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Wachstum in neuen Märkten
     
 
 

10.6.10

 

Kolbenschmidt gießt Kopfteil für Polo-Dieselmotor. Nur 99 Gramm CO2 bläst der Kleine pro Kilometer aus dem Auspuff.

Nur 99 Gramm CO2 bläst der kleine Polo-Diesel pro Kilometer aus dem Auspuff, sein sparsamerer Bruder Blue Motion sogar nur 87 Gramm − und zwar bei 75 PS. Der Zylinderkopf für den Dreizylinder, der in diesen Tagen den Vierzylinder als Standardmotor im Polo und seinen Konzernschwestern von Seat und Skoda abgelöst hat, kommt aus Neckarsulm.

Wie kein anderes Produkt steht er für die Neuausrichtung von Kolbenschmidt: Bisher haben die Neckarsulmer nur Kolben und Motorblöcke vor allem für große Limousinen gegossen. Mit dem filigranen Kopf, dessen Hohlräume mit drei Sandkernen ausgespart werden, betritt das Unternehmen technisches Neuland. Und weil der Zylinderkopf nicht an einem Billiglohnstandort, sondern im Unterland gegossen wird, hilft er mit bei der Sicherung des Kolbenschmidt-Hauptwerks. Hier ist nicht nur das Werkstück, sondern auch der Kipp-Guss ("Weizenbierprinzip") entwickelt worden, mit dem das anspruchsvolle Teil in Großserie produziert wird.

Das Segment der kleineren Motoren, die noch aufgeladen werden, um die notwendige Leistung zu bringen, ist für Geschäftsführer Horst Binnig ein wichtiger Wachstumsmarkt, der auch künftig helfen kann, das Werk Neckarsulm auszulasten. Das dürfte den bisherigen Produkten alleine nämlich schwierig bleiben. "Downsizing bedeutet extrem hohe Herausforderungen an einen Motor und an seine Herstellung", sagt er. Mit dem Knowhow in allen Bereichen des Aluminium-Gusses sieht er den Standort gut im Rennen um Aufträge. Auch für Lkw-Hersteller werden Bauteile aus dem leichteren Aluminium immer interessanter. So gießen die Neckarsulmer inzwischen Getriebegehäuse, die in große Trucks eingebaut werden.

Zusammenführung

Auch große Strukturteile für Lastwagen-Fahrwerke haben die Neckarsulmer im Angebot. Hierbei kommt dem Unternehmen zugute, dass der Vertrieb von Kolben und Motorteilen zusammengelegt worden ist: Die Kolbensparte hat auch bei Lastwagenbauern einen guten Namen, während die Aluminium-Technologie-Sparte bisher nur mit Pkw-Herstellern Geschäfte gemacht hatte. "Durch die Zusammenführung hat es Synergieeffekte gegeben, mit denen ich gar nicht gerechnet hatte."

Der Umbauprozess, durch den unter anderem die KS Kolbenschmidt GmbH und die KS Aluminium-Technologie GmbH zusammen geführt werden, ist aber noch nicht abgeschlossen. Reibungsverluste gab es auch in dem Unternehmen, das sich der Tribologie verschrieben hat, wie die Fachleute die Reibungslehre nennen. 550 Stellen sind weggefallen. "Unser PDLG-Modell war sehr elegant", sagt Binnig: 370 Betroffene waren zum Jahreswechsel in die konzerneigene Personaldienstleistungs-Firma gewechselt. Von ihnen sind 60 bei anderen Firmen untergekommen, 150 arbeiten − jedenfalls temporär − wieder an ihren alten Arbeitsplätzen. Stabilisiert sich die Nachfrage, sollen daraus wieder feste Stellen werden.

Quelle: Heilbronner Stimme vom 10. Juni 2010 von Manfred Stockburger

Foto Kolbenschmidt

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