Seit einigen Wochen leitet Dr. Patrick Dufour die Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn (WFG). Besonderen Wert will er auf die Ansiedlung von neuen Gewerbebetrieben legen. Reto Bosch und Manfred Stockburger haben mit Dufour über seine Vorstellungen gesprochen.
Herr Dufour, Sie arbeiten jetzt seit ein paar Wochen in Heilbronn. Wie ist ihr erster Eindruck von der Region?
Patrick Dufour: Meine erste Zeit hier ist davon bestimmt, dass ich mir vieles anschaue. Gewerbegebiete zum Beispiel. Außerdem bin ich dabei, die Gesellschafter der WFG, also die Kommunen, zu besuchen. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen. Und was die wirtschaftliche Seite angeht: Bei den meisten Unternehmen, die ich kennengelernt habe, geht es aufwärts. Mein Eindruck ist, dass diese sehr solide geführt werden.
Sie waren stellvertretender Leiter der Wirtschaftsförderung in Bochum. Warum haben Sie sich für Heilbronn beworben?
Dufour: Zunächst wusste ich ja gar nicht, dass es um die WFG Heilbronn geht. Aus familiären Gründen wäre für uns nur ein Wechsel nach Süddeutschland in Frage gekommen. Positiv für mich ist, dass der Branchenbesatz im Raum Heilbronn ähnlich ist wie in Bochum. Der Reiz in meiner neuen Aufgabe: Heilbronn ist keine Region, wo man regelmäßig gegen Werksschließungen kämpfen muss. Hier macht Wirtschaftsförderung sicher mehr Spaß.
Die Gesellschafter-Struktur der WFG wird geprägt einerseits von der Stadt Heilbronn und andererseits vom Landkreis und den Kreis-Kommunen. Die Interessen passen häufig nicht zusammen. Wie wollen Sie damit umgehen?
Dufour: Die Frage ist, ob die Interessen wirklich nicht zusammenpassen. Grundsätzlich gibt es auch in Großstädten oder Regionen wie dem Ruhrgebiet ähnliche Konfliktpotenziale.
Für Ihren Vorgänger war diese Situation immerhin ein Mitgrund, den Job zu wechseln.
Dufour: Das kann und will ich nicht bewerten. Klar ist: Wir haben eine aufstrebende und selbstbewusste Stadt Heilbronn und einen aufstrebenden und selbstbewussten Landkreis. Natürlich kommt es immer wieder zu Interessenskonflikten. Die WFG hat die Aufgabe, diese in Bezug auf Wirtschaftsförderungsfragen zu moderieren. Entscheidend für mich ist aber, dass Ansiedlungen im Stadt- oder Landkreis und nicht außerhalb stattfinden. Wichtig ist, dass wir alle Kommunen auf demselben Informationsstand halten und zum Beispiel bei Gewerbeanfragen keine Gemeinde oder Stadt bevorzugen.
Sie haben sich einen ersten Überblick über das WFG-Team verschafft. Planen Sie Struktur-Veränderungen?
Dufour: Wir schauen uns ganz genau an, welche Aufgaben wir in der Vergangenheit übernommen haben. Was wir aber verstärken wollen, ist das Signal nach außen. Wir wollen verstärkt für die Gewerbegebiete im Bereich der WFG werben und die Zahl der Anfragen deutlich erhöhen.
Ihr Vorgänger hatte viel Wert auf die Dialoge gesetzt und diese vorangebracht. Setzen Sie stärker auf das Thema Ansiedlung?
Dufour: Diese beiden Themen schließen sich nicht aus. Aus meiner Sicht ist der wichtigste Auftrag der WFG, Ansiedlungsmanagement zu betreiben. Aber natürlich gehört es auch zu unseren Aufgaben, die bestehenden Unternehmen zu unterstützen, ins Gespräch miteinander zu bringen. Dafür dienen die Dialoge. Wir müssen schauen, ob derzeit die richtigen angeboten werden. Die Region Heilbronn ist stark geprägt von exportorientiertem Gewerbe wie Automotive und Maschinenbau. Vielleicht finden wir noch Geschäftsfelder, die ein gewisses Gegengewicht bilden können.
Das war ja auch der Ansatzpunkt, als die WFG während der Autokrise gegründet wurde. Man wollte weg von der Monostruktur. Könnten neue Energien ein künftiges Schwerpunktthema sein?
Dufour: Vielleicht. Ich will mich jetzt noch nicht festlegen, weil ich die Region noch nicht gut genug kenne. Denkbar wären auch unternehmensnahe Dienstleistungen oder der IT-Bereich.
Die Wirtschaftsförderung Heilbronn-Franken (WHF) und die WFG machen ähnliche Angebote. Wie ordnen sie ihre Gesellschaft ein?
Dufour: Die WHF soll für die gesamte Region Heilbronn-Franken trommeln. Das tut sie professionell, trotz knapper Personalressourcen. Die Ansprache einzelner Unternehmen im Sinne der Bestandspflege liegt bei den Landkreisen, für den Stadt- und Landkreis Heilbronn also bei der WFG sowie natürlich bei den einzelnen Kommunen. Wir müssen schauen, ob es Bereiche gibt, wo wir enger zusammenarbeiten können. Man darf aber nicht vergessen: Wir sind in einem politischen Feld unterwegs, wo die Gesellschafter das letzte Wort haben.
Zur Person: Patrick Dufour
Der 38-jährige Diplom-Geograf hat die Nachfolge von Markus Wegerhoff angetreten. Dr. Patrick Dufour studierte Geographie mit den Schwerpunkten Regionalentwicklung, Wirtschaftsförderung und Standortmarketing an der Ruhr-Universität Bochum und der University of Sheffield. Zuletzt war er als stellvertretender Leiter der Bochumer Wirtschaftsförderung tätig.
Quelle Heilbronner Stimme vom 18. August 2010 von Manfred Stockburger und Reto Bosch www.stimme.de
Foto Guido Sawatzki Heilbronner Stimme www.stimme.de
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