirektor Mustafa Dinc und sein Ingenieur Hähnle ebenfalls Wachstumsmöglichkeiten. Schließlich sind die Energiekosten für Filialisten wie Lidl ein wichtiges Thema. Wird das Produkt zum durchschlagenden Erfolg, sagt Mustafa Dinc, dann werde das größere Investitionen am Vishay-Standort Heilbronn nach sich ziehen. Verarbeitet werden neben Vishay-Technologie auch Bauelemente des Nachbarn Atmel.
Technik aus dem Telefunkenpark
Leuchtdioden waren für das Heilbronner Telefunken-Werk schon früh ein wichtiges Standbein. Neben den roten und gelben Lämpchen spielten dabei vor allem die Infrarot-Dioden eine wichtige Rolle, wie sich Werner Schairer erinnert, der zwischen 1974 und 2001 für die LED-Entwicklung mit zuständig war. Diese werden unter anderem für TV-Fernbedienungen eingesetzt. Etwa ein Drittel des Umsatzes wurde mit Optoelektronik erwirtschaftet – und dank der günstigen Montagefabrik in Manila auch gute Gewinne. Weiße LEDs, wie sie heute eingesetzt werden, wurden erst 1993 in Japan entwickelt. „Das hatte jeder für unmöglich gehalten“, sagt Schairer. Seit Daimler 1998 Telefunken verkauft hat, gehören die LED-Entwickler zu Vishay. mfd
Quelle: Heilbronner Stimme vom 27. Mai 2010
Quelle Foto: Vishay
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