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Unterländer Architektur blüht auf
     
 
 

21.7.10

 

Insgesamt 14 Auszeichnungen für Heilbronn im Rahmen des Wettbewerbs „Beispielhafte Bauten“.

Als Winfried Engels von der Heilbronner Bahnhofstraße her ins Experimenta-Parkhaus einbiegt, ist er hellauf begeistert. Der Landesvorstand der Architektenkammer Baden-Württemberg kann sich an dem Zweckbau gar nicht satt sehen. Schließlich spricht er sogar von einem "wegweisenden Gebäude zu einem Typus, der früher eher durch dunkle Löcher und Angsträume" gekennzeichnet war. Hier sei das Gegenteil der Fall. Alles ist hell, klar, freundlich und darüber hinaus noch städtebaulich wohl situiert.

"So kann man sich sehen lassen. So empfängt man Gäste", meint der Reutlinger, der dieser Tage als Leiter der Jury im Rahmen des Wettbewerbs "Beispielhafte Bauten" in Heilbronn und seinem Umland 39 Gebäude in Augenschein nahm. Insgesamt 121 hatten teilgenommen, 25 wurden prämiert.

Gartenschau-Impuls

Allen voran freut sich Baubürgermeister Wilfried Hajek über 14 Auszeichnungen für Heilbronn. Er und andere Beobachter nahmen dies zum Anlass für eine Standortbestimmung, die über die Stadt hinaus Fragen zu zeitgemäßer Architektur antippte.

"Heilbronn war früher ja nicht gerade für gestalterische Highlights bekannt", weiß Kammerchef Engels. Eine Wende markiert für ihn die Landesgartenschau 1985, in deren Vorfeld er als Baubürgermeister von Reutlingen öfter in der Neckarstadt weilte − und deren Entwicklung er fortan mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Mit der damaligen Schau unter Baubürgermeister Ulrich Bauer sei die Käthchenstadt aus dem architektonischen Schatten getreten. Ulrich Frey hat die Stadt dann in den 90ern auf die klassische Moderne eingeschworen.

Im Vorfeld der Bundesgartenschau 2019 und der damit einher gehenden Wiederentdeckung des Neckars wird das Oberzentrum endlich auch in Fachkreisen überregional wahrgenommen.

Paradebeispiel hierfür ist die Experimenta − mit reizvollem Umfeld, also Inselspitze, Biergarten, Parkhaus und neuen Stegen. Für Bürgermeister Hajek ist das Gesamtprojekt in vielerlei Hinsicht beispielgebend: für die Verbindung von Natur und Stadt, von Alt und Neu, von Freizeit, Arbeit und Bildung, für die Umwidmung von Brachen und Gewerbeflächen, kurzum: für die Renaissance der Innenstadt.

Szenenwechsel: Wie man öffentliche Räume vom Straßenverkehr befreien und den Bürgern zurückgeben kann, zeigt laut Kammersprecherin Carmen Mundorff der Eppinger Marktplatz. "Er respektiert die historischen Nachbarschaft, ist nicht überdekoriert und lässt Freiraum für vielfältige Nutzungen, vom Wochenmarkt bis zum Open-Air-Konzert." Und dies mitten in der City mit entsprechender Infrastruktur. Dagegen bedauert Hajek, dass die Umbaupläne am Kiliansplatz "im Pulverdampf des Vorwahlkampfes geopfert" worden seien "und nun vorerst kein Geld mehr da ist".

Dafür steht gleich um die Ecke an der Kaiserstraße 24 mit der Stimme-Dependance ein Gebäude "von hoher Qualität bis ins hinterste kleine Detail", sagt Engels. "Doch wer sich um 180 Grad dreht, stößt auf den Hintern der Stadt", weiß Ex-Kammerchef Karl Adolf Herzog. Die Aufwertung der heruntergekommen und oft von Autos zugeparkten Hinterhöfe sei überfällig.

Nicht so recht angekommen zu sein scheint die viel zitierte Gestaltungsoffensive auch in Neubaugebieten. Nur ein vorbildliches Gebäude, das Kruck'sche an der Achtungstraße, würdigt die Jury im Geschosswohnungsbau. Immerhin waren 27 Einfamilienhäuser eingereicht worden. Am Ende haben aber nur drei die Jury überzeugt. "Manche waren schon schön und gut, sie hatten große Grundstücke, gute Formen, wertvolle Materialien", meint Engels. "Sie waren aber eben nicht beispielgebend und nachhaltig". Gerade bei Wohnungen sieht er in altengerechten Lösungen eine der großen Zukunftsaufgaben.

Nachhaltig

Ganzheitliche Lösungen, die sowohl ökologische, soziale, ja sogar psychologische Aspekte miteinbeziehen, waren im Bereich der Gewerbegebiete zu entdecken. Im Bestand ist dies KS am Stammsitz mitten im alten Neckarsulmer Industriegebiet gelungen. Für Bosch in Abstatt mussten zwar Felder geopfert werden, doch Engels verteidigt dies. "Wer in einem Entwicklungszentrum arbeitet, braucht ein angemessenes Ambiente."

Was Förderprogramme in Kombination mit einer sensiblen öffentlichen Hand bewirken können, zeigten eine ganze Reihe von Schulen: sei es mit Anbauten für Fachräume, sei es für neue Mensen, die im Zuge des Ausbaus der Ganztagesbetreuung landauf landab entstehen.

Quelle Heilbronner Stimme vom 20. Juli 2010 von Kilian Krauth www.stimme.de

 

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