Der Automobilhersteller Audi plant, den Standort Neckarsulm sukzessive zum Kompetenzzentrum für Elekroantrieb auszubauen. Den Anfang macht der E-Tron, ein Sportwagen auf Basis des R8.
Nach Informationen der Heilbronner Stimme läuft er ab 2012 bei der Audi-Tochter Quattro GmbH in Neckarsulm vom Band. Zunächst ist eine Kleinserie mit zehn Autos für Erprobungszwecke geplant, im Anschluss daran sollen die ersten Kundenfahrzeuge ausgeliefert werden.
"Wir bauen erst einmal zehn Fahrzeuge, dann 100 und im nächsten Schritt vielleicht sogar 1000", hatte Audi-Chef Rupert Stadler bereits im Herbst letzten Jahres angekündigt. Die Kosten für das erste Elektroauto der Marke dürften bei mehr als 200.000 Euro liegen.
Deutlich günstiger wird hingegen der Elektro-A2. Wie die Heilbronner Stimme bereits im März berichtet hatte, feiert der im Jahr 2005 eingestellte Kompaktwagen ein Comeback. Audi dementiert zwar noch, aber der Beschluss für die Produktion in Neckarsulm soll bereits gefallen sein. Dort suchen die Planer bereits nach einer geeigneten Fläche für die Produktionslinie.
Spätestens 2014, so der Wille des Vorstands, rollen die ersten A2-Modelle von den Bändern − vom Start weg gleich als Elektroversion. Spätestens dann wird der Standort Neckarsulm ein Kompetenzzentrum für Elektroantrieb erhalten. Bereits zum Jahreswechsel startet der Hybrid-A8, in dem ein Benzinmotor mit einem Elektroaggregat kombiniert wird.
Hintergrund: Elektro-Autos bei Rallye im Bergtest
Oldtimer-Rallyes sind im Sommer in den Alpen fast an der Tagesordnung. Nun gibt es mit der Silvretta E-Auto (8.-10. Juli) erstmals eine Rallye für moderne Elektrofahrzeuge, die der Automobilindustrie als Praxistest in den Bergen dienen soll. Wie die Stuttgarter Motor Presse als Veranstalter am Donnerstag in Bregenz berichtete, starten die Fahrzeuge im Rahmen der bekannten Oldtimer-Rallye Silvretta Classic im österreichischen Vorarlberg und nehmen 159 Kilometer unter die Räder.
Vor allem die deutsche Automobilindustrie nimmt die Rallye als Test ernst. So haben sich Audi, BMW, Daimler und VW mit ihren aktuellen Fahrzeugen angesagt - und die Entwicklungsvorstände Michael Dick (Audi), Thomas Weber (Daimler) und Ulrich Hackenberg (VW) wollen selbst hinter dem Steuer sitzen.
Erstmals im deutschsprachigen Raum wird dabei der Supersportwagen Mercedes-Benz SLS AMG in seiner Elektroversion gezeigt. Aber auch ausländische Autobauer wie Citroen, Honda, Toyota oder Mitsubishi sind mit von der Partie. Insgesamt starten nach derzeitigem Stand 26 E-Automobile. Lsw
Erste Fahreindrücke mit der bärenstarken Elektrostudie E-Tron
http://www.stimme.de/heilbronn/wirtschaft/art2088,1862000
So vertraut die Karosserie des E-Tron aufgrund der Verwandtschaft mit dem Audi R8 auch sein mag, so ungewohnt ist es, wenn man im fast klinisch rein wirkenden Innenraum den Startknopf betätigt. Nichts. Kein lautes Grummeln, kein heißeres Fauchen. Kein Wunder – wo sonst im R8 ein Acht- oder Zehnzylinder aus dem Heck brüllt, treiben vier Elektromotoren die Studie an. „Bis Ende 2012 bringen wir den E-Tron in einer Kleinserie auf den Markt“, sagt Audis Entwicklungsvorstand Michael Dick. Als eine der ersten Zeitungen weltweit durfte die Heilbronner Stimme schon mal Platz nehmen hinter dem Lenkrad des Elektrosportwagens.
Aha-Effekt
An das fehlende Motorgeräusch muss man sich erst einmal gewöhnen. Doch sobald der rechte Fuß kräftig aufs Gas-, pardon Strompedal drückt, stellt sich der erste Aha-Effekt ein. Zusammen 313 PS aus den vier Elektromotoren machen die rote Flunder richtig flott. Mit 4500 Newtonmetern fräsen sich die vier Räder förmlich in den Asphalt auf Kaliforniens Highway Number One, den Audi für die erste Ausfahrt gewählt hat.
Wer das Potenzial des E-Tron aus dem Stand heraus voll nutzt, wird kräftig in den Sitz gepresst: Der 4,26 Meter lange Zweisitzer schiebt vehement an, nach 4,8 Sekunden liegt Tempo 100 an. „Das Drehmoment ist immer gleich – egal ob sie 30, 70 oder 140 km/h schnell sind“, erklärt Projektleiter Thomas Kräuter. Um die Reichweite auf vorerst maximal 248 Kilometer zu bringen, hat Audi die Höchstgeschwindigkeit auf 200 km/h begrenzt.
Steckdose oder Starkstromanschluss
Aufgeladen wird der E-Tron an der Steckdose. Rund sechs bis acht Stunden dauert es, bis die 470 Kilogramm Lithium-Ionen-Batterie vor der Hinterachse aufgeladen ist. Wer über einen Starkstromanschluss zu Hause verfügt, kann schon nach gut zweieinhalb Stunden wieder starten. Um das meiste aus dem Akku zu holen, nutzt der Autobauer die sogenannte Rekuperation und gewinnt zum Beispiel beim Bremsen Energie zurück.
Weniger Gewicht, bessere Reichweite
Bis 2012 die ersten Serienautos fertig sind, haben die Entwickler noch einiges zu tun. So muss das Gewicht der rund zwei Tonnen schweren Studie noch deutlich sinken. „Höchstens 1,6 Tonnen sind unser Ziel“, sagt Thomas Kräuter. „Und die Reichweite muss besser werden.“ Was der E-tron einmal kosten wird, steht noch in den Sternen. Bei einer Stückzahl von zunächst zehn, dann 100 und im dritten Jahr maximal 1000 Autos dürfte Audi am E-Tron nichts verdienen. „Darum geht es uns bei diesem Projekt auch nicht“, betont Projektleiter Kräuter. „Wir sammeln hier erste Erfahrungen mit dem Elektroantrieb. Von diesem Wissensgewinn werden künftige Modellreihen profitieren.“
Foto Audi AG
Quelle: Heilbonner Stimme vom 10. Juni 2010 von Alexander Schnell
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